Ökoprojekt Waldgarten

Öko-Projekt Waldgarten
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 Wird Schatten zum neuen Ackergold?
28.07.2026

In früheren Beiträgen stellte ich "Agroforstsysteme als Produktions-Methode in der Landwirtschaft vor. Ein Agroforstsystem ist eine landwirtschaftliche Fläche, auf der Ackerkulturen oder Grünlandnutzung mit Gehölzen kombiniert werden. Dabei bleibt die Nutzung der Fläche als Acker oder Grünland auf einem Großteil der Fläche erhalten. Durch die Integration von Gehölzen in der Agrarlandschaft soll die biologische Vielfalt erhöht werden. Gleichzeitig sollen Agroforstsysteme einen Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels und dessen Folgen leisten.

Die früher verbreiteten Streuobst-Wiesen waren genau so Agroforstsysteme wie mein Waldgarten-Projekt ebenfalls ein Agroforstsystem ist. Eine vertiefte Erklärung dazu finden Sie unter diesem Link:

https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/landwirtschaft/240419-nabu-hintergrundpapier_agroforst-und-naturschutz.pdf

Leider stelle ich fest dass das Thema Agroforstsysteme in der Landwirtschaft kaum auf Resonanz stößt. Vielfach wurden Gehölze sogar aus der Kulturlandschaft entfernt. Sie störten die Landwirte bei der maschinellen Bodenbearbeitung. Auch Feldraine wurden eingeebnet und Ackerrandstreifen umgepflügt. Durch die oft überzogene Düngung starben Bäume und Hecken vielfach ab.

Neben dem ökologischen Mehrwert von Agroforstsystemen ist mir auf meinem extensiv bewirtschafteten Grundstücken etwas aufgefallen: Im direkten Umfeld von Bäumen und Sträuchern richtet die derzeit extreme Hitzewelle deutlich weniger Schaden an als auf einer reinen Grasfläche. Das Gras ist noch wesentlich grüner und die Vielfalt der Gräser, Kräuter und Sträucher ist größer. Im Schatten von Bäumen und Sträuchern verdunstet das Wasser nicht so schnell. Früchte auf beschatteten Beeten sind deutlich vitaler. Ich muss an solchen Stellen nicht so oft gießen.

Am Sonntag war ich draußen um wilde Brombeeren zu pflücken. Die Sträucher hängen voll mit Beeren. Doch die allermeisten Früchte sind zwar schwarz. Doch ganz viele sind klein und völlig vertrocknet. Nur dort wo die Hecke zumindest teilweise von Bäumen beschattet wird sind die Früchte groß und süß und saftig!

Auch aus dieser Beobachtung schließe ich dass die (Wieder-)Einrichtung von Agroforstsystemen zukunftsweisend sein kann. Bei zunehmenden Dürre-Perioden und zunehmender Wasserknappheit können beschattete Flächen deutliche Vorteile haben. War früher in Horben ein Acker auf der "Sommerseite" (Südseite) wertvoller als einer auf der "Winterseite" (Norden) so könnte sich das in Zukunft völlig anders darstellen. Schatten könnte zum neuen Ackergold werden!

Dieser Erwartung folgend habe ich in meinem Waldgarten auch Obstbäume und Büsche gepflanzt. Die meisten Bäumchen sind noch klein. Durch das entsprechende Schneiden soll der Schatten in der Mittagszeit auf die Beete gelenkt werden. Dadurch soll die Verdunstung vermindert werden. Um dies optimal zu erreichen ist die intensive Beobachtung der Sonneneinstrahlung wichtig.

Diese Fläche soll der Einstieg in mein Waldgarten-Projekt werden. Im Halbschatten der Gehölze sollen Beete mit Wildgemüse angelegt und kultiviert werden. Das ist nämlich meine zweite wichtige Beobachtung: Wildpflanzen halten extreme Temperaturen deutlich besser aus als Kulturpflanzen. Wenn ich dann mal die erste Ernte ansteht muss ich wissen wie die Wildpflanzen genutzt werden sollen. Da bin ich dann auf die Kochkünste meiner Frau angewiesen!

Sie sehen: Das Projekt Waldgarten ist spannend und stellt mich vor Herausforderungen. Doch gegenüber meinen Vorfahren habe ich einen Vorteil: Wenn es mal eine Mißernte gibt müssen wir trotzdem nicht hungern! Wir können wie die meisten andern Leute auch das was wir brauchen extern einkaufen. Und dann in aller Ruhe darüber nachdenken woran es gelegen hat und es im nächsten Jahr dann anders machen! Wir müssen erst parat sein denn Lebensmittel auf breiter Front knapp werden.

Doch der Tag wird kommen an dem alternatives Wissen und Erfahrungen wertvoll sein werden. Davon bin ich zu 100% überzeugt. Für mich selbst vielleicht nicht mehr. Doch ich hoffe dass ich mein Wissen noch rechtzeitig teilen kann und dass mein Beispiel wenigstens den einen oder die andere zum Mittun oder zur Nachahmung veranlasst!

 

Mein Waldgarten-Konzept wird sichtbar!
08.07.2026

Mit meinem Projekt "Essbarer Waldgarten" geht es voran. Langsam zwar aber doch stetig. Ganz nach der Weisheit meiner Oma: "Wenn`s pressiert muesch langsam mache!" ("Wenn Du es eilig hast dann gehe langsam!") Lieber vorher zweimal überlegen als nachher mit faulen Kompromissen leben oder gar alles neu machen müssen.

Der Anfang ist gemacht. Die Einteilung war von den drei älteren Obstbäumen vorgegeben. Dazu wurden sechs junge Bäume und zwölf Johannis- und Stachelberen gepflanzt. Hochgewachsene Sträucher und Stauden stehen derzeit etwas unpassend herum. Die habe ich im Frühjahr ausgesäät als sonst noch nichts da war. Etwas voreilig! Einige werde ich wohl wieder versetzen müssen. Der Erschließungs-Weg ist festgelegt und mit selbst hergestellten Hackschnitzeln ausgelegt.

 

Meine Hauptaufgabe besteht jetzt darin die Boden-Qualität zu verbessern. Die Fläche wurde nach dem Bau des daran angrenzenden Wohnhauses einfach eingeebnet und mit Grassamen eingesäät. Der Untergund besteht überwiegend aus dem Bauschutt des Vorgänger-Gebäudes. Die Humusschicht ist nur wenige Zentimeter dick. Hauptsächlich ist dort bisher Löwenzahn und minderwertiges Gras gewachsen.Wenn ich hier auch Gemüse oder Kartoffeln ernten will muss ich den Boden von Grund auf neu aufbauen. 

Dazu könnte ich Mutterboden, Kompost oder Stallmist kaufen. Doch das widerstrebt mir. Ich mache es lieber so wie es die Forst- und Biologie-Studenten im Waldgarten neben dem Freiburger Waldhaus machen. Sie stellen die Erde selbst her. Sie sammeln organisches Material und mulchen damit die Flächen.

Auf dem Bild oben im Hintergrund sehen Sie drei Haufen mit vielfältigem organischem Material. Hauptsächlich Gras, Brennesseln, Giersch und Obstbaumlaub vom letzten Herbst. Dazwischen auch Kompost aus dem bereits gut verrottetem Mist meiner Hühner und Kaninchen. Zwar nicht viel. Doch wie heißt es? "Kleinvieh macht auch Mist!" Der anfallende Hecken- und Baumschnitt wird gehäckselt und ebenfalls untergemischt. In der hinteren Ecke wurde ein Steinhaufen mit unterschiedlich großen Steinen angelegt. 

Die Haufen wurden gestern breitflächig ausgebreitet. Mein Nachbar Herr Pawlowski ist Forst-Wissenschaftler. Er hat mir ein Rezept gegeben wie ich mit einer Mischung aus Zucker, Hefe und Wasser einen wirksamen Kompost-Beschleuniger herstellen kann. Das werde ich jetzt ausprobieren und in das Material einbringen. Dazu immer wieder homöopathische Gaben von Brennessel- und Kräuter-Jauche. Im kommenden Jahr sollen dort dann Kürbisse, Gurken, Erbsen, Bohnen und vielleicht sogar Kartoffeln wachsen.

Ziel ist ein kleinräumiges Agroforst-System in dem Bäume, Sträucher, Kräuter und essbare Pflanzen zusammenwirken. So sollen Lebensräume für Insekten und Klein-Getier entstehen und Obst und Gemüse wachsen. Der Ertrag für mich ist mir nicht so wichtig. Der ökologische Mehrwert steht im Vordergrund. Im Plan inbegriffen ist auch die Schaffung von beschatteten Flächen und Plätzen. Dieser Aspekt gewinnt gerade derzeit zunehmend an Bedeutung. Doch die Auswah zukunftsfähiger Baumarten ist eine Wissenschaft für sich. Bäume brauchen ja auch Wasser. Die zunehmenden Trockenheits-Perioden gilt es auch dabei mitzudenken.

Von der Waldgarten- und Permakultur-Idee bin ich seit mehreren Jahren regelrecht angefressen. Nach meiner festen Überzeugung kann die derzeit gängige kostenintensive, Umwelt- und Klima belastende Intensive Landwirtschaft auf Dauer keine Zukunft haben. Sie zerstört ihre eigenen Grundlagen. Regenerative Anbau-Methoden werden an ihre Stelle treten. Agro-Forst-Systeme könnten je nach Standort wesentlicher Teil der Lösung sein.

Am kommenden Wochenende findet in Freiburg im Eschholzpark das diesjährige Acrikultur-Festival statt. Für mich jedes Mal eine schier unerschöpfliche Quelle für Ideen, Eindrücke und Informationen. Wir werden wieder dort sein!

https://agrikulturfestival.de/

 

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