Umwelt-Soziales

Essbarer Waldgarten Merkerhof

Dieser Titel steht für den Gesamtbereich Natur / Umwelt / Klima

Scheunen-Dach als Resource im Kampf gegen den Klimawandel:
29.05.2026

Der ältere Teil meines Hauses ist das frühere Ökonomie-Gebäude unseres Hofes. 20 m lang, 10 m breit und 12 m hoch mit einem tief heruntergezogenen Dach. Die Bilder unten zeigen rechts die Ostseite und links die Westseite. Die Westseite wurde vor wenigen Jahren durch die Fa. Riegger in Sölden neu gedeckt. Die Westseite stammt aus dem Jahr 1968. 

Der ursprüngliche Plan war eigentlich, die Scheune Zug um Zug ebenfalls in Wohnraum umzuwandeln. Doch zunächst war ich mit der Finanzierung des im Jahr 1993 neu gebauten Wohnteiles beschäftigt. Im Jahr 2015 war ich dann so weit das ich den Umbau des Ökonomiegebäudes hätte angehen können. Das Architektur-Büro Lorenz in Wittnau fertigte einen genehmigungsfähigen Plan an. Doch dann wurde bei mir ein Karzinom am Stimmband entdeckt. Eine Operation mit anfangs ungewissem Ausgang wurde notwendig. Deshalb musste das Vorhaben zuerst aufgeschoben und danach aufgegeben werden. 

Mit jetzt bald 76 Jahren  ist es für ein solches Projekt für mich wohl auch zu spät. Daher ließ ich die marode Ostseite neu decken. Viel mehr wird in meinem Leben dort auch nicht mehr stattfinden. Mein Fokus liegt inzwischen auf der Frage wie ich mich und meine Verhältnisse bestmöglich an den fortschreitenden Klimawandel anpassen kann. 

Gerade in diesen Tagen ist dieses Thema bei mir wieder sehr präsent. Ich kann mich nicht erinnern dass es in Horben auf 600 m Höhe jemals Im Mai über 30 Grad Celsius heiß war. Solche Temperaturen herrschen bei uns normalerweise im Juli/ August. Es gehört wenig Phantasie zu der Vorhersage dass dieses Jahr einen weiteren Hitze-Rekord aufstellen wird.

In Bezug auf meinen inzwischen fortgeschrittenen "Essbaren Waldgarten" stellt sich in diesen Tagen die Frage nach Gieß-Wasser und Beschattung. Ich beobachtete vereinzelt Nachbarn die ihren Rasen und ihren Garten mit Trinkwasser sprengen. Doch das ist für mein Projekt keine Lösung. Bei über 4,50 Euro/ m³ Wassergebühren kann das für mich keine realistische Option sein. Von der ökologischen und sozialen Fragwürdigkeit einer solchen Praxis will ich erst gar nicht reden.

Für mein Projekt mit Nutzpflanzen und Obstbäumen ist es unabdingbar dass ausreichend Regenwasser zur Verfügung steht. Derzeit kann ich 7.000 l speichern. Damit komme ich beim aktuellen Umfang meiner Aktivitäten und beim jetzigen Wetter noch gut hin. Irgendwann wird es ja auch wieder mal ein Gewitter geben und dann sind meine Behälter nach kurzer Zeit wieder voll. Obwohl bisher nur ein geringerer Teil des anfallenden Regenwassers in meine Vorratsbehälter fließt.

Meine nächste Investition wird der umfassende Ausbau meiner Regenwasser-Speicherkapazität sein. Hauptsächlich um  den wachsenden Eigenbedarf zu decken. Ich gehe nämlich auch davon aus dass es bald praktikable Systeme zur Aufbereitung von Regenwasser zu Brauchwasser auch im Wohnbereich gibt.

Zum andern ist mein Dach so groß dass ich mir vorstellen kann, irgendwann auch Nachbarn über mein Dach mit Gieß- und Brauchwasser zu versorgen. Eine mit bereits instaliertem Solarstrom betriebene Pumpe sollte dies ökologisch nachhaltig ermöglichen. Jedenfalls sollte mein eigener künftiger Wasserbedarf voraussichtlich sichergestellt werden können.

Von daher stellt mein großes Scheunendach eine Resource dar die ich im Auge behalten und an den steigenden Bedarf anpassen kann. 

Warum mache ich das so? Versuch einer Erklärung:
23.05.2026

Die Beiträge auf dieser Seite werden überraschend häufig aufgerufen. Ich hätte nicht erwartet dass das Thema Windnisgarten/ Waldgarten / Essbarer Waldgarten so vielfältiges Interesse hervorruft. Die Reaktionen, Rückmeldungen, Nachfragen dazu belegen dass das Thema Umwelt, Klimawandel, Natur etc. doch viele Leserinnen und Leser beschäftigt.

In Teilen der Leserschaft herrscht jedoch ein Missverständnis vor das ich gerne richtigstellen will:

Viele Lesende sind der Meinung dass mein Tun eine reine Liebhaberei ohne wirtschaftlichen Hintergrund ist. Dem ist ganz sicher nicht so. Mein Ziel ist es den Merker-Hof langfristig wieder zu einem lebendigen atmenden Organismus zu entwickeln der möglichst viele Ansprüche seiner Bewohner erfüllt. Mir schwebt die Einrichtung eines an die Bedingungen des Klimawandels und an von mir erwartete wirtschaftliche Veränderungen angepassten Selbstversorger-Hofes vor!

Wenn ich von Selbstversorgung rede meine ich nicht nur Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Ich bin nämlich kein Träumer. In meinem Riesen-Anwesen könnte vieles nebeneinander wirken. Ich hätte Platz für Gärtner und Handwerker genauso wie Räume und Flächen für viele andere dazu passende Aktivitäten. 

Für das menschliches Grundbedürfnis "Wohnen" ist gesorgt: In meinem Hof stehen fünf unterschiedlich große, abgeschlossene Wohnungen zur Verfügung. Die Hausgemeinschaft funktioniert. Die Haustechnik ist auf einem guten Stand. Die Belastungen sind vollständig getilgt. Für den Fall der Fälle wurden  Rücklagen gebildet. Die wirtschaftliche Basis scheint also gesichert. Das war der erste Schritt und der war mühsam und schmerzhaft genug.

Dabei stehen zu bleiben wäre unbefriedigend. Die 600 Jahre alte Institution Merkerhof verfügt über weitere Ressourcen die genutzt werden sollten. Mehrfach stellte sich mir in der Vergangenheit die Frage ob ich meine Riesen-Scheune weiter ausbauen soll. Wirtschaftlich wäre das darstellbar und nach gängiger Denkweise auch sinnvoll. Doch dann wäre ich einseitig festgelegt. Für andere Nutzungen und Ideen wäre dann kein Platz mehr. Das entspricht nicht meiner Zielsetzung. Ich strebe nicht nach möglichst hohen Einnahmen. Bei meinem Einstieg vor ziemlich genau 50 Jahren habe ich mir vorgenommen unserem Hof einen weiter gefassten auch sozialen Sinn zu geben. Daran arbeite ich.

Diesen Sinn sehe ich tatsächlich im Aufbau einer Selbstversorger-Wirtschaft. Nach meiner festen Überzeugung wird sich im Zuge des Klimawandels und durch veränderte wirtschaftliche Bedingungen unsere Gesellschaft und das Leben der meisten Menschen dramatisch verändern. Die Zeit des Überflusses geht zu Ende. Die Menschen werden wieder lernen mit dem auszukommen was zur Verfügung steht.

Die Versorgung mit Lebensmitteln wird die Menschen weltweit vor neue Herausforderungen stellen. Eine weiter wachsende Erdbevölkerung sieht sich mit schwindenden natürlichen Ressourcen konfrontiert. Dürre-Perioden, Wassermangel, Erderwärmung, Artenschwund, Unfruchtbarkeit der Böden etc. wird die gängige Form der Land-Bewirtschaftung völlig verändern. Die industrielle Landwirtschaft stellt sich immer deutlicher als katastrophaler Irrweg dar. Quadratkilometer große Monokulturen, Massentierhaltungen, Übertechnisierung, Überdüngung, Abhängigkeit von Subventionen erweisen sich zunehmend offensichtlicher als nicht zukunftsfähige ökologische und soziale Fehl-Entwicklungen.

Nach meiner festen Überzeugung wird bald eine naturnahe, an den Klimawandel angepasste gärtnerische Bewirtschaftung kleinerer Flächen in kleinen Einheiten zunehmende Bedeutung erlangen. Kleinbäuerliche Strukturen und Nutzgärten werden an die Stelle der Agrarfabriken treten. Die Menschen werden sich zusätzlich auch wieder vermehrt mit Lebensmitteln selbst versorgen. Die Interessensgebiete werden sich wandeln: Koch- und Backkurse statt Work-Life-Balance! Gartenarbeit statt Yoga und und Fitnesstudio! Die Sicherung der elementaren Grund-Bedürfnisse wird stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken müssen! 

Darauf will ich vorbereitet sein. Mir ist bewusst dass Selbstversorgung mit Lebensmitteln nicht jedem möglich ist. Nur wenige verfügen so wie ich über die notwendigen Voraussetzungen. Andere Menschen werden andere Wege der Anpassung und der Transformation finden müssen. Der von mir gesehene Weg ist sicher nicht allgemein-tauglich.

Bei mir liegen diese Grund- Voraussetzungen jedoch vor: Die notwendigen Flächen und Gebäude sind vorhanden. Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen. Als Rentner verfüge ich über die notwendigen zeitlichen Kapazitäten Es wäre fahrlässig und eine Sünde diese mir zugewiesenen Ressourcen nicht zu aktivieren und dauerhaft nicht sinnvoll zu nutzen.

Dazu ist es notwendig dass ich mich in die Materie einarbeite. Mein vor Jahrzehnten erworbenes landwirtschaftliches Wissen ist überholt. Ich muss mir theoretische und praktische Fähigkeiten neu aneignen und vertiefen. Flächen renaturieren, Klima-resistente Pflanzen und Bäume ansiedeln, Regenwasser-Nutzung optimieren, für Sonnenschutz sorgen. Das alles will erkannt, geplant und im Bewusstsein verankert sein. Das hat nichts mit Spielerei oder mit Tagträumerei zu tun! Für mich ist es Arbeit und nimmt breiten Raum in meinem Leben ein.

Über mein Tun kann man genüßlich lächeln und lästern! Das halte ich aus! Seit fünf Jahrzehnten bin ich auf diesem Weg. Es hat lange gedauert bis die dazu notwendige Beinfreiheit erreicht war. Manchmal bin ich falsch abgebogen, Umwege gegangen und stehen geblieben. Doch immer wieder wurde ich auf diesen Weg zurück verwiesen. Heute erkenne ich dass dieser Weg für mich genau der richtige war. Wie weit ich selbst auf diesem Weg in diesem Leben noch komme liegt nicht in meiner Hand.

Diebstahl mit den Augen!
18.05.2026

In meinem Beitrag unten hatte ich beschrieben, dass die Einrichtung eines Waldgartens viel Überlegung erfordert. Zwar sind Fehler in dem Stadium in dem ich mich befinde nicht sonderlich schlimm. Die Pflanzen sind noch nicht ausgewachsen und können noch relativ problemlos umgepflanzt werden. Dennoch will ich ja vorwärts kommen und nicht immer wieder von vorn anfangen.

Um einen Vergleich mit anderen Projekten zu haben suchte ich gestern den Waldgarten Wiehre am Rand des Sternwald in Freiburg auf. Hin etwa 7 km zu Fuß, zurück mit Straßenbahn und Bus! Neben dem Deichelweiher betreibt eine Gruppe engagierter urbaner Gärtner:innen seit vielen Jahren ein ähnliches  Projekt.

Waldgarten Wiehre – Ein Urbanes Permakultur Projekt in Freiburg im Breisgau

Weil ich mir in einem grundlegenden Punkt nicht sicher war wollte ich mich dort vor Ort vergewissern. Mit den Augen stehlen sozusagen. Lieber lerne ich aus den Fehlern anderer als dass ich selber welche mache. Da die Waldgärtner in der Wiehre mir an Erfahrung um Jahre voraus sind erhoffte ich mir von einem Besuch dort wichtige Fingerzeige.

Vor Ort stellte ich fest dass ich mit meiner Vorgehensweise ziemlich richtig liege. Zwar sind meine Obstbäume, Sträucher, Kräuter und Blüten noch nicht so weit wie dort. Doch von der Planung, von der Struktur und von der Auswahl der Bäume, Sträucher und Kräuter her scheine ich nicht allzu viel falsch gemacht zu haben:

Das mittlere Bild oben zeigt die von mir bisher bearbeitete Fläche. Zwar noch etwas dünn bestockt. Doch die Pflanzen werden wachsen. Die Bilder rechts und links zeigen jeweils Teilbereiche des Waldgartens Wiehre. Vom Grund-Prinzip her stimmt meine Vorgehensweise. Das beruhigt mich und das motiviert mich zum Weitermachen! 

Die Fläche oben ist nur ein Anfang. Sollte mir der Herrgott genug Zeit schenken will ich Zug um Zug mehr Fläche in meinen Waldgarten einbeziehen. Wenn mich das Leben etwas gelehrt hat dann diesen Grundsatz: "Klein anfangen - zielstrebig und mit Augenmaß ausbauen!" Damit bin ich stets einigermaßen gut gefahren. Man muss immer auch seine eigenen Grenzen realistisch ausloten! Im Leben habe ich genug Überflieger kennen gelernt. Die sind als Tiger gestartet und wurden am Ende von Mäusen gefressen!

Genau so behutsam will ich auch bei meinem Projekt "Waldgarten Merkerhof" vorgehen! Der Garten in der Wiehre ist auch nicht an einem Tag entstanden! Wenn Sie ebenfalls an dem Thema interessiert sind dann clicken Sie hier:

Verein Österreichisches Waldgarten-Institut – Erforschung essbarer Waldgärten in den gemäßigten Breiten Europas – Permakultur & Waldgarten

Frühjahrs-Newsletter 2026 – Waldgarten-Institut – Permakultur & Waldgarten

 

Das Thema Wildgarten ist komplexer als gedacht!

16.05.2026

Wie bereits mehrfach beschrieben bin ich dabei, Teile meines Grundstückes in einen Naturgarten umzuwandeln. Dadurch will ichvielfältige Lebensräume schaffen für heimische Pflanzen und Tiere. Mein Garten soll anpassungsfähig sein an die sich verändernden Klima-Bedingungen. Daraus soll keine ungezügelte Wildnis entstehen. Ich möchte ein strukturiertes Nebeneinander von sich gegenseitig unterstützenden Natur-Elementen und naturnah erzeugten Lebensmitteln.

Meine Vorstellung ist das Prinzip eines "essbaren Waldgartens". Das unten eingefügte Bild vom Waldgarten am Schloss Tempelhof kommt meinen Vorstellungen ziemlich nahe:

 

Inzwischen stelle ich fest dass das Thema wesentlich komplexer ist als anfangs gedacht. Die Natur einfach nur machen zu lassen genügt bei weitem nicht. Dann wachsen da nach einiger Zeit nur noch Brennesseln,  Brombeeren und Löwenzahn. Um möglichst alle gewünschten Funktionen zu installieren und zu erhalten muss der Mensch eingreifen. Sonst nehmen einzelne schnell wachsende, durchsetzungsfähige Pflanzen schnell überhand. 

Mir war schnell klar dass ich mich intensiver mit dem Thema befassen muss. Ich habe zwar Steinhaufen und Totholzstapel angelegt. bienenfreundliche Blumen und Gräser gesät, Sträucher und Bäume gepflanzt. Das Grundgerüst steht. Aber um die Einzel-Elemente zu einem optimal funktionierenden Ganzen zusammenzufügen fehlt mir doch einiges an Spezialwissen. Es nützt mir wenig wenn ich idealen Lebensraum für Schnecken schaffe und die fressen wir dann meinen Salat. Ich muss dafür sorgen dass zwar alles da ist. Dass aber alles auch im Gleichgewicht bleibt.

Im vergangenen Winter habe ich versucht mein Wissen zu erweitern. In meinem Regal stehen inzwischen ein Dutzend Bücher die sich mit allen Aspekten dieses Themas befassen. Auch alte Gartenbücher die ich aus dem Nachlass meiner Mutter und meiner Großmutter übernommen habe. Doch mit Theorie allein bin ich nicht klar gekommen. Ich musste die Praxis kennen lernen.

Derzeit besuche ich Projekte mit ähnlicher Ausrichtung. Dort tausche ich mich mit Gleichgesinnten aus und hole mir Anregungen. Dazu bin ich so gut wie jede Woche im Waldgarten beim Waldhaus in Freiburg-Wiehre und jetzt im Frühling im Munden-Hof in Freiburg. Daneben gibt es in Freiburg-Littenweiler und im Dreieck St. Georgen - Vauban - Merzhausen weitere private Projekte. Auch der Botanische Garten in Freiburg-Herdern ist mir eine wichtige Informationsquelle.

Das alles ist interessant und ich mache ständig für mich nutzbare neue Beobachtungen. Doch das trifft es nicht zu 100%! Ich will nicht nur für Bienen und Insekten oder für heimische Vögel oder für Kröten, Eidechsen etc. gute Bedingungen schaffen. Die gehören dazu. Doch mein Fokus liegt auf dem Begriff "Essbarer Waldgarten!" unter Berücksichtigung des Aspektes Klimawandel. Ich sehe mein Projekt auch als Teil einer Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Vor diesem Hintergrund muss die Struktur anders aufgebaut sein als unter dem reinen Naturschutz-Aspekt. Ganz nach meinem Grundprinzip "Maß und Mitte"!

Gestern bin ich im Internet auf den bundesweit aktiven Verein Naturgarten e.V. gestoßen. Die dort gefundenen Informationen waren für mich höchst interessant. Der Verein ist in verschiedene Sektionen gegliedert. Die Sektion Südbaden firmiert unter einer Adresse in Freiburg. Dort habe ich deren Newsletter abonniert und eine Beitrittserklärung unterschrieben. Davon erhoffe ich mir mehr zielgerichtete Informationen und fruchtbaren Austausch.

Naturgarten - Seite des Naturgarten e.V.

 

Nach einem Monat: Was ist daraus geworden?

08.05.2026

Genau vor einem Monat bepflanzte ich einen kleinen Teil meines Nutzgartens mit Salat, Kohlrabi, Zwiebeln und Kartoffeln. Siehe dazu meinen Beitrag vom 09.04.2026. Es sollte ein Experiment werden. In früheren Zeiten erschien es ganz unmöglich in unserer Höhenlage (knapp 600 m) so weit vor den Eisheiligen (10.-15. Mai) Pflanzen ins Freiland zu setzen. 

Ich bin das Risiko eingegangen. Mir war dabei bewusst dass die Temperaturen von vor vier Wochen keinen Bestand haben werden. Nach meiner Erwartung schien es jedoch unwahrscheinlich dass es noch einmal zu Minus-Temperaturen kommen würde. Ein Rest an Unsicherheit blieb allerdings. Die kühleren Temperaturen der letzten Tage bereiteten mir dann doch Sorgen. Es hätte durchaus sein können dass es  noch einmal ein/zwei Grad Minus geben könnte.

Doch jetzt bin ich mir sicher: Die Eisheiligen sind rum!  "Die Kalte Sophie" war 10 Tage früher dran als im Kalender vorgesehen. Sie scheint auch sehr viel gnädiger als früher geworden zu sein.. Am kommenden Wochenenende soll es wieder um 24 Grad warm werden. Heute morgen bin ich um 6.30 rausgegangen und habe im Bild festgehalten, was aus meinen am 09. April gesetzten Pflanzen im offenen Freiland geworden ist:

 

Ich freue mich dass alles so gut geklappt hat. In der Zwischenzeit habe ich auch weiteres Gemüse und Erdbeeren gepflanzt und gesäät. Wenn alles weiter so gut läuft werden wir ein gutes Gartenjahr bekommen. Dabei will ich klarstellen dass bei mir außer selbst hergestelltem Kompost und selbst angesetzter Kräuter-Jauche keine Düngung erfolgt!

Meine Lebenswelt in Zeiten des Klimawandels

03.05.2025

Das Thema Klimawandel beschäftigt mich in hohem Maße. Wer so wie ich mit der Natur aufgewachsen ist der muss die im Verlauf der Jahrzehnte eingetretenen Klima-Veränderungen einfach zur Kenntnis nehmen. Während es früher in unserer Höhenlage eherner Grundsatz war im Garten erst nach den Eisheiligen am 15 Mai zu säen und zu pflanzen so sind heute meine Kartoffeln schon so weit dass sie bald gehäufelt werden sollten. 

Klimawandel-Leugner verweisen darauf dass es auch in der Vorzeit immer wieder große Klima-Veränderungen gegeben habe. Als gängiges Beispiel werden meist die Wikinger in Grönland angeführt. Diese heute unwirtliche Polar-Region war im Mittelalter eine blühende Agrar-Landschaft mit Ackerbau und Viehzucht. Ab ca. 1200 seien die globalen Temperaturen dramatisch abgesunken. Die auf Grönland lebenden Menschen mussten ihre Heimat-Region verlassen und sich auf Island neu ansiedeln.

Gestern kaufte ich auf einem Flohmarkt das Buch "Wälderleben" von Bernhard Dorer. Im praktisch neuwertigen Zustand für 1 Euro. Dorer hat über  "Geschichte und Geschichten der Landwirtschaft im Hochschwarzwald im Wandel der Zeit" geschrieben. Das 188 Seiten umfassende Buch pass perfekt in meinen bereits vorhandenen Fundus.

Dorer schreibt hier hauptsächlich über die früheren Verhältnisse im Raum Furtwangen. Diese Region liegt zwischen 690 und 1150 Metern hoch. Also um durchschnittlich rund 200 m höher als Horben. Dorer erwähnt dabei die Untersuchungen des Klimaforschers Bernward Janzing. Janzing beschreibt darin auch die Wetter-Entwicklung der letzten 1000 Jahre in Mitteleuropa. 

Danach lag um das Jahr 1000 nach Christus die Durchschnitts-Temperatur in unserer Region um 1,5 Grad höher als heute. In Süddeutschland wurde bis in eine Höhe von 800 m Weinbau betrieben. Die Niederschläge waren um 10% niedriger. Zwischen den Jahren 1200 und 1400 gingen die Temperaturen wieder um 3 Grad zurück. Zwischen 1550 und 1700 war die kälteste Phase seit mindestens 9000 Jahren 

Danach kam es wieder zu einer Warm-Periode die im 18. Jahrhundert wieder von einer Kälte-Periode abgelöst wurde. Seit ca. 1855 erleben wir wieder einen stetigen Temperatur-Anstieg um global durchschnittlich 1,2 Grad Celsius. Richtig ist also dass es zum Teil dramatische Klima-Veränderungen schon immer gab. Insoweit haben die Klimawandel-Skeptiker wohl recht. 

Doch neu ist dass die Erwärmung in unserer Zeit viel schneller voranschreitet als in früheren Zeiten. Das führt die Wissenschaft auf die Verbrennung von fossilen Rohstoffen, die Industrialisierung der Landwirtschaft und das hohe Konsumniveau zurück. Deshalb spricht man vom "menschengemachten Klimawandel": Diese Ursachen müssen nach Ansicht von 95% der Wissenschaft auf ein nachhaltiges Maß zurückgeführt werden.

Das vorliegende Buch hat eigentlich eine ganz andere Ausrichtung. Die Beschreibung der Klimaveränderung und der Hinweis auf Bernward Janzig`s Arbeit ist nur ein kleiner Abschnitt. Doch für mich ist dieser Abschnitt ein wichtiger Beitrag: Zum einen wird bestätigt dass ein Teil des Klimawandels unserer Zeit durchaus auf natürliche Vorgänge zurückzuführen sein kann. Dass aber das Tempo der Veränderung eng mit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise zusammen hängt. Den menschengemachten Einfluss müssen wir so weit es geht begrenzen oder gar eliminieren. 

Zum andern stellt sich mir wieder zunehmend die Frage wie auf die zeitnah nicht aufzuhaltenden Veränderungen zu reagieren ist. Selbst wenn wir von heute auf morgen den menschengemachten Anteil auf Null stellen könnten würde es Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern bis die in der Atmosphäre bereits festsitzenden Treibhausgase abgebaut sind. 

Wir werden also auf jeden Fall verstärkt mit schnell zunehmender Erd-Erwärmung, Dürre-Perioden, Anstieg des Meeresspiegel, Stürmen, Starkregen Überschwemmungen und anderen Ereignissen leben müssen. Im Extremfall bis hin zu einem Szenario das menschliches Leben auf der Erde unmöglich macht. So wie die Wikinger nach Island könnten vielleicht einige Menschen auf einen anderen, bisher noch unbekannten Planeten umsiedeln. Doch auf der Erde wäre für die übergroße Mehrzahl der Menschen kein Leben mehr möglich.

Hieraus die richtigen Schlüsse zu ziehen sehe ich als Aufgabe der Politik und darüber hinaus für jeden Einzelnen. Die Politik kann ich persönlich nur wenig beeinflussen. Wie ich jedoch meine Lebenswelt gestalte liegt in meiner Verantwortung. Wenn jeder und jede das ihm / ihr Mögliche tut und fordert kommt auch die Politik um nachhaltige Veränderungen nicht herum. Von daher habe ich Hoffnung dass sich die Existenzkrise der Menschheit lösen lässt. Ich jedenfalls gedenke in der mir noch verbleibenden Zeit meinen Beitrag dazu zu leisten.

 

Was ist aus meinem Wildnis-Garten-Projekt geworden?

20.03.2026

Im vergangenen Sommer berichtete ich mehrfach von meinen Bemühungen mein Grundstück in einen naturnahen Wildnisgarten umzuwandeln. Blühwiesen und Blühstreifen wurden angelegt. Sträucher und Bäume gepflanzt. Begrenzungen aus gesammelten Natursteinen neu hergestellt. Dort wo noch Flächen als Nutzgarten mit Gemüse, Obst und Beeren angelegt sind wird fast fundamental biologisch gewirtschaftet.

Begleitend dazu habe ich mir Informationen zu dem Thema aus allen möglichen Quellen beschafft. Ich schaue regelmäßig am Forstamt Freiburg im dort in der Nähe angelegten Waldgarten vorbei. Ich habe Bücher besorgt und ich besuchte mehrere Vorträge zu dem Thema. In und um Freiburg befinden sich viele verschiedene Objekte mit naturnaher Ausrichtung.

Doch das alles ist nicht das was mir vorschwebt. Seit ich vor Jahren mit der Firma Reiseservice Läufer den Naturpark Nordschwarzwald besuchte bin ich fast besessen von dem Gedanken dass man die Natur ganz einfach machen lassen sollte. Dort wurde nach dem Sturm Lothar ein Kernstück der Waldflächen einfach sich selbst überlassen. Jetzt wird untersucht wie sich die Natur dort entwickelt. Ich lese alles was dazu veröffentlicht wird. Das Projekt liefert nicht nur der Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse. Es ist auch ein Leutturmprojekt für die Bereiche Naturschutz, Bildung und Tourismus. 

Bei meiner eigenen Befassung wurde mir bewusst dass ich eine ähnliche Vorgehensweise bei mir in Hausnähe nicht umsetzen kann. Ich kann hier noch so naturnah wirtschaften. Doch ein Mindestmaß an Optik und Ordnung muss herrschen. Ich wohne ja nicht allein im Haus. Und eine chaotische Wildnis über ein gewisses Maß hinaus kann ich meinen Mitbewohnern nicht zumuten. Hier im direkten Haus-Umfeld muss ich daher doch einige Kompromisse eingehen.

Einige hundert Meter von meinem Haus entfernt befinden sich zwei je ca. 3000 m² große Flächen die aufgrund der steilen Topografie landwirtschaftlich nicht nutzbar sind. Sie wurden seit Jahrzehnten mehr oder weniger sich selbst überlassen. Eigentlich hätte ich sie schon viel früher aufforsten sollen. Doch selbst als Nutzwald sind sie nur sehr bedingt geeignet. Außerdem fehlte mir in jüngeren Jahren neben dem heute vorhandenen Interesse zuerst das Geld und später die Zeit.

Gestern bin ich nach längerer Zeit mal wieder dahin gegangen. Vordergründig sah ich ein richtiges Chaos. Wildschweine sind dort verstärkt zugange. Brombeeren und dazwischen krumme Eschen, Ahorn, Weiden und Haselnuss. .Die meisten Bäume sind jetzt ausgewachsen. Einzelne sterben ab und fallen um. Viele sind bis in die Spitze mit Efeu bewachsen. Eigentlich müsste ich nach gängiger Sichtweise alles abholzen, das Gestrüpp entfernen und neu anpflanzen. Möglicherweise hätten dann meine Urenkel einen kleinen Nutzen davon.

Doch das werde ich nicht tun! Ich werde hier meine Wildnis-Garten-Idee umsetzen. Die umgestürzten Bäume grad liegenlassen und schauen und dokumentieren was sich entwickelt. Ich habe eine große Weide gesehen die zwar noch steht. Die aber abgestorben ist. Am Stamm sah ich ein Dutzend Specht-Höhlen. In der fragmentierten Rinde verlaufen unzählige Gänge und Höhlen vielfältiger Insekten. Auch sieht man an Trampelpfaden, dass Fuchs, Reh und andere Tiere sich hier aufhalten. 

Geringe Eingriffe werden ich vornehmen. So muss der Zugangsweg freigehalten werden. Im Moment ist er durch mehrere ümgestürzte Bäume und durch Gestrüpp blockiert. Da an der einen Fläche die Kreis-Straße entlang führt muss ich auf meine Pflicht zur Verkehrssicherung achten. Außerdem sollte ich dafür sorgen dass zum Beispiel die Brombeeren oder der Efeu nicht alles andere unterdrücken. Doch grundsätzlich soll sich alles so entwickeln wie die Natur es zuläßt.

Hierbei wünsche ich mir auch Unterstützung aus der Leserschaft: Kennen Sie noch mehr solcher Parzellen? Der Naturpark Nordschwarzwald kann nur vom Grundsatz her als Vorbild dienen. Doch der umfasst mehrere 10.000 ha Fläche. Ich habe nur 2 x 30 Ar zur Verfügung. Schon von daher kann ich den nicht 1 : 1 nachahmen. 

Betreiben Sie selbst ein Projekt mit ähnlicher Zielsetzung? Dann wäre mir an einem regelmäßigen Austausch und an Tip`s sehr gelegen! Vielleicht ergibt sich in fernerer Zukunft eine Nutzung im Bildungsbereich? Vielleicht gibt es auch irgendwo eine Förderung mit deren Unterstützung ich schneller vorankommen kann?

Jedenfalls habe ich hier im Blog extra dafür eine eigene Seite eröffnet. Darin werde ich fortlaufend weiter berichten.

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