Lokal
Regional
Horben: Anstehende Veränderungen und Diskussionen transparent begleiten!
29.04.2026
Wer als Gemeinderat an größeren Veranstaltungen teilnimmt kommt um kommunalpolitische Diskussionen nicht herum. Die Mitbürger wollen erfahren was in der Gemeinde läuft, warum etwas gerade so laufen muss und nicht anders und sie machen sich Gedanken über die Zukunft der Gemeinde. Als Gemeinderat ist es mir seit jeher ein Anliegen dieses Interesse so gut als möglich zu bedienen und zu kommunalpolitischer Transparenz beizutragen. Diesem Zweck dient auch ein Stück weit dieser Blog.
Am Sonntag beim Treffen der älteren Mitbürger unserer Gemeinde habe ich gespürt dass dieses Interesse gerade aktuell besonders hoch ist. Die Bewerbung von Bürgermeister Dr. Bröcker in Staufen erhielt in Horben doch mehr Aufmerksamkeit als ich zunächst wahrgenommen hatte. Meine Berichte dazu wurden auch in Horben intensiv gelesen. Da in diesem Jahr bei uns ebenfalls die Bürgermeisterwahl ansteht machen sich viele Menschen Gedanken wie es danach wohl weitergehen wird. Darüber hinaus werfen die gerade wieder anlaufenden Diskussionen um eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden bei vielen Menschen Fragen auf.
Die meisten Gespräche am Sonntag drehten sich um die Ende des Jahres anstehende Bürgermeisterwahl. Dr. Bröcker gab bereits früher bekannt dass er sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird. Wir werden also danach auf jeden Fall eine andere Person in diesem Amt haben. Die Diskussionen gingen vor allem um die Frage nach geeigneten KandidatInnen. Es wäre fatal wenn sich nur Bewerber ohne das notwendige fachliche Rüstzeug melden würden. Die Zeit, in der sich Leute mit anderem Hintergrund einarbeiten konnten sind auch in kleinen Gemeinden vorbei. Die Aufgaben sind mittlerweile so komplex dass aus meiner Sicht fundierte Verwaltungserfahrung auch bei einem ehrenamtlichen Bürgermeister unabdingbar ist.
Wohl im Scherz wurde ich mehrfach gefragt ob ich nicht doch noch einmal antreten will. Die früher geltende Altersgrenze ist aufgehoben. Dazu bin ich jetzt seit 1999 mit einer krankheitsbedingten Unterbrechung aktiv als Gemeinderat tätig. Bei meinen Bewerbungen 2004 und 20012 hatte ich mich intensiv auf das Bürgermeisteramt vorbereitet und auch gute Ergebnisse erzielt.
Doch um es von vornherein klar zu sagen: Eine Kandidatur meiner Person bei der Wahl 2027 kann ich absolut ausschließen. Zum einen werde ich im Juni 76 Jahre alt. Das spüre ich in manchen Bereichen durchaus. Zum andern sind es die oben genannten Gründe: Die Zeit für Quereinsteiger in dieses Amt ist vorbei!
Wir hatten bei der letzten Wahl 2019 Glück, dass mit Dr. Bröcker ein motivierter Volljurist zur Verfügung stand. Ich möchte mir gar nicht ausmalen wie es mit einem/r der Mit-Kandidierenden wohl gelaufen wäre. Auch eine langjährige Tätigkeit als Gemeinderat reicht für das Amt des Bürgermeisters nicht aus. Das sage ich auch an die Adresse der Person, die sich am Sonntag so offensichtlich wie aufdringlich in Stellung zu bringen versuchte!
Ich sehe es als Aufgabe des Gemeinderates dabei mitzuhelfen der Bürgerschaft ein geeignetes Bewerberfeld vorzuschlagen. Darin bin ich mir nach ersten Gesprächen mit einzelnen KollegInnen im Gemeinderat einig. Wir sollten gemeinsam aktiv auf passende Personen zugehen und sie zur Kandidatur motivieren. Die Wählerinnen und Wähler in Horben sollen die Auswahl haben zwischen geeigneten Personen mit jeweils passenden Konzepten.
Dazu will ich meinen Teil beitragen. Als Reaktion auf vereinzelte Hinweise sollen auf dieser Seite verstärkt Themen aus der Region Horben/ Hexental bearbeitet werden. Vor allem die anstehenden Bürgermeisterwahlen in Horben, Au und Wittnau und das Thema Interkommunale Zusammenarbeit" werden hier umfassend dargestellt und kommentiert.
Ich will nicht wieder das Desaster wie 2018 erleben. Damals wurde ein gutes Konzept durch mangelnde Transparenz sabotiert. Der damalige Gemeinderat mit Bürgermeister Riesterer und seinen Stellvertretern Kurz und Blattmann hielten eine umfassende Kommunikation mit der Bürgerschaft in einer so wichtigen Frage für weitgehend überflüssig. Der Bürgerschaft sollte eine unzureichend erklärte gravierende Veränderung übergestülpt werden. Die Quittung folgte dann mit dem Ergebnis des Bürger-Entscheides!
Ich kann versichern dass die Kommunikation bei den anstehenden Veränderungen anders laufen wird! Maximale Transparenz ist seit jeher mein politisches Markenzeichen. Hinterzimmerpolitik und Populismus wird es mit mir nicht geben!
Vielen Dank für den schönen Nachmittag!
28.04.2026
Das Gemeindeteam der Katholischen Kirchengemeinde St. Agatha Horben hatte zum "ü-60-Begegnungs-Treff" eingeladen. Früher hieß die Veranstaltung schlicht "Alten-Nachmittag". Auch "Senioren-Treff" hatte es einst geheißen. Doch da man auch in Horben mit der Zeit geht hat man einen moderneren Begriff gesucht und auch gefunden. Von mir aus hätte man die alte Bezeichnung gerne beibehalten können.
Doch unabhängig von der aus meiner Sicht etwas sperrigen Bezeichnung ist diese zwei Mal jährlich angebotene Veranstaltung ein ganz wichtiger Termin im Horbener Gemeinde-Leben! An diesem Tag sehen und treffen sich zum einen Leute die sich seit vielen Jahrzehnten kennen und die bereits zusammen auf der Schulbank gesessen sind. Für mich ist es tröstlich zu erfahren dass noch so viele Leute auch in hohem Alter noch fit und gesund dabei sein konnten. Zu so gut wie jedem und jeder der in Horben Aufgewachsenen ist mir am Sonntag eine Geschichte aus längst vergangenen alten Zeiten wieder eingefallen!
Ganz wichtig ist mir persönlich auch der Kontakt zu den später nach Horben gekommenen Mitbürgern und Mitbürgerinnen. Die meisten der früher als "Neubürger" bezeichneten Personen sind heute fest in die Dorfgemeinschaft integriert. Unser Gemeindeleben würde so nicht mehr funktionieren ohne die neu hinzu gekommenen Personen und Familien. Sie sind in allen Institutionen in der Gemeinde inzwischen unverzichtbare Stützen und sie sind überall willkommen, integriert und akzeptiert. Waren in früheren Zeiten die Gegensätze in unserer Bürgerschaft immer groß so steht das Miteinander heute deutlich mehr im Vordergrund. Daran haben die einstigen Neubürger erheblichen Anteil!
Von daher ist es für uns selbstverständlich an dieser Veranstaltung dabei zu sein. Was die Damen des Gemeindeteams diesmal wieder auf die Beine gestellt haben war ganz einfach nur toll! Das beginnt mit dem neuen Veranstaltungsort Festhalle. Da der Bürgersaal nur über eine Treppe zu erreichen ist waren Menschen mit Rollstuhl oder Rollator oftmals ausgeschlossen. Die Festhalle ist nahezu barrierefrei. Eine deutliche Verbesserung für ältere Menschen mit Handycap. Vielleicht sollten wir im Gemeinderat darüber nachdenken ob nicht doch auch für den Bürgersaal ein barrierefreier Zugang (vom Kindergarten/ Sportfeld her??) geschaffen und ausgewiesen werden könnte.
Das ging weiter über die geschmackvolle Dekoration und für mich persönlich ganz wichtig das vielvältige Kuchen-Angebot. Für eine "selber-gmachti" Schwarzwälder laufe ich heute noch meilenweit! Auch wenn meine sehr gesundheitsbewusste Frau nach meinem dritten Stück sorgenvoll die Augenbrauen hochzog und die Stirn runzelte! Einmal im Jahr darf man sündigen!
In ihrer freundlichen Begrüßung wies Andrea Schmid auf personelle Veränderungen im Gemeindeteam hin. Verdiente Mitglieder waren ausgeschieden. Andere nehmen nahtlos deren Platz im Team ein. Als besonderes Zeichen der Anerkennung erhielten die Ausgeschiedenen lebenslang das Recht, beim ü-60-Treff am Ehrentisch Platz zu nehmen. Andrea überbrachte auch die Grüße ihres erkrankten Bruders Bernhard Zimmermann. Das jahrzehntelange Zugpferd der Horbener Kirchengemeinde befindet sich derzeit in der Reha. Wir alle freuten uns dass Benni auf dem Weg der Besserung ist!
Sehr positiv aufgenommen wurde wieder die Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Bröcker. Der ist nicht einmal halb so alt wie die meisten der anderen Anwesenden und hätte sicherlich im Moment einiges mehr zu tun als den Sonntag Nachmittag mit Senioren zu verbringen. Doch das ließ er sich nicht nehmen. Sein Vorgänger Riesterer hatte sich 16 Jahre lang zu einer solchen Geste nicht aufraffen können. Den interessierte das Gemeindeleben seiner Gemeinde offenkundig nur am Rande. Die erste Bürgermeister-Stellvertreterin Frau Dr. Donauer half im Service-Team tatkräftig mit und sorgte mit dafür dass es allen gut ging. So zeigte auch die politische Gemeinde dass die Älteren ein wichtiger Teil der Horbener Bürgerschaft sind!
Somit bedanke auch ich mich als Teilnehmer und in meiner Eigenschaft als Gemeinderat beim Gemeindeteam nicht nur für den guten Kuchen. Sie haben einen Raum der Begegnung geschaffen der allen Teilnehmenden gut tut! Ich wünsche mir dass der "ü-60-Begenungstreff" oder wie immer der Event auch genannt werden mag ein fester Bestandteil unseres Gemeindelebens bleibt!
Martin Horn gewinnt die OB-Wahl in Freiburg
27.04.2026
Die OB-Wahl in Freiburg wurde bereits im ersten Wahlgang klar entschieden. Der bisherige OB Martin Horn gewann überraschend deutlich und wird damit weitere acht Jahre im Freiburger Rathaus amtieren. Horn gewann mit knapp 53% der Stimmen vor Monika Stein (knapp 30% und Achim Wiehle (gut 10%). Die Wahlbeteiligung lag bei 56%.
Dieses klare Ergebnis bereits im ersten Wahlgang ist aus meiner Sicht doch einigermaßen überraschend. Horn hatte zwar mit dem Slogan geworben "Gemeinsam viel erreicht..". Doch ganz so gut wie von Horn dargestellt steht Freiburg nicht da. Zum einen ist die Stadt hoch verschuldet. Zum andern wird über viele Themen heftig gestritten. Ob es um die Bebauung des Dietenbach-Geländes und der Zähringer-Höhe geht oder um die Verpackungssteuer oder um andere Dinge: In Freiburg ist viel Unmut und Unruhe zu verspüren. Auch dass sich mehrere Gemeinderatsfraktionen für andere Kandidat:innen ausgesprochen hatten sprach im Vorfeld der Wahl nicht für dieses klare Votum.
Dass es doch zu so diesem Ergebnis kam liegt wohl in der Person der Gegenkandidaten. Monika Stein und Achim Wiehle waren aus meiner Sicht die falschen Gegenkandidaten für den eloquent und bürgernah auftretenden Horn. Ich habe mehrmals Wahlstände aller drei Kandidierenden aufgesucht. Ich konnte keinen Grund erkennen warum ich Wiehle oder Stein wählen sollte. Weder inhaltlich noch von der Person her konnten die Mitbewerber von Horn mich auch nur ansatzweise überzeugen.
Zwar fand ich die Jovialität und die gespielte Lockerheit von Horn übertrieben. Etwas mehr Ernsthaftigkeit hätte ich bei einem 41-jährigen Oberbürgermeister schon erwartet. Doch die Steifheit, der inhaltliche Populismus, das einstudierte Auftreten und auch die optische Erscheinung der beiden anderen KandidatInnen überzeugten mich noch weniger. In Gesprächen mit anderen Teilnehmern wurde meine Einschätzung immr wieder bestätigt.
So kann man das Freiburger Wahl-Ergebnis so zusammenfassen: "Im Land der Blinden ist der Einäugige König!" Die Freiburger Wählerschaft hat von neun nicht völlig überzeugenden Angeboten das am wenigsten schlechte ausgewählt. Horn hat jetzt acht Jahre lang Gelegenheit diesen Eindruck zu verwischen.
Dass Wiehle nach der Wahl die Badische Zeitung von seiner Wahl-Party ausgeschlossen hat passt ins Bild. Zwar fand auch ich die Veröffentlichung der Umfrage wenige Tage vor der Wahl als einseitige Wahlhilfe für Horn. Doch das dort ermittelte Meinungsbild scheint ja zutreffend gewesen zu sein. Somit könnte man von einem Unternehmer der Oberbürgermeister aller Freiburger werden wollte schon etwas mehr Souveränität erwarten.
Wenn Monika Stein sich von der Unterstützung eines grünen Bündnisses mehr Zustimmung erwartet hatte sieht sie sich getäuscht. Die Universitätsstadt Freiburg mag ja eine grüne Hochburg sein. Doch zu einer grünen Politik gehört auch die passende Kandidatin. Das war Monika Stein auf jeden Fall nicht. Zu altbacken, zu wenig inspirierend, zu wenig eigene Ideen!
Positiv aus meiner Sicht war das Ergebnis des AfD-Kandidaten Schwarz. Mit gerade mal 2,2% lag er hart an der unteren Grenze der Wahrnehmung. Das macht mir Mut bezüglich der übergeordneten Politik: Umfrage-Ergebnisse für die AfD sind das eine. Doch wenn die Entscheidung wirklich getroffen werden muss entscheiden sich die Wähler:innnen doch für die seriösen Alternativen!
Staufen: Der Nebel beginnt sich zu lichten!
25.04.2026
Fünf Monate nach der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters in Staufen zeichnet sich ab, dass die Wahl gültig ist und dass Dr. Benjamin Bröcker das Amt zeitnah antreten kann. Gestern wurde die Klage eines Staufener Bürgers gegen das Wahlergebnis vor dem Verwaltungsgericht Freiburg in erster Instanz zurückgewiesen. Die Rechtsaufsicht im Landratsamt hatte die Wahl bereits früher als rechtmäßig beurteilt.
Unter dem Link unten finden Sie die offizielle Presse-Mitteilung des Landgerichtes mit der Urteilsbegründung:
https://verwaltungsgericht-freiburg.justiz-bw.de/.../2725...
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Kläger kann noch die nächste Instanz anrufen. Laut der Badischen Zeitung wird er darüber entscheiden wenn ihm die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt. Das kann laut BZ bis Mitte Mai dauern. Danach hat der Kläger einen Monat Zeit sich zu entscheiden.
Doch für Bürgermeister Michael Benitz und den designierten Nachfolger Dr. Bröcker ist das Urteil klar und eindeutig genug um jetzt den Amtswechsel im Rathaus zu vollziehen. Beide wollen ab sofort den Übergang einleiten. Mitte Mai soll der Gemeinderat in Staufen Dr. Bröcker zum Bürgermeister bestellen. Die offizielle Vereidigung kann erst erfolgen wenn das Urteil in erster Instanz endgültig rechtskräftig ist. Ein gewisses Maß an Unsicherheit besteht also noch!
Mit dem gestrigen Urteil beginnt sich der Nebel über dem Staufener Rathaus zu lichten. Michael Benitz kann seinen Ruhestand antreten und Benjamin Bröcker weiß wohin seine berufliche Reise künftig geht. Und die Staufener BürgerInnen und Bürger wissen jetzt wer die nächsten acht Jahre ihr Bürgermeister sein wird. Auch die klar unterlegene Kandidatin Pia Riesterer weiß jetzt dass sie nicht durch Unrechtmäßigkeiten um das Amt gebracht wurde. Sie hat durch eine demokratische Wahl verloren! Ich gehe davon aus dass auch sie nach dem Urteil die Wahl-Entscheidung akzeptieren kann.
Bleibt zu wünschen dass auch in der Staufener Bürgerschaft wieder Ruhe einkehrt. Gemessen allein nur an dem was zuletzt wochenlang in meinem Online-Briefkasten aufgeploppt ist war die Stimmung nach wie vor extrem aufgeheizt. Dass da vor wenigen Tagen noch Plakate mit negativen Äußerungen über den Kläger in Umlauf gebracht wurden war nur die Spitze des Eisberges. Ich wünsche dem Kläger dass sich die von ihm bereits im Vorfeld befürchteten sozialen Folgen erträglich sein werden und er in Ruhe in Staufen weiterleben kann. Dann habe ich die durch ihn ausgelösten Verfahrenskosten wenigstens nicht völlig umsonst bezahlt.
Als Gemeinderat in Horben wünsche ich mir dass die verstärkte Inanspruchnahme unseres Bürgermeisters durch die Übernahme in Staufen sich nicht nachteilig auf unsere Gemeinde auswirkt. Niemand kann zwei Herren gleichzeitig in vollem Umfang dienen. Ich hätte jegliches Verständnis wenn Dr. Bröcker seine erste Priorität jetzt im Staufener Rathaus sieht.
Doch darunter soll unsere Gemeinde nicht leiden. Künftig werden die Bürgermeister-Stellvertreter mehr Verantwortung und mehr Abeit übernehmen müssen. Es wird Zeit dass wir im Gemeinderat über die neu entstandene Situation und ihre Auswirkungen auf unsere Gemeinde endlich reden. Noch in diesem Jahr werden wir in Horben den Bürgermeister/die Bürgermeisterin wählen. Dr. Bröcker hat bereits erklärt dass er dann nicht mehr kandidieren wird. Bis dahin soll alles weiter in geordneten Bahnen laufen.
Ich möchte dass die Wahl bei uns sorgfältig vorbereitet und durchgeführt wird. Darauf werde ich ein besonderes Augenmerk legen. Ein solches Chaos wie in Staufen möchte ich in Horben nicht auch erleben!
Interkommunale Zusammenarbeit im Hexental: Trennung der Zuständigkeiten!
10.04.2026
Im vorherigen Beitrag zum Thema Interkommunale Zusammenarbeit im Hexental (auf dieser Seite unten) befürwortete ich eine Trennung der Zuständigkeiten. Die reine Verwaltung für alle Gemeinden innerhalb der VG sollte vom Amt des Bürgermeisters getrennt werden. Diese Aussage löste eine rege Diskussion mit Lesern und Leserinnen aus der Region aus. Aufgrund mehrerer Nachfragen will ich meine Aussagen dazu präzisieren:
Ein Bürgermeister hat laut Gesetz zwei Funktionen: Er ist Leiter der Gemeinde-Verwaltung und er ist Vorsitzender des Gemeinderates. Das sind grundverschiedene Funktionen die jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Person des Amtsinhabers stellen:
Als Vorsitzender des Gemeinderates beeinflusst der Bürgermeister die Entwicklung der Gemeinde und das Gemeinde-Geschehen allgemein. Er setzt die Themen, bestimmt die Tagesordnung des Gemeinderates und er vollzieht dessen Beschlüsse. Das erfordert ein hohes Maß an Engagement, Gestaltungswillen, Weitblick, Organisationstalent und ein Stück weit unternehmerisches Denken. Hohe soziale Kompetenzen sind in diesem Amt unabdingbar.
Als Leiter der Gemeindeverwaltung ist der Bürgermeister verantwortlich für die sachgerechte Erledigung und den ordnungsgemäßen Gang der Verwaltung. Er hat für die Einhaltung der Gesetze und für die Umsetzung von Vorschriften zu sorgen. Dafür trägt er die Verantwortung und dafür muss ein Bürgermeister selbst über profunde Verwaltungskenntnisse verfügen. Er haftet im Zweifelsfall persönlich für Fehler. Diese Haftung kann auch nicht auf den Hauptamtsleiter oder den Kämmerer abgewälzt werden.
Allerdings werden bei einem Bürgermeister keinerlei berufliche Qualifikationen vorausgesetzt. Ob ein Kandidat auch zum Leiter der Verwaltung befähigt ist wird ausschließlich dem Urteil der Wählenden überlassen. Ein als arbeitsscheu bekannter Tunichtgut mit niedrigem IQ wird in der Regel zwar nicht zum Bürgermeister gewählt. Doch vor allem in kleinen Gemeinden spielen sehr oft ein hoher Bekanntheitsgrad, die aktive Mitgliedschaft in Vereinen/ Institutionen oder die Zugehörigkeit zu Parteien und Interessens-Gruppen die entscheidende Rolle. Die Befähigung zum Leiter der Gemeinde-Verwaltung ist dann oftmals zweitrangig.
Weil ein Bürgermeister kein Verwaltungsfachmann sein muss besteht die Vorschrift, dass in jeder Gemeinde mindestens ein Beamter des gehobenen Dienstes eingestellt werden muss. Das kann der Bürgermeister sein wenn er die Voraussetzungen erfüllt. In der Regel ist das in kleinen Gemeinden jedoch der Hauptamtsleiter.
Fünf selbständige Kleinst-Gemeinden wie z. B. Au (1600 Einwohner) Horben (1200) Sölden (1300) und Wittnau (1600) könnten also(nach den demnächst bevorstehenden Wahlen) fünf hauptamtliche Bürgermeister und fünf Hauptamtsleiter beschäftigen. Dazu weitere VerwaltungsmitarbeiterInnen für die Sachbearbeitung. Merzhausen mit knapp 6.000 Einwohnern hat naturgemäß mehr Stellen. Jeweils anteilig ist das Personal der Verwaltungsgemeinschaft hinzuzurechnen.
es wird so kommen dass die Hexental-Gemeinden für insgesamt ca 12.000 Einwohner nach den anstehenden Wahlen in Au, Horben und Wittnau voraussichtlich vier hauptamtliche (Besoldungsgruppen mindestens A 14, je nach Gemeindegröße und Dienstzeit bis A 16) und einen ehrenamtlichen Bürgermeister haben. Dazu fünf Hauptamtsleiter (A 11 / A 12 / vielleicht höher). Weiter mehrere VG-Amtsleiter die wohl mindestens ebenfalls in A 12 eingestuft sind. Alle Leitungs-Stellen mit nachgelagertem Unterbau.
Ich will mich nicht festlegen: Die Personalkosten aller fünf VG-Gemeinden (ohne Bauhöfe/ Feuerwehren/ Kinderbetreuung etc.) und der VG Hexental liegen jedoch mit Sicherheit zusammen bei einem hohen einstelligen Millionenbetrag! Dazu die Sachkosten für die Ausstattung und die Bewirtschaftungs-Kosten für fünf Rathäuser.
Wenn also über Interkommunale Zusammenarbeit diskutiert wird dann muss es aus meiner Sicht vor allem um Einsparungen in den Rathäusern gehen. Die separate Verwaltung jeder einzelnen Gemeinde ist aus meiner Sicht zu aufwändig und zu teuer. Zu viele Dinge laufen nebeneinander her, zu vieles wird doppelt erledigt. Bei der Ausstattung wird zu vieles mehrfach beschafft und dann zu selten genutzt. Das gilt für die Software in den Rathäusern genau so wie für die Traktoren der Bauhöfe und vieles mehr.
Die Verwaltung aller fünf Gemeinden muss aus meiner Sicht zunächst weitestgehend synchronisiert und danach in einem Amt mit Fach-Abteilungen zusammengefasst werden. Diese zentrale Verwaltung muss von einem Fach-Beamten eigener Zuständigkeit geleitet werden (Verwaltungs-Direktor). Die Bürgermeister sollen als Leiter der Verwaltung entlastet und in der Funktion durch den Verwaltungsdirektor ersetzt werden. Die Position des Verwaltungs-Chefs wäre kein Wahlamt. Er/ Sie wäre beamtet und würde durch die Verbands-Versammlung bestellt.
Bei dieser Konstellation bliebe die kommunale Selbständigkeit der einzelnen Gemeinden vollständig gewahrt. Jede Gemeinde könnte nach wie vor von einem ehrenamtlichen Bürgermeister und einem eigenen autonomen Gemeinderat geführt werden. Eingespart würden die vier hauptamtlichen Bürgermeisterstellen und die fünf Hauptamtsleiter. Bei fortschreitender Gleichschaltung der Verwaltung könnten nach meiner Erwartung Kosten in Millionenhöhe eingespart werden.
Damit wären zumindest in den vier kleinen Gemeinden ehrenamtliche Bürgermeister ausreichend. Probleme mit den notwendigen (fehlenden?) Verwaltungs-Kenntnissen des Bürgermeisters würden entfallen. Ich kenne erfolgreiche ehrenamtliche Bürgermeister die im Hauptberuf zum Beispiel als Forstarbeiter oder als Landwirt unterwegs sind. Mir persönlich ist ein aktiver lebenserfahrener Macher im Rathaus deutlich lieber als ein pingeliger Paragrafen-Fetischist.
Auch hier könnte gespart werden. Ohne Verwaltungs-Aufgaben müsste die Aufwands-Entschädigung für einen ehrenamtlichen Bürgermeister auch nicht 50.000 €/ Jahr betragen. Ich orientiere mich da an dem Gemeindeverwaltungs-Verband Schönau. Dort beziehen einzelne ehrenamtliche BürgermeisterInnen in den kleinsten Gemeinden kaum 30.000 € / Jahr.
Das ist meine Sicht auf die Dinge. Mir ist bewusst, dass ich als Einmann-Fraktion im Gemeinderat der kleinsten Gemeinde kaum Einfuss auf den Verlauf der Diskussionen habe. Die Verbandsversammlung, der ich jetzt auch 17 Jahre angehöre ist kaltgestellt. Die Hinterzimmer-Gespräche laufen an mir vorbei. Die bekannten Populisten bringen sich bereits in Stellung.
Auf mein Votum wird es also nicht ankommen. Meine Aufgabe sehe ich in der Rolle des Beobachters und des Berichterstatters. Mein Interesse ist dass die Bevölkerungen dieses Mal nicht wie 2012 und 2018 vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Mir liegt an einem Höchstmaß an Transparenz. Daher wird es in diesem Blog demnächst eine eigene Seite allein zu diesem Thema geben.
