Natur Umwelt
Das Leben von und mit der Natur
Pflegen - Reparieren - Wiederverwerten
11.09.2026
Für mich eines der größten Ärgernisse unserer Zeit ist die verbreitet zu beobachtende Wegwerf-Mentalität! Einen großen Teil unseres Bedarfes kaufen wir in Freiburg in der Wiehre ein. Auf der Fahrt dahin komme ich zunächst nach Günterstal an den Abfall-Containern am "Steinernen Kreuz" vorbei. Mein Auto parke ich dann in der Regel vor den Containern an der Urachstraße.
Ich kann kommen und fahren wann ich will: Die Behälter sind an beiden Standorten stets übervoll. Davor wurden dann Altkleider, Elektroschrott, auch Glas und sogar Hausmüll hingeworfen. Entweder gibt es zu wenige Behälter oder die Leute werfen zu viele Sachen weg. Sehr oft liegen da Dinge die noch absolut intakt und gebrauchsfähig erscheinen.

Als entschiedenem Befürworter der im Beitrag unten beschriebenen Postwachstumsökonomie gehen mir solche Zustände gleich in zweifacher Hinsicht gegen den Strich: Zum einen zeigt es mir die fortschreitende Verwahrlosung unserer Gesellschaft. Entweder werden die Container zu selten geleert. Das st wohl auch eine Kostenfrage. Selbst wenn es so ist: So wirft man seinen Dreck einfach nicht hin! Es gibt einfach Leute denen ist es völlig wurscht wie es in ihrer Stadt aussieht. Hauptsache sie sind ihren Dreck los!
Zum andern stört mich der sinnlose Verbrauch von Material und Energie. Da liegen Sachen dabei die noch völlig funktionsfähig sind. Man wirft sie weg weil es gerade etwas neues gibt, weil es einem nicht mehr gefällt, weil man den Platz braucht um neues unterzubringen. Vieles könnte leicht repariert und wieder aufbereitet werden. Doch diese Mühe machen sich heutzutage nur noch wenige. Intakte Sachen könnte man ja auch verschenken.
Seit vielen Jahren besuche ich Flohmärkte und ähnliche Veranstaltungen in der Umgebung. Die Fülle von Dingen die da angeboten werden erschlägt mich oft beinahe. Mir geht es da weniger darum ein Schnäppchen zu machen. Eigentlich brauche ich heute kaum noch etwas wirklich. Das was ich bereits habe nutze ich viel zu selten.
Auch das ist eine Art Verschwendung. Viele Geräte werden gekauft und während ihrer ganzen Lebensdauer kaum ein paar Stunden eingesetzt. Ich bin mir sicher dass etwa Rasenmäher, Autoanhänger, Bohrmaschinen und vieles mehr gemeinsam durch mehrere Haushalte genutzt werden könnten. Wieviel Geld, Material, Energie, Platz und Abfälle könnte so eingespart werden ohne dass irgend ein Beteiligter sich einschränken müßte!
Aber offenbar haben die meisten Menschen immer noch zuviel Geld! Vom fehlenden Umweltbewusstsein ganz abgesehen. Alle Welt schreit wegen der hohen Lebenshaltungskosten. Dass man mit Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein, Gemeinsinn etc. auch viel Geld einsparen könnte kommt zu vielen nicht in den Sinn! "Was ich nicht brauche muss ich nicht bezahlen!" Diesen Spruch meines Großvaters beherzige ich noch heute.
Neben den Flohmärkten habe ich auch noch andere Quellen um meine Denkweise praktisch umzusetzen: Vor vier Wochen hat in Freiburg das "Fundkaufhaus" eröffnet. Am Dienstag war ich erstmals dort. Weiter suche ich immer wieder mal das Sozialkauhaus "Fairkauf" auf der Haid auf. Dazu bin ich alle vier Wochen beim "Tag der offenen Tür" bei der Arbeitslosen-Iniative Oltmannstraße. Alle drei Einrichtungen beschäftigen sich auch mit der Wiedereingliederung langzeit-arbeitsloser Menschen. Ein weiterer Grund warum mich solche Institutionen interessieren. Deneben gibt es in Freiburg auch mehrere Secoundhand-Läden. Viele ebenfalls mit einem sozialn Anspruch.
Unter den nachstehenden Links finden sie konkrete Beschreibungen der genannten Einrichtungen:
Fundkaufhaus: https://www.freiburg.de/pb/2632622.html
Fairkauf: https://www.caritas-freiburg.de/arbeit-und-berufliche-kompetenzen/fairkauf/
Oltmanns: https://www.dieoltmanns.de/ueber-uns/
Postwachstums-Ökonomie?
06.06.2026
Wenn ich in einem Beitrag über die Themen Waldgarten, Gärtnerhof oder Selbstversorgung schreibe kommen regelmäßig Reaktionen als wenn ich da etwas Obszönes angesprochen hätte. Träumer und Spinner sind dabei noh die mildesten Ausdrücke. Nach meiner Wahrnehmung fühlen sich viele Leute auf die Zehen getreten. Warum das so ist verstehe ich nicht.
Gestern traf ich in Freiburg einen früheren Mitschüler aus der Landwirtschaftsschule. Etwa gleich alt, seinen Hof hat er aufgegeben, die Flächen teils verpachtet, teils auch verkauft. Eigentlich verstehen wir uns gut. Doch er hatte meinen Beitrag unten gelesen und der scheint ihm sauer aufgestoßen zu sein.
Im Gegensatz zu mir hat er keinerlei Interesse an Landwirtschaft mehr. Er betreibt keinen Garten und er hält auch keine Kleintiere. Aus seiner Sicht rechnet sich das überhaupt nicht. Er habe nicht die Absicht auf seine alten Tage im Dreck zu wühlen und im Mist zu waten. Für Selbstversorger-Träume sei er zu alt. Er kaufe beim "Beckesepp" ein. Dort sei alles deutlich billiger und er könne seine Zeit sinnvoller verbringen.
Die Haltung meines früheren Kollegen betrübt mich! Auch für mich "rechnet" es sich nicht. Jedenfalls dann nicht wenn Geld der entscheidende Faktor sein soll. Selbst wenn ich meine Arbeitszeit überhaupt nicht anrechne lege ich immer noch Geld drauf. Der von John Seymour und einigen anderen propagierte Selbstversorger-Gedanke funktioniert unter heutigen Bedingungen absolut nicht. Wer mit einem Gärtner- oder Kleintierhof eine Familie ernähren will ist auf dem falschen Weg.
Dennoch ist mein Tun deutlich mehr als ein Hobby. Wer bei mir mitliest weiß dass sich nach meiner Meinung die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bedingungen der Gesellschaft sehr bald radikal verändern werden. Ich gehe sicher davon aus dass unser Wirtschaftsgebaren, unser ökologischer Raubbau und unser soziales Anspruchsdenken auf Dauer nicht durchzuhalten ist. Unsere Systeme werden früher oder später zusammenbrechen. Nicht schon heute. Aber schneller als viele denken. Die Anzeichen mehren sich mit jedem Tag!
Seit vielen Jahren befasse ich mich mit dem Thema "Postwachstums-Ökonomie". Einer der profiliertesten Vertreter dieser Richtung ist Professor Dr. Niko Paech. Ihn und seine Lebensgefährtin habe ich im Rahmen meiner früheren Tätigkeit an der Universität Freiburg kennen gelernt: Außerdem lese ich seit vielen Jahren einschlägige Veröffentlichungen. Angefangen von Karl Max Schwarz mit seiner Siedler-Idee über Erhard Eppler, Ulrike Hermann, Michael Beleites, Veronika Bennholdt-Thomsen und viele andere.
https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/postwachstumsoekonomie-weniger-ist-mehr?
Sie vertreten die Notwendigkeit einer Abkehr von der zerstörerischen Wachstums-Ideologie und eine Hinwendung zu nachhaltiger Wirtschafts- und Lebensweise. Mögliche Wege dahin werden unterschiedlich gesehen. Doch im Ziel im Ziel sind sie sich weitgehend einig: Wir brauchen eine Post-Wachstumsökonomie! Von dieser Erkenntnis bin auch ich voll überzeugt!
Ein wesentliches Element der Post-Wachstumsökonomie ist weitgehende Selbstversorgung. Mit allem was man kaufen kann: Lebensmittel, Dienstleistungen, Kleidung oder Geräte. Unter dem obigen Link wird der Begriff eingehend erklärt. Dazu gehört auch die Bildung von Netzwerken, gemeinschaftliche Nutzung von Konsumgütern, Recycling und vieles mehr.
Dabei wird davon ausgegangen dass die Einkommen der meisten Menschen künftig sinken werden und dass künftig nicht mehr so viel bezahlte Arbeit nachgefragt wird. Das dann fehlende Einkommen muss auf die oben bezeichnete Weise kompensiert werden. Die Menschen werden sich dann die heute umfassende Fremdversorgung nicht mehr leisten können.
Das ist meine Motivation. Ich beschäftige mich mit der Frage wie nachhaltiges Leben ohne Raubbau an der Natur aussehen kann. Eine Lösung für einige Menschen könnte das Konzept Waldgarten oder de r von Karl Max Schwarz vor Jahrzehnten beschriebene Gärtnerhof sein. Ob solche Konzepte ökonomisch auch in einer Postwachstums-Ökonomie funktionieren muss sich erst noch herausstellen. Für einge ganz sicher. Für andere müssen andere Lösungen gefunden werden.
Ich für mich fände es frevelhaft wenn ich kleinräumige landwirtschaftlich-gärtnerische Tätigkeit nicht in Betracht ziehen würde. Als einer der relativ wenigen Menschen verfüge ich über alle wichtigen Ressourcen um solche Konzepte umsetzen zu können: Ich besitze eigenes Land und nutzbare Gebäude. Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen und ich habe eine landwirtschaftliche Grundausbildung absolviert. Als Rentner verfüge ich über die notwendige Zeit um mich mit den Dingen zu beschäftigen. Letztendlich muss ich mit dieser Tätigkeit nicht meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich kann Fehlinvestitionen und Mißerfolge verkraften ohne dass gleich alles ins Wanken gerät.
Wer also sollte solche Möglichkeiten ausloten wenn nicht Leute mit meinem Hintergrund? Wer sonst sollte ökologische, wirtschaftliche und soziale Nischen suchen und ausbauen? Hauptberufliche Landwirte können das ohne aktuelle Not nicht riskieren. Sie sind wirtschaftlich festgelegt und müssen weitermachen bis es nicht mehr geht. Reine Theoretiker müssen die Praxis erst noch kennen lernen.
Ich sehe mich theoretisch tief drin und versuche jetzt die Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit praktisch auszuloten. Dabei bin ich mir bewusst dass ich das Ergebnis vielleicht nicht mehr erleben werde. Doch meine Erfahrungen werden dokumentiert und helfen anderen später vielleicht weiter.
Von daher finde ich es schade dass mein oben genannter Gesprächspartner mein Tun derart klein redet!
Projekt "Essbarer Waldgarten"
04.09.2026
Die regelmäßigen LeserInnen meines Vorgänger-Blogs kennen mein Projekt bereits: Ich bin emsig dabei, auf dem Gelände des Merkerhofes einen essbaren Waldgarten zu entwickeln. Er soll in Zukunft Teil des für später geplanten Gärtner- und Kleitierhofes sein
Ein essbarer Waldgarten ist ein Agroforstsystem in dem Wald und Garten (Landwirtschaft) ineinander übergehen. Der essbare Waldgarten besteht aus überwiegend essbaren Pflanzen. Er ist eine nachhaltige Form der Waldbewirtschaftung. Neben dem Ertrag an Lebensmitteln und Holz erhält man auch auf kleinster Fläche eine hohe Artenvielfalt. In einem Waldgarten wachsen und leben eine hohe Anzahl an Pflanzen und Tieren.
Mein Waldgarten soll auf einem Grundstücksteil in unmittelbarer Hausnähe entstehen. Nach dem Hausbau wurde dort damals lediglich der Bauschutt eingeebnet und mit einer dünnen Schicht besserer Erde überdeckt. Darauf wuchs minderwertiges Gras, hauptsächlich Löwenzahn. Vor Jahren habe ich dort drei Apfelbäume gepflanzt die inzwischen einen bescheidenen Ertrag liefern.
Um hier überhaupt gärtnern zu können muss ich die Bodenqualität verbessern. Ich könnte jetzt Humus bringen lassen oder Stallmist kaufen. Doch das passt nicht zu meinem Konzept. Ich will den Humusanteil erhöhen in dem ich Kompost und Mulch aus Biomasse herstelle und den Magerrasen Zug um Zug in Gartenfläche umwandle.
Im Vordergrund des Bildes sieht man die ersten Nutzflächen mit Erdbeeren und Kürbissen. Dazwischen stehen Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren. Auf der ganzen Fläche verteilt stehen Kirschen, Zwetschgen, Birnen, Mirabellen. Später sollen weitere Sträucher, Beete und Bodendecker hinzu kommen. Im Hintergrund sehen Sie aufgeschichtete Stein- und Totholz-Haufen als Lebensraum für Klein-Getier und Organismen.
Dahinter stehen wild geachsene Brombeeren, Hollunder und Haselnuss. In etwas weiterer Entfernung beginnt Sukzessionswald mit Tannen, Eschen, Nussbäumen, Ahorn, Eichen, Weiden und Gebüsch. Angedacht ist, diese Flächen Zug um Zug in meinen Waldgarten zu integrieren. Doch ich allein werde wohl nicht mehr dazu kommen.

Das ist jetzt mal meine Experimentierfläche mit ca. 200 m². Geerntet haben wir dieses Jahr Zwetschgen, Beeren und Äpfel. Nächstes Jahr erwarte ich etwas mehr von allem. Doch der Ertrag steht nicht im Vordergrund. Der ökologische Mehrwert ist mir vorerst wichtiger. Ich möchte bei meinem Tun lernen und Erfahrungen sammeln.


