
"Große" Politik
Land - Bund - Welt
Warum werden die Grünen gehasst?
16.03.2025
Die Reaktionen auf meine Beiträge zur Landtagswahl in Baden-Württemberg haben mir einmal mehr vor Augen geführt wie wenig Ansehen die Partei "Die Grünen" in weiten Kreisen der Bevölkerung genießt. Sie hat zwar bei der Wahl die meisten Stimmen bekommen. Doch hauptsächlich aus zwei Gründen: Zum einen hatte die CDU einen völlig ungeeigneten Kandidaten ins Rennen geschickt. Zum andern weil sich der Grünen-Kandidat Cem Özdemir in zentralen Punkten von den Positionen seiner eigenen Partei weit entfernte. Nicht die Grünen wurden gewählt. Özdemir hat die Wahl gewonnen!
Einer der Gründe für das schlechte Image der Grünen ist die Tatsache dass sie sich zu wenig an der Lebens-Realität der einzelnen Menschen orientieren. Sie argumentieren zu fundamental und zu theoretisch. Ihre Ziele sind zwar alternativlos und richtig. Doch sie wollen zu viel viel zu schnell. Politik muss die Menschen dort abholen wo sie sind. Jahrzehntelange Fehlentwicklungen lassen sich nicht von heute auf morgen korrigieren. Die Eingriffe in das Leben zu vieler Menschen wären zu einschneidend. Özdemir hat das begriffen. Darum wurde er gewählt!
Als ehemaliges grünes Parteimitglied sehe ich nach wie vor deren Umwelt- und Klimapolitik als richtig und unabdingbar an. Wir Menschen in den entwickelten Regionen müssen unsere Lebensstile verändern. Die Bewohner der aufstrebenden Weltregionen sollten unsere Gewohnheiten erst gar nicht übernehmen. Wir alle gemeinsam müssen Wege finden auf denen alle Menschen ein auskömmliches Leben haben ohne die ökologischen Grenzen zu überschreiten. Dieser grünen ökologischen Grundausrichtung stimme ich uneingeschränkt zu.
Doch bevor eine Partei strikte Forderungen stellt und mit Geboten und Verboten agiert müssen gangbare Alternativen geschaffen und zur Verfügung gestellt werden. Es ist müßig eine Verkehrswende und den Umstieg auf den ÖPNV zu fordern wenn in meinem Dorf nur zweimal am Tag ein Bus in zumutbarer Entfernung vorbei kommt. Solange nicht überall ein bedarfsgerechter ÖPNV angeboten wird sind betroffene Menschen existenziell auf das Auto angewiesen. Das gilt es anzuerkennen und zu berücksichtigen.
Auch nach meiner Meinung sollte alles was der Umwelt schadet und das Klima belastet unterbunden werden. Das gilt für die Mobilität genau so wie für viele Praktiken in der Landwirtschaft oder bei der industriellen Produktion. Ich gehe sogar so weit dass die Verursacher ökologischer Schäden voll für die Beseitigung dieser Schäden aufkommen sollten. Das gilt für die Belastung des Grundwassers durch Agrar-Chemikalien genau so wie für den Verkehr und für vieles andere. Wenn für alles der "wahre Preis" erhoben würde dann läge der Preis zum Beispiel für Benzin um ein Mehrfaches höher.
Das hätte durchaus eine positive ökologische Lenkungswirkung. Bei einem Benzinpreis von 5 Euro würden mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen, mit dem Rad fahren oder öfters zu Fuß gehen. Die Industrie würde sparsamere Autos bauen, mehr Menschen würden auf Elektro-Autos umsteigen. Die Transport-Kilometer würden weniger werden. Höhere Preise für Lebensmittel und Energie würden der Verschwendung entgegenwirken. Das alles hätte positive Auswirkungen auf Klima, Umwelt, Gesundheit und viele Bereiche mehr. Doch der Einzelfall muss angemessen berücksichtigt werden.
Das ökologische Konzept der Grünen ist aus meiner Sicht richtig und als Ziele alternativlos. In diese Richtung muss die wirtschaftliche Entwicklung gelenkt werden! Für ein durchdachtes plausibles Konzept in eine nachhaltige Richtung fände sich nach meiner Wahrnehmung auch eine politische Mehrheit. Die Menschen wissen mehrheitlich schon was für uns alle auf dem Spiel steht!
Die Grünen machen jedoch einen Fehler: Sie berücksichtigen die Alltags-Realität der meisten Menschen nicht. Nur wenige können von jetzt auf nachher ihre Lebensumstände radikal verändern. Das ist aus wirtschaftlichen Gründen für die meisten Menschen gar nicht möglich. Erst müssen Alternativen zur Verfügung stehen und die Gründe nachvollziehbar erklärt werden. Man kann sich noch so ehrgeizige Klimaziele setzen. Sie müssen unter realistischen Bedingungen erreichbar sein. Nur durch Gebote und Verbote entsteht keine Akzeptanz.
Die ökologische Wende muss von Grund auf geplant und organisiert werden. Die Politik muss dort ansetzen wo die Menschen sind. Von dem Punkt an muss es Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen. Wenn ich heute zum Beispiel die Aussagen der Grünen Jugend Baden-Württemberg lese dann muss ich leider feststellen dass sie aus dem Wahlergebnis vom letzten Sonntag absolut nichts gelernt hat.
Als Partei haben die Grünen die Wahl verloren. Cem Özdemir wurde gewählt obwohl er ein Grüner ist! Weil er sich in die Situation der meisten Menschen hineindenken kann und daher weiß wo er sie abholen muss. Die Lebenswirklichkeit der Menschen ist sein Ausgangspunkt. Von dem Punkt aus will er verändern. Das ist der Unterschied den die Grünen als Partei nicht begreifen wollen. Sie verzetteln sich in Utopien und in Nebesächlichkeiten.
Ich bin nicht sicher dass Özdemir Ministerpräsident in Baden-Württemberg wird. Mit diesen Grünen im Rücken kann er keinen Erfolg haben. Doch er hat gezeigt wie es gehen kann und gehen muss. Vielleicht sollte er sogar bei den Grünen austreten und mit anderen aufgeklärten Pragmatikern etwas total neues gründen. Mit seinem persönlichen Wahlergebnis im Rücken wäre er dazu voll legitimiert! Meinen Segen dazu hätte er!
CDU / Hagel: Schmutzkampagne? Scheinheiligkeit pur!
13.03.2025
Manuel Hagel und seine CDU tun so als ob ihnen das Amt des Ministerpräsidenten gestohlen wurde. Die Veröffentlichung von zwei Videos kurz vor der Wahl durch eine grüne Bundestagsabgeordnete bezeichnen sie als Schmutzkampagne. Dadurch habe Özdemir seinen Kontrahenten doch noch überholen können.
Diese Sichtweise ist aus meiner Sicht absolut lächerlich! Hagel sollte mal darüber nachdenken dass die CDU zum Start des Wahlkampfes in den Umfragen mit 14% vorne lag. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Videos hatten die Grünen bereits nahezu gleichgezogen.
Niemand kann wissen wie die Wahl ohne die Videos ausgegangen wäre. Fest steht dass Hagel den großen Vorsprung bereits eingebüßt hatte. Er selbst hatte die Wahl vergeigt! Die Mehrheit der Wählenden wollten Özdemir als Ministerpräsidenten und nicht den farblosen Hagel. Die Videos mögen vorher feststehende Meinungen noch verstärkt haben. Doch von gestohlenem Amt zu reden sind faule Ausreden: Hagel war ganz einfach ein unpassender Kandidat!
Wieso also Schmutzkampagne? Die Videos gaben die Vorgänge ungeschminkt so wieder wie sie sich tatsächlich abgespielt hatten. Nichts wurde manipuliert, nichts geschnitten und nichts dazu gemacht. Manuel Hagel wurde genau so gezeigt wie er sich zu dem Zeitpunkt verhalten hatte. Wenn die Wirkung auf die Wählerschaft negativ war dann hätte er sich eben anders verhalten sollen. Aus meiner Sicht sagt vor allem das erste Video einiges über den Charakter des damals immerhin 28-jährigen Manuel Hagel aus. So redet man als Erwachsener nicht öffentlich über 16-jährige Mädchen!
Das zweite Video war genau so bezeichnend: Erst erzählte er den SchülerInnen etwas völlig Unzutreffendes. Als die Lehrerin ihn berichtigen wollte fuhr Hagel ihr äußerst rüde über den Mund. Wäre ich Schulleiter gewesen dann hätte ich Hagel daraufhin hochkant aus dem Schulgebäude hinausgeworfen! Zuerst den Kindern so einen Mist zu verzapfen und wenn er dann korrigiert wird in der Weise zu reagieren zeigt auch hier wes Geistes Kind dieser Möchtegern-Ministerpräsident ist!
Wenn die Videos also Einfluss auf das Wahlergebnis hatten dann hat Hagel sich das selbst zuzuschreiben. Es gab keine Schmutzkampagne, es wurde nichts Falsches behauptet. Es wurde nur ganz einfach berichtet. Für die Kommentare die es danach dazu gab sind weder die Baden-Württemberger Grünen noch gar Özdemir verantwortlich.
Auch gegen Özdemir wurden Vorwürfe erhoben deren Ursprung noch viel länger her ist als die gegen Hagel. Dass er mit Bonus-Meilen jongliert hat veranlasste ihn zum Rückzug aus allen Ämtern. Seine Haltung zur Freigabe von Cannabis wurde ebenfalls thematisiert und vieles mehr. Offenbar ist in Özdemirs Vergangenheit genau so gewühlt worden wie in der von Hagel. Özdemir hat nichts bestritten. Er überließ das Urteil darüber den Wählern! Dass die dann die dunkle Seite von Özdemir als nicht so schlimm fanden wie die Verfehlungen von Hagel ist so. Damit muss Manuel Hagel eben leben.
Dass es angeblich Morddrohungen gegen Hagel und seine Familie gab ist schlimm. Das zeigt deutlich den Zustand unserer Gesellschaft. So etwas ist auf keinen Fall zu rechtfertigen. Doch auch dies den Grünen in die Schuhe zu schieben ist infam! Özdemir lebt schon lange unter Polizeischutz. Hagel musste wissen was auf ihn zukommt. Ein Dasein als Spitzenpolitiker ist leider kein Kindergeburtstag. Wenn Manuel Hagel solche kriminellen Auswüchse nicht erwartet hat dann sollte er in seinen Beruf als Banker zurückkehren! Allzu viele Baden-Württemberger würden ihn wohl nicht vermissen!
Cem Özdemir - Warum erfährt er so viel Zuspruch?
10.03.2025
Das Ergebnis der Landtagswahl ist trotz des zuletzt erkennbaren Aufwärts-Trend für die Grünen doch überraschend. War es in der Vergangenheit Winfried Kretschmann, der als Ausnahme-Politiker den Erfolg der Grünen quasi im Alleingang sicherstellte so schien diese Ära jetzt vorbei zu sein. Die Grünen waren von über 30% im Jahr 2021 auf zuletzt 17% in den Umfragen zurück gefallen. Ohne Kretschmann schien die Ära Grün-Schwarz in Baden-Württemberg vorbei zu sein. Die CDU würde die Wahl gewinnen und künftig wieder den Ministerpräsidenten stellen. Als künftige Koalitionspartner der CDU sahen sich SPD und FDP.
Es ist bekanntlich anders gekommen. Die Grünen wählten Cem Özdemir zum Spitzenkandidaten. Das schien auch aus meiner Sicht keine besonders gute Wahl zu sein. Ein Mann mit Migrations-Hintergrund im konservativen Baden-Württemberg? Ein Ex-Landwirtschaftsminister auf den die Bauern im Land nicht sonderlich gut zu sprechen sind? Ein Politiker der schon mehrfach in Skandälchen verwickelt war? Ein Kandidat den seine eigene Partei nur halbherzig unterstützt? Der auch mit seiner Partei nicht all zu viel am Hut hat? Cem Özdemir erschien für die Grünen ehe als Notnagel weil andere Grünen-Promis nicht als Wahlverlierer nach Baden-Württemberg kommen wollten!
Dieser Notnagel hat jetzt überwiegend im Alleingang die Wahl gewonnen. Dass jetzt die grüne Partei den Wahlsieg für sich reklamiert ist eine Verkennung der Gründe. Özdemir hat trotz der Grünen gewonnen! Ohne ihn wären die Grünen bei maximal 20% gelandet. Hagel würde mit Stoch und Rülke eine schwarz-rot-gelbe Koalition bilden.
Die Grünen wollten sich als größte Oppositions-Partei profilieren. Das war klar erkennbar der Plan auch bei den Grünen. Das ziemlich bescheidene Ziel der grünen Partei war lediglich: Stärker zu werden als die AfD.
Der Plan ging schief! Das lag nicht nur an dem blassen Manuel Hagel. Es lag auch nicht am sonderlich engagierten Wahlkampf der Grünen. Vater des Erfolges war ausschließlich der Spitzenkandidat Cem Özdemir! Der brachte seinen Bekanntheitsgrad und seine Persönlichkeit ein und er legte ein Wahlprogramm vor das auch in konservativen Wählerschichten überzeugte. Er sorgte maßgeblich dafür dass die AfD weit unter ihren Erwartungen blieb.
Ich habe mich lange gefragt was zum Beispiel im kleinen Horben und auch anderswo über 40% der Wähler dazu brachte ausgerechnet einen Grünen zu wählen? Ein Grund mag sein dass Özdemir in hohem Maße Winfried Kretschmann kopierte. Er wirkte klar und authentisch. Mit vertauschten Spitzenkandidaten wäre die CDU wohl nahe an die 50%-Marke heran gekommen.
Doch der Hauptgrund war sein Wahlprogramm! Vor allem die allem vorangestellte Aussage "Wirtschaft mit Klimaschutz zusammen denken" hat mich in hohem Maße überzeugt. Das ist auch aus meiner Sicht der einzige Weg der aus dem Dilemma heraus führen kann. Die Wirtschaft so umbauen dass Klima- und Umwelt-schonende Produktion wirtschaftlich interessant wird. Alles was Umwelt und Klima belastet muss verteuert und alles was den ökologischen Fußabdruck senkt muss gefördert werden. Das verstehe ich hinter der oben zitierten Aussage in Özdemirs Wahlprogramm.
Dass das ein weiter Weg ist muss nicht besonders erwähnt werden. Wir werden viele Jahrzehnte brauchen um die Sünden der Vergangenheit soweit zu reparieren dass wir innerhalb der ökologischen Grenzen bleiben. Das geht nicht mit grüner Ideologie. Das gelingt nur durch langen Atem und beinharten Pragmatismus. Cem Özdemir hat nachgewiesen dass er über diese Eigenschaften in hohem Maße verfügt. Das war es was die Grünen-Wähler auch diesmal zu ihrer Wahl-Entscheidung bewogen hat!
Ich wünsche mir dass Özdemir gut mit dem modernen Teil der CDU zusammenarbeitet. Nicht mit denen die Wachstum um jeden Preis auch auf Kosten der Umwelt fordern. Mit jenen die einsehen dass Wirtschaft und Ökologie zusammen gedacht werden müssen. Nicht mit dem Teil der Grünen die einer Ideologie anhängen die weit links der Mitte steht.
Auch nicht mit jenen die leistungslose Alimentation fordern auch für diejenigen, die selbst für sich sorgen könnten. Das bedingungslose Grund-Einkommen hört sich theoretisch ja gut an. Doch die dafür notwendigen gebratenen Tauben am Himmel sehe ich nicht. Der Begriff "Work-Life-Balance" ist für mich das unsinnigste Wort des Jahres!
Die Menschen erwarten eine pragmatisch fördernde und fordernde Sozialpolitik und eine gerechte Steuerpolitik. Wer überproportional von gesellschaftlichen Errungenschaften profitiert soll auch mehr zu den gesellschaftlichen Kosten beitragen. Das Leistungsprinzip darf nicht außer Kraft gesetzt werden. Nicht bei denen die ohne eigene Anstrengung gut leben wollen und auch nicht bei jenen die ohne besondere eigene Leistung immer reicher werden.
Das sind die Grundzüge meiner persönlichen Vorstellung von einer guten Politik. Cem Özdemir verkörpert persönlich und programmatisch sehr viele meiner Erwartungen. Das Wahl-Ergebnis zeigt dass eine solche Politik mehrheitsfähig ist. Mein Wunsch ist dass das Beispiel Özdemir auch bei anderen Politikern und Parteien zum Umdenken führt.
Der richtige Mann am richtigen Platz!
09.03.2035
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist entschieden: Die Grünen mit Cem Özdemir haben mit einem halben Prozentpunkt Vorspung vor der CDU gewonnen. Allerdings herrscht bei der Sitzverteilung ein Patt. Beide Parteien konnten 56 Sitze erringen. Das macht die von beiden Seiten angestrebte Koalitions-Bildung beider Parteien und das spätere Regieren miteinander mit Sicherheit nicht einfach.
Aus meiner Sicht ist Cem Özdemir unter den zur Verfügung stehenden Personen der am besten geeignete Kandidat. Ich will nicht in den Wahlkampf zurückfallen. Doch es war offenkundig dass Manuel Hagel nicht über die notwendige Autorität für dieses Amt in dieser Pattsituation verfügt. Hagel könnte keine Regierung aus zwei gleichstarken Fraktionen führen. Özdemir traue ich das zu. Er wird wie Kretschmann pragmatisch und ideologiefrei auftreten. Ich hoffe dass Hagel sich so verhält wie sich bisher Thomas Strobel verhalten hat. Da bin ich mir allerdings nicht so ganz sicher.
Die jetzt aufkommenden Vorwürfe von wegen Schmutz-Wahlkampf und Ähnlichem sehe ich als ungerechtfertigt an. Natürlich hat man Hagels Vergangenheit durchleuchtet nach Dingen die man im Wahlkampf gegen ihn verwenden könnte. Dabei ist man eben auf die zwei Videos gestoßen. Die beiden Fehler hat Hagel nun mal gemacht und dass sie gegen ihn verwendet wurden: Damit musste er leben!
Politik ist auf allen Ebenen ein gnadenloses Geschäft. Mit Sicherheit wurde auch bei Özdemir gesucht. Doch das was man ihm vorwerfen kann war schon Jahrzehnte bekannt. Das hat er auch nie bestritten und er hat damals auch die Konsequenzen gezogen. Er trat von allen seinen Ämtern zurück. Von daher verfingen die Vorwürfe gegen ihn bei der Wählerschaft auch nicht.
Wobei es mich schon seltsam anmutet dass ausgerechnet den Grünen "Schmutz-Wahlkampf" vorgeworfen wird. Welche Partei wurde zuletzt und wird immer noch so mit Dreck beworfen wie die Grünen? Wie wird mit Robert Habeck oder mit Annalena Baerbock umgegangen? Wie oft hat sich der unsägliche Populist Markus Söder despektierlich, abwertend und beleidigend über die Grünen geäußert? Die CDU ist neben der AfD die letzte Instanz, die anderen in dieser Hinsicht Vorwürfe machen darf!
Die Wahlverlierer waren SPD, FDP und Linke. Sie wurden in diesem Persönlichkeitswahlkampf zu Staub zerrieben. Die SPD kommt gerade noch mit zehn Abgeordneten in den Landtag. Die FDP fliegt in ihrem Stammland raus und die Linke kommt entgegen ihren Erwartungen nicht rein. Dieses Ausmaß an Polarisierung hätten die meisten Beobachter so nicht erwartet.
Als Verlierer sehe ich auch die AfD. Sie hat ihren Stimmenanteil zwar verdoppelt. Doch sie ist weit hinter ihren marktschreierisch propagierten Zielen zurück geblieben. Mit Populismus und Fäkalsprache allein kann man eben nur eine bestimmte Wählerschicht ansprechen. Zum Glück ist der Anteil dieses Typus in Deutschland begrenzt. Dazu kam ein Kandidat den sich beim besten Willen kein vernünftiger Mensch als Ministerpräsidenten vorstellen könnte!
Nach meiner Wahrnehmung hat die AfD insgesamt ihren Zenit erreicht und sogar überschritten. Die Auftritte von Alice Weidel und Frohnmeyer gestern im TV zeigten die ganze Armseligkeit dieser Partei deutlich auf. Die Vetternwirtschafts-Affäre wird immer mehr wohlmeinenden WählerIinnen aufzeigen welch gruseliger Haufen sich da als Alternative anbiedert. Die AfD wird bald unter die 10% rutschen und dort verharren.
Insgesamt hat Baden-Württemberg aus meiner Sicht gut gewählt: Einen guten Ministerpräsidenten der das Beste aus dem Ergebnis herausholen wird. Eine starke CDU die dafür sorgt dass die Linken bei den Grünen nicht zu viel Unheil anrichten können. Der AfD wurden die Grenzen aufgezeigt:
Winfried Kretschmann kann sich beruhigt und zufrieden ins politische Leibgeding zurückziehen!
Landtagswahl: Özdemirs Überparteilichkeit ist das richtige Konzept!
07.03.2025
Die Medien überschlagen sich vor Verwunderung: Das Kopf-an-Kopf-Rennen um die Landtagswahl in Baden-Württemberg löst bei den meisten Polit-Strategen größtes Erstaunen aus. Noch vor wenigen Wochen lag der Kandidat Cem Özdemir aussichtslos hinter seinem Konkurrenten Manuel Hagel zurück. Aus Sicht der meisten Kommentatoren schien die Wahl gelaufen.
Jetzt liegt Özdemir in einigen Umfragen vorne. Özdemir hat in den letzten Wochen in der Wählergunst 10 Prozentpunkte aufgeholt! Das hätte kaum jemand für möglich gehalten. Zwar lag Özdemir bei der persönlichen Zustimmung fast von Anfang an deutlich vorne. Doch seine Partei hat zuletzt viel an Zustimmung verloren. Auch seine Herkunft schien im konservativen Baden-Württemberg auf Skepsis zu stoßen.
Wie kann es sein dass sich das Blatt so weit gedreht hat?
Aus meiner Sicht lag das hauptsächlich am Kandidaten. Özdemir ist nicht der typische linke Grüne die derzeit so viel Gegenwind erfahren. Er ist ein pragmatischer Politiker der zuerst das tut was getan werden muss! Genau nach Kretschmanns Devise: "Erst kommt das Land und dann erst die Partei!" Dies konnte Özdemir glaubwürdig vermitteln. Özdemir wird keine Ideologien verfolgen. Er wird eine nachhaltige, umweltorientierte und sozial verträgliche Politik machen.
Er weiß dass er den Menschen einiges zumuten muss. Die Zeiten sind generell nicht einfach. Deshalb macht er auch keine großen Versprechungen. Er will auch nicht alles umkrempeln. Nach seiner klaren Aussage sieht er eine funktionierende Wirtschaft als Grundvoraussetzung für eine nachhaltige soziale Politik. Das Geld für die Bekämpfung des Klimawandels muss erst mal verdient werden. Das weiß Özdemir und deshalb macht er auch einen glasklaren Wirtschafts-Wahlkampf ohne Utopien!
Baden-Württemberg soll weiter Autos bauen: Aber eben die richtigen Autos mit umweltverträglicher Technik. Er will dass die Leute klimaverträglich heizen und er will die dazu notwendige Technik vorrangig fördern. Er will eine möglichst ökologisch orientierte Landwirtschaft ohne deren Wettbewerbsfähigkeit aus den Augen zu verlieren.
Özdemir ist kein grüner Fundamentalist. Er ist ein pragmatischer grüner Realo. Er weiß dass eine lupenreine grüne Politik weder umsetzbar noch zielführend ist. Deshalb hat er schon mehrfach angekündigt dass er überparteilich regieren will. Es gibt in den meisten Parteien gute Ansätze die auch mehrheitsfähig wären. Warum sollte Özdemir dieses Potential nicht nutzen und in seine Politik mit einbeziehen? Das hat er immer wieder zugesagt.
Diese Überparteilichkeit wird zu einer insgesamt besseren Politik führen. Oft genug werden gute Ideen nur deshalb schlecht geredet weil sie vom politischen Gegner kommen. Das sollte sich ändern. Ein Ministerpräsident muss sich auch gegen seine eigene Partei abgrenzen. Erst recht wenn er eine Koalitionsregierung führt. Er muss auch mal anderen einen Erfolg gönnen wenn er verdient ist. Das traue ich Cem Özdemir uneingeschränkt zu. Manuel Hagel dagegen ist ein Kunst-Produkt seiner Partei. Er wird in allem grundsätzlich der Partei-Linie folgen. Die CDU will wieder "durchregieren!" Das fördert die Gegensätze und die verbreitete Unzufriedenheit.
Wenn Özdemir morgen die Wahl gewinnt liegt das nicht an den beiden unsäglichen Interviews Hagels die zuletzt verbreitet wurden. Obwohl die durchaus einen Einblick in die Persönlichkeit des CDU-Kandidaten vermitteln. Entscheiden zugunsten Özdemirs wird das jeweilige Gesamtpaket aus Persönlichkeit des Kandidaten und politischem Konzept. Auf beiden Feldern sprechen die Fakten eindeutig für Cem Özdemir.
Landtagswahl: Der Kandidat wird die Wahl entscheiden!
05.03.2025
Am kommenden Sonntag findet in Baden-Württemberg die Landtagswahl satt. Dabei entscheidet sich wer in den kommenden fünf Jahren Ministerpräsident unseres Bundeslandes wird. Aller Voraussicht nach wird es eng: Grüne und CDU liegen nach den Umfragen nahezu gleichauf. Die Prognosen für die CDU lagen zuletzt 28%. Die Grünen werden bei 27% gesehen. Wobei zahlreiche Wählende sich noch nicht unentschieden haben.
Lange Zeit sah es nach einem klaren CDU-Sieg aus. Die grüne Identifikations-Figur Winfried Kretschmann steht nicht mehr zur Wahl. Die Grünen stehen derzeit in der Wählergunst nicht hoch im Kurs. Ihnen werden Versäumnisse und Fehl-Entscheidungen angelastet die in Wahrheit gar keine sind. Ihre konsequente Klima-Politik wird sich im fortschreitenden Klimawandel jedoch als richtig erweisen.
Die Tür zur Wachablösung in Stuttgart stand vor drei Monaten für die CDU weit offen. Die Grünen starteten mit 16% in den Wahlkampf und die CDU mit 33%. Die CDU musste nur noch einen kompetenten Kandidaten präsentieren dann würde die Wahl für sie zum Selbstläufer werden.
Genau an dem Punkt machte die CDU den wohl entscheidenden Fehler: Mit Manuel Hagel schickt sie einen Mann ins Rennen dem der "weichgespülte Karrierist aus allen Knopflöchern" springt! Einen weitgehend unbekannten, unerfahrenen Jung-Politiker aus der zweiten, dritten Reihe.
An Hagel erkenne ich absolut nichts Authentisches. Er macht und sagt genau das was ihm seine Berater und Personaltrainer anraten. Ich bin sicher: Selbst die viel zu große Brille hat er nicht selbst ausgesucht! Hagel hat weder Ecken noch Kanten. Alles ist rund und glatt geschliffen. Er sagt und macht niemals etwas Falsches. Er ist ein perfektes Produkt professioneller Partei-Strategen im Hintergrund.
Die Grünen machten es an dem Punkt besser. Sie stellen mit Cem Özdemir einen profilierten Ex-Minister vorne dran. Einen Politiker von dem man weiß wer er ist und dass er es kann. Von dem man auch eine dunkle Seite kennt: Vor langer Zeit hat er mit Bonusmeilen gemauschelt und ist deshalb zurückgetreten. Als eingedeutschtem Türken standen ihm im konservativen Baden-Württemberg nicht gleich alle Türen offen.
Die Wahl entwickelte sich zur reinen Persönlichkeitswahl. Hier war Manuel Hagel um Längen im Nachteil. Gegen Cem Özdemirs authentische Persönlichkeit, dessen langjährige politische Erfahrung, seinen hohen Bekanntheitsgrad und gegen dessen politisches Stehvermögen auch bei Gegenwind kommt er nicht an.
Als Bauern im Wendland mit 40 Traktoren auf Özdemir zurollten verschanzte er sich nicht hinter einer Hundertschaft Polizisten. Er ist ausgestiegen und hat mit den Bauern auf offener Straße diskutiert. Dabei sagte er auch Dinge die seinen Gegenübern gar nicht gefallen haben. Doch danach sind die Traktoren zur Seite gerollt und Özdemirs Kolonne konnte passieren. Können Sie sich Manuel Hagel in einer solchen Situation vorstellen?
Das meiste von dem was Özdemir bereits mitbringt muss Hagel erst noch lernen! Das hat man bei den beiden TV-Terminen mit den Spitzenkandidaten deutlich gesehen. Cem Özdemir ist ein qualifizierter Politiker der sich nicht von seiner Partei manipulieren lässt! Die Grünen als Partei spielen in Özdemirs Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle. Bei Hagel ist jeder Satz und jede Handbewegung von der Partei vorgegeben.
Das einzige was Hagel selbst erdacht hat war die Story mit den rehbraunen Teenager-Augen. Seine Frau bemüht sich gerade den Faux-pas ihres Ehemannes klein zu reden! Manuel Hagel ist aus meiner Sicht der falsche Mann am falschen Platz. Die CDU sollte sich nicht wundern wenn Ihr Kandidat den sicher geglaubten Wahlsieg auf den letzten Metern noch verspielt!