Lebenswelt

Wirtschaft - Umwelt - Gesellschaft

Wirtschaftswachstum = Steigender Wohlstand?? 

15.03.2026 

Wirtschaftswachstum wird sehr oft als Voraussetzung für den Erhalt oder die Steigerung von Wohlstand bezeichnet. Wenn mehr produziert und mehr verkauft wird dann wird mehr Geld verdient. Die Menschen können sich mehr leisten und mehr Dinge kaufen. Dadurch steigen Wohlstand und Lebensqualität. So lautet vereinfacht interpretiert die gängige Wachstums-Theorie.

Wachstumskritiker bestreiten diese Aussagen: Wirtschaftliches Wachstum beziffert ausschließlich einen höheren Wert wirtschaftlicher Aktivität. Das bedeutet jedoch nicht automatisch dass dadurch mehr Wohlstand herrscht. Steigender Umsatz ist nicht gleichbedeutend mit höherer Lebensqualität!

Wirtschaftswachstum geht einher mit höherem Ressourcenverbrauch. Mehr Rohstoffe werden verbraucht und mehr Verkehr wird erzeugt. Dadurch steigen die ökologischen Kosten. Die Treibhausgas-Emissionen steigen an. Die Umwelt- und Klimabelastungen vermindern die Lebensqualität. Mehr Geld muss in die Reparatur von ökologischen Schäden investiert werden. Das vermindert den materiellen Wohlstand.

Danach kommt die Frage ob das Wachstum gerecht verteilt wird. Wird Wachstum allein durch höhere Produktivität erreicht dann fließt der zusätzliche Gewinn allein in die Taschen der Produzenten. Mit weniger Aufwand an Material, Arbeitszeit, Energie und Kapital wird mehr produziert. Die Stückkosten sinken. Bei gleichbleibenden Preisen steigen die Gewinne. Im schlimmeren Falle führen Effizienzgewinne sogar zum Verlust von Arbeitsplätzen. Der allgemeine Wohlstand steigt nur wenn die Gewinne wieder investiert und/oder die Mitarbeiter am Gewinn beteiligt werden. 

Dazu passt die Meldung, dass es im Jahr 2025 in Deutschland 156 Milliardäre gab. 33% mehr als im Jahr zuvor. Oder dass 10% der deutschen Haushalte 65% des Vermögens besitzen während 15% gar nichts besitzen. Für mich ein Beleg dass Wachstum nur dann den materiellen Wohlstand vermehrt wenn der Zuwachs gerecht verteilt wird. Wenn Wachstumsgewinne nur den Produzenten zugute kommen hat die Mehrheit nichts davon. Nur wenn möglichst viele profitieren steigen Lebensqualität und Wohlstand.

Zu Wohlstand und Lebensqualität zählt für mich auch das soziale Wohlbefinden: Die Qualität von Bildung, Gesundheit, Pflege oder die Verteilung von Wohnraum. Wie steht es um Chancen-Gerechtigkeit unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Vermögen? Wie stabil sind die politischen Verhältnisse? Wie steht es um die innere Sicherheit?

Über das alles sagt die Höhe des Wirtschaftswachstums nichts aus. Mir ist klar dass zum Erhalt von Wohlstand eine funktionierende Wirtschaft notwendig ist. Doch dazu müsste zuerst geklärt werden wie Wohlstand und Lebensqualität definiert werden? Was muss eine Wirtschaft leisten wenn sie zu mehr Wohlstand und Lebensqualität für möglichst alle beitragen soll?

Betonen will ich dass ich absolut kein Kommunist bin. Mit den vielen wirren linken Utopien habe ich rein gar nichts am Hut. Der Begriff "Leistung muss sich lohnen" sagt mir etwas. Doch derjenige, der mit nichts zur Welt kommt muss eine faire Chance erhalten. Das ist in unserer Gesellschaft nicht gegeben. Die "Oberen Zehntausend" saugen nach meiner Wahrnehmung vom Zuwachs zu viel ab. Von Wirtschaftswachstum kommt am unteren Ende der Gesellschaft zu wenig an. 

Von daher ist die Aussage "Wachstum ist zum Erhalt von Wohlstand notwendig" nichts als eine hohle Phrase! Ein Deckmäntelchen für diejenigen die immer noch mehr haben wollen. Die Welt wird ruiniert und ausgeplündert im Interesse nur weniger Profiteure!

 

Die Politik muss Realismus verbreiten!

12.03.2025

 

Gestern las ich ein Interview mit Daniel Günther, dem Ministerpräsidenten aus Schleswig-Holstein. Die Überschrift dazu in den Medien lautete: "Es wird nie wieder wie es war!" 

Günther verwies dabei auf die veränderte Welt mit Kriegen, die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, den Rückzug der USA aus Europa, auf die Herausforderungen der Demografie und die Bedrohungen durch den Klimawandel. Günther appellierte dabei an die Politik und an die Parteien, die Menschen mitzunehmen und die ungeschminkte Wahrheit zu sagen.

Über dieses Interview habe ich lange nachgedacht. Nach meiner Meinung das größte Übel in unserer Gesellschaft ist dass sich Politik und Parteien nicht trauen die aktuelle Situation und die Zukunft realistisch darzustellen. Die Parteien fühlen sich ihrer jeweiligen Klientel verpflichtet und versuchen, diese zufrieden zu stellen. Die Union und die FDP kämpfen für die Besitzenden, die SPD und die Linke fühlen sich für die Sozialpolitik zuständig. Die AfD ist gegen alles was die anderen tun. 

Die Politik blockiert sich dadurch gegenseitig. Die angeblich unumgänglichen Reformen kommen so nicht zustande. Jede Partei hat Angst ihre Wähler zu verprellen. Da alle sowieso nur noch maximal um 25% Zustimmung erfahren stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Mit 18, 20, 25 oder 30% ist eine Partei keine Volkspartei mehr. Davon konnte man reden als die Union 45% und die SPD 35% der WählerInnen hinter sich hatten und die Kleinpartei FDP immer das Zünglein an der Waage spielen durfte.

Die Parteien gaukeln den Menschen eine Welt vor die es tatsächlich wohl nicht mehr geben kann. Wir alle müssen uns mit der neuen Realität abfinden. Es wird wirtschaftlich künftig keine Zuwächse mehr geben! Das ist eben die Realität die niemand beschreiben will! Die begrenzenden Faktoren wie Fachkräftemangel, Rohstoffknappheit, Klimawandel und die Billig-Konkurrenz aus Fernost lassen qualitatives Wirtschaftswachstum und die versprochene Steigerung des sogenannten Wohlstandes in unseren Regionen nicht mehr zu!

Die Politik hat den Menschen bereits zu lange etwas vorgemacht: Der wahre Zustand wurde geflissentlich vertuscht. Jetzt sitzen wir auf einem Schuldenberg der niemals mehr getilgt werden kann. Unsere Sozialkassen sind defizitär. Steuer-Einnahmen und Sozialbeiträge sind rückläufig. Die Infrastruktur ist marode. Wir sind nicht verteidigungsfähig. Die innere Sicherheit ist fragil. Die Wirtschaft wird schrumpfen. Die Firmen bauen Arbeitsplätze ab. Statt Wachstum haben wir Stagnation, bald Stagflation und damit eine Situation wie in den 20iger-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Aufgabe der Politik wäre es den Menschen klar zu sagen dass sie künftig Einschränkungen werden hinnehmen müssen. Es muss dabei alle treffen. Die Sozialleistungen müssen sinken und die Steuern müssen erhöht werden. Das Renten-Eintrittsalter muss angehoben werden und wir brauchen eine Dienstpflicht in der Bundeswehr. Lohnforderungen von 7% oder Rentenerhöhungen von 4,25% sind in der jetzigen Situation überzogen und können künftig nicht mehr akzeptiert werden.. 

Die meisten Menschen wissen das auch! Ich bin genau so sicher dass die meisten Menschen zu mehr Anstrengung und zu Verzicht bereit und in der Lage wären. Doch sie werden verunsichert durch die Politik: Die einen wollen die Besitzenden schonen. Die anderen lassen Sozialreformen nicht zu. Und die Dritten saugen aus dem Streit der Parteien und aus der Unsicherheit der Bürger ihren giftigen Honig. So spitzt sich die Lage immer dramatischer zu.

Jetzt wäre es wichtig den Menschen den Ernst der Lage eindringlich vor Augen zu führen. Und zwar einstimmig ohne politisches Kalkül! Untermauert durch fachlich belegte Fakten. Wir brauchen Reformen die allen weh tun. Frei nach dem seligen Ludwig Erhardt: Wir werden alle den Gürtel enger schnallen und Maßhalten müssen. Die Empfänger von Alimentationen müssen mit weniger auskommen, die Bessergestellten müssen durch höhere Steuern und Schließung von Steuer-Schlupflöchern deutlich mehr beitragen. 

Wichtig ist dass es dabei gerecht zugeht! Wer arbeiten kann muss arbeiten und zwar das was gerade erledigt werden muss. Der Begriff Work-Life-Balance muss modifiziert und der Begriff Wohlstand muss neu definiert werden. Wer verdient und damit von staatlichen Einrichtungen und sozialen Errungenschaften stärker profitiert muss mehr Steuern zahlen. Ältere können erst später in Rente gehen.

Die neue härtere Welt muss durchgesetzt und organisiert werden. Ob das auf demokratischem Wege gelingen kann? Da bin ich mir nicht sicher! Die Realität verlangt ein hohes Maß an Führung und an Autorität! Ob das mit Politikern zu machen ist die alle vier Jahre wieder gewählt werden wollen? 

Wir werden auf einen Teil unserer demokratischen Rechte zugunsten fachlicher Autokratie verzichten müssen! Auch das gehört zur Wahrheit dazu. Mit Politikern die selbst keinen Berufsabschluss geschafft haben wird es jedenfalls nicht gehen!

 

S`goht nimmi lang so witer! 

 

In meinem früheren Blog machte ich aus meiner Wachstums-kritischen Haltung keinen Hehl. Ich habe die Entwicklung von den frühen Nachkriegsjahren bis heute miterlebt und mitgemacht. Zwischen der anfänglichen allgemeinen Armut und Beengtheit und dem heutigen Überfluss liegen unvorstellbare Welten! 

Viele Dinge haben sich zwar grundlegend verbessert. Ich möchte nicht mehr zurück zu meinen eigenen Anfängen. Doch viele der heutigen Ansprüche halte ich für deutlich übertrieben. Wir Menschen betreiben Raubbau an den ökologischen Grundlagen. Unsere überzogenen Standards bezeichnen wir auch noch als Wohlstand den es immer weiter zu mehren gilt!

Wenn ich als Kind und Jugendlicher bei Gesprächen der Älteren dabei war hörte ich immer wieder diesen Satz: "Lang ka des nimmi so widder goh!!" Für alle Nicht Alemannen: "Lange kann das nicht mehr so weiter gehen"! Gemeint waren die schon damals sichtbaren Auswüchse des ausufernden Wirtschaftswunders.

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung in den Sechziger/ Siebziger-Jahren des letzten Jahrhunderts war den damals Älteren suspekt. Sie hatten zwei Weltkriege und zwei Inflationen mitgemacht. Die maßlosen Übertreibungen konnten nach ihrer Erfahrung nicht weitergehen. Es ist so weiter gegangen! In einer Weise wie die skeptischen Alten es sich nicht vorstellen konnten. 

Nur wenige Familien waren damals motorisiert. Der Besitz eines Motorrades war schon etwas besonderes. Heute hat jedes erwachsene Familien-Mitglied ein eigenes Auto. Keinen 30-PS-Käfer wie ihre Väter und Großväter. Bereits 18-Jährige fahren heute Boliden die oft 40.000 €uro kosten, die 200 KMH schnell sind und die meist über zwei Tonnen wiegen. 

Kaum jemand fuhr damals in Urlaub. Wenn doch dann nach Österreich oder Italien! Eine Woche maximal. Heute lese ich dass derzeit 30.000 Deutsche in den Golfstaaten sitzen und wegen des Krieges nicht wegkommen. Das scheint der heutige Standard zu sein. Die Skipisten an den Orten in denen noch Schnee fällt sind mitten unter der Woche voll. Fußballspieler werden heute für 100 Millionen Euro gekauft und verkauft. Einzelne Kicker verdienen 20 Millionen Euro im Jahr.

Diese und noch schlimmere Übertreibungen gelten heute als normal. Wir produzieren und konsumieren auf Teufel komm raus! Wir kaufen und wir werfen achtlos weg. Dass dabei Rohstoff-Vorräte geplündert, die Atmosphäre vergiftet und die Meere mit unseren Plastik-Abfällen vermüllt werden nehmen wir mehrheitlich achselzuckend zur Kenntnis. Das interessiert uns nicht sonderlich. Die meisten sehen das als Panikmache der "links-grün versifften Spaßverderber"! 

In unserem Fortschritts- und Wachstums-Wahn hatten wir  nicht beachtet dass in einer begrenzten Welt kein immerwährendes Wachstum möglich ist! Kein Baum wächst in den Himmel. Jetzt auf einmal stellen wir unwillig fest dass wir die ökologischen Grenzen der Erde bereits weit überschritten haben. Der menschengemachte Klimawandel bedroht die menschliche Existenz. Jetzt ist der Punkte erreicht den mein Großvater und seine Altersgenossen schon vor 60 Jahren vorausgesehen haben! Ein "Weiter so wie bisher" kann es nicht geben! 

Noch haben wir die Wahl: Wir können noch zurück zu ökologisch tragfähigem Verhalten. Das ist die Botschaft die ich mit dem Blog-Titel "Lebensraum Merkerhof" vermitteln will! Der Merkerhof bildete nachweislich seit dem Mittelalter die Lebensgrundlage zahlloser Generationen. Er sicherte über viele Jahrhunderte hinweg die Existenz großer Familien. Weitgehend im Einklang mit der Natur!

Was Jahrhunderte überdauert hat soll jetzt im kollektiven Wirtschaftswunder-Wahn der letzten sechs Jahrzehnte nicht mehr tragfähig sein? Den Begriff "Merkerhof" steht hier nicht für eine bestimmte Institution. Ich verwende ihn als  Synonym für zahllose seit Urzeiten bewährte und befolgte Einrichtungen, Traditionen, Tugenden und Regeln die zuletzt außer Kraft gesetzt und für bedeutungslos erklärt wurden. Gestern noch feststehende Gewissheiten gelten heute als "Schnee von gestern!" Dieses alte Wissen will ich mit meinem Tun hier wieder in Erinnerung rufen.

Nach meiner Überzeugung müssen wir wieder zurück hinter die ökologischen Grenzen! Zurück in eine Zeit in der alle zufrieden waren wenn sie von allem genug zur Verfügung hatten. Einen Arbeitsplatz, genug zu essen, angemessenen Wohnraum, passende Mobilität, gute Gesundheitsvorsorge und freien Zugang zu Bildung. Alles darüber hinaus muss den natürlichen Grenzen untergeordnet werden. Die Übertreibungen müssen ein Ende haben!

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