Privat + Persönlich
Sportliches Wochenende:
01.05.2025
Der 1. Mai ist eigentlich ein Wandertag. In jüngeren Jahren haben wir an dem Tag regelmäßig Touren vor allem am Kaiserstuhl unternommen. Jahrelang immer die gleiche Strecke: Von Bötzingen über den Vogelsang-Pass nach Endingen und von dort mit dem Zug zurück nach Bötzingen. Eine ziemlich anspruchsvolle Exkursion. Von Bötzingen-Bahnhof bis Endingen-Bahnhof sind es gut 20 Kilometer durch mehrere große Naturschutzflächen. Während wir uns hier in Horben noch vor den Eisheiligen fürchteten herrschte dort in der Regel bereits Frühsommer.
Solche weiten Touren mache ich heute mit 75 Jahren nicht mehr. Ich weiß nicht ob ich diese Strecke heute überhaupt noch so ohne weiteres schaffen würde. Damals unternahm ich die Tour stets mit einem Freund aus gemeinsamer Bundeswehrzeit. In unserer Einheit waren 20 Kilometer eine normale Marsch-Distanz. In Weingarten während unserer "Fernspäher"-Ausbildung ging es mehrfach über 50 Kilometer. Da waren die 20 km für Gottfried und mich ein Klacks. Mein Freund ist leider schon vor 20 Jahren durch einen Unfall verstorben. Allein wollte ich meine langjährige Tradition nicht fortsetzen.
Doch es ist nicht so dass ich das bevorstehende lange Wochenende auf dem Sofa verbringen werde. Im Gegenteil: Ich habe ein sportlich sehr anspruchsvolles Wochenende vor der Brust: Zwar keine Langdistanz zu Fuß über den Kaiserstuhl. Meine Sportart geht im Sitzen: Von heute Nachmittag um 15.00 an bis Sonntag abend nehme ich am Schachturnier des Schachklub Freiburg-Zähringen teil! Heute ein Spiel und morgen und übermorgen jeweils zwei. Hinterher Danach bin ich zwar auch ein oder zwei Tage lang müde. Doch tun mir am Montag wenigstens nicht alle Knochen weh!
An diesem Turnier nehme ich jetzt zum 12. Male in Folge teil. Die Atmosphäre im "Zähringer Keller" ist angenehm. Das Bewerberfeld im B-Turnier entspricht etwa meiner Spielstärke, Bisher habe ich immer drei von fünf Partien gewonnen. Das ist auch dieses Jahr mein Ziel. Doch es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Gegenspieler werden immer jünger. Es kann gut sein dass ich dieses Jahr zum letzten Male an diesem Turnier teilnehme.
Doch nur sitzend will ich den 1. Mai auch nicht verbringen. Ich lasse mein Auto zuhause und fahre alle drei Tage mit Bus und Straßenbahn zum Spielort am Zähringer Tor. Zum Auftakt gleich heute nach dem Mittagessen laufe ich zu Fuß über den Hölderweg nach Günterstal zur Straßenbahn-Endhaltestelle. Dann in 25 Minuten nach Zähringen. Zurück dann von Zähringen bis heim fast bis zur Haustür in 40 Minuten. Morgen und übermorgen dann beide Strecken ab 9.00 ganz mit dem ÖPNV. Das alles ohne Zusatzkosten, ohne Parkplatzsuche am Spielort und ohne Co²-Emmissionen. Auch ohne Gefahr in Günterstal oder in der Wiehre mit 35 kmh geblitzt zu werden. In dieser Konstellation fast ohne zeitlichen Mehr-Aufwand.
Ich freue mich darauf, mit vielen guten Bekannten aus der Schach-Szene Zeit zu verbringen. Zwischen den Spielen reicht die Zeit noch gut für einen kleinen Spaziergang zur Zähringer Burg oder einen Rundgang in Herdern durch den Botanischen Garten und über den Alten Friedhof. Dabei wird dann der Kopf wieder frei für das nächste Spiel!
Ein Monat mit dem ÖPNV:
26.04.2025
Nach meinen Beiträgen zu Umwelt- und Klimathemen wurde ich mehrfach gefragt wie es um mein eigenes ökologisches Verhalten steht. Vor allem wird mein eigenes Fahrverhalten hinterfragt. Immerhin hätten wir zwei Autos. Ob ich wohl einer von denen sei die anderen Wasser predigen und selbst Wein trinken?
Eine berechtigte Frage. Tatsächlich fahre ich einen Dacia Duster Baujahr 2018 und meine Frau einen Dacia Sandero zwei Jahre jünger. Zwei Autos haben wir deshalb weil meine Frau sehr oft zu ihren teilweise weit entfernt lebenden Kindern und Enkeln fährt und dort auch übernachtet. Dazu hat sie im Raum Müllheim sehr viele Kontakte mit denen sie sich immer wieder trifft. Mit meinem Duster kommt sie nicht zurecht. Der ist ihr zu groß und zu breit.Das verstehe ich zwar nicht. Doch sie sieht es so.
Ich selbst brauche ein Fahrzeug mit Anhänger-Kupplung. Ich habe ein großes Anwesen mit fünf Wohnungen, großen Nebengebäuden und großer Gartenfläche zu betreuen. Außerdem habe ich Tiere für die ich ab und zu Futter kaufen muss. Bisher bin ich im Jahr um die 5.000 km gefahren.
Vor etwa einem halben Jahr war ich drauf und dran mir ein Elektro-Auto zu kaufen. Auf meinem Dach liegen 24-KW-Photovoltaik und im Keller habe ich zwei Akku-Speicher. Damit erziele ich im Sommer hohe Strom-Überschüsse die ich zu einem geringen Entgelt ins Netz einspeise. Da wäre es sinnvoller einen Teil des Überschuss-Stromes im E-Car selbst zu verbrauchen.
Doch das rechnet sich nicht: Ein Elektro-Fahrzeug, an dem man eine Anhänger-Kupplung anbauen kann habe ich nicht gefunden. Dazu sind Elektro-Fahrzeuge noch immer viel zu teuer. Unter 30.000 € im Endpreis wurde mir nichts Passendes angeboten. Für mein aktuelles Fahrzeug (guter Zustand/ weniger als 50.000 km / alle Inspektionen /Kaufpreis vor acht Jahren 18.000 €) ) bekomme ich maximal noch 6500 €.
Dazu die Überlegung dass mein Benzin-getriebener Duster dann ja nicht weg ist. Er wird weiterfahren und weiter Co² ausstossen. Nur nicht von mir. Von jemand anderem. Und immerhin bin ich bald 76 Jahre alt und da frage ich mich schon ob ich mir tatsächlich noch einmal ein neues Fahrzeug zulegen sollte. Zumal mein derzeitiges Auto normalerweise noch viele Jahre halten sollte.
Dennoch machte ich mir intensive Gedanken wie ich mein Mobilitäts-Verhalten umweltfreundlicher gestalten könnte. Ich wohne in einem Ort, der sehr gut an den regionalen ÖPNV angeschlossen ist. Bis zur nächsten Haltestelle sind es nur 300 m. In den Kernort unseres Dorfes wären es 1.000 m Fußweg oder eben mit dem Bus. Mit dem Bus kann ich in 30 Minuten auch in der Innenstadt von Freiburg sein. Sehr viel bessere ÖPNV-Voraussetzungen haben Bewohner von Landgemeinden nur ganz selten.
Ein anderes Auto kaufe ich mir also wohl nicht mehr. Andererseits brauche ich ein Auto. Gleichzeitig sehe ich den größt-möglichen Umwelt- und Klimaschutz als Aufgabe jedes Einzelnen an. Zumal ich günstige ÖPNV-Bedingeungen habe. Aus dieser Überlegung heraus kaufte ich am 27 März eine übertragbare Regiokarte bei der Freiburger Verkehrs-AG. Ich wollte es wenigstens versuchen.
Heute ist ein Monat rum. Die finanzielle Abrechnung ist durchwachsen. Die Regiokarte kostet 85,10 Euro. Auto und Regiokarte nebeneinander rechnet sich für mich nicht. Selbst wenn ich nicht fahre fallen die Festkosten beim Auto an. Auch wenn ich nicht benötgte Parkgebühren, weniger Reparaturen und Reifen und sogar einen Strafzettel weniger mit hinzurechne komme ich nicht hin.
Allerdings habe ich meine gefahrenen Kilometer drastisch reduziert. In dem Monat bin ich gerade mal 188 km gefahren. Weniger als die Hälfte meines normalen Betriebes. Den Rest meiner Wege habe ich mit dem ÖPNV zurückgelegt. Außerdem hat meine Frau die Karte auch mehrfach genutzt. In meinen 188 km enthalten sind 70 km für eine Fahrt nach Breisach und zurück zum Schachspielen. Die hätte ich sehr gut mit überschaubarem Mehraufwand an Zeit mit der Bahn auch machen können. Doch ich musste zwei Jugendspieler des Schachclubs Horben mitnehmen. Da bin ich dann doch lieber mit dem Auto gefahren.
Vom Geld her lohnte es sich im März also nicht. Somit stand die Frage an ob ich mir ab morgen wieder eine Regiokarte zulege. Bei der Analyse erkannte ich dass ich viele Dinge optimieren und dadurch weitere Kilometer einsparen könnte. Bisher nutzen wir die Bankfiliale, die Apotheke und die Post in Merzhausen. Meine Frau kaufte beim Aldi in Merzhausen und beim Beckesepp in Sölden. Ich ging zum Friseur in Merzhausen. All das bekommen wir auch rund um die Straßenbahn-Haltestelle an der Lorettostraße.
Ich muss nicht zum Neukauf oder zu DM ins Real-Center in St. Georgen. Ich muss auch nicht heute zum Baumarkt und morgen in den Gartencenter und übermorgen zum Futterkaufen in die ZG. Bei besserer Planung kann ich alles mit einer Fahrt erledigen. Zusätzlich können wir am Sonntag mit der Karte gemeinsam Ausflüge in die Umgebung unternehmen.
Wir haben also ab morgen wieder für einen Monat lang freie Fahrt mit Bus und Bahn. Die Aufgabe wird sein unser Einkaufs-Verhalten und unsere Anlaufstellen so zu planen dass es zum ÖPNV passt. In Freiburg -Wiehre bekommen wir rund um die Haltestelle fast alles was wir brauchen. Unsere bisherigen Ärzte sind dort. Drei Haltestellen weiter sind wir direkt im Stadtzentrum. Was wir dann noch nicht haben das brauchen wir auch nicht!
Das ist der Plan. Ende nächsten Monat sehen wir dann genauer ob die Regiokarte mit meinem Geiz besser vereinbar ist. Heute morgen zum Beispiel gehe ich von uns aus über den Hölderweg zum Waldhaus in FR-Wiehre. Ca. 6 km quer durch den Wald. Dort schaue ich mich im Waldgarten um. Ein bißchen "mit den Augen stehlen!" Dann in der Waldhaus-Cafeteria einen Espresso trinken.
Dann von der Haltestelle Wonnhalde mit dem ÖPNV quasi direkt vor s`Haus. Am Nachmittag gehen wir zu Fuss ins Dorf zu ü-60-Seniorentreff der Kirchen-Gemeinde. Das alles ganz ohne Auto und ohne die Umwelt zu belasten. Sie sehen: Ich bemühe mich!
