Welt der Gedanken

Sollte ich auch so denken?
14.10.2026

Gestern las ich ein Interview das der "Stern" mit dem früheren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann geführt hat. Dabei spricht er offen über das Älterwerden. Seine Sommer seien gezählt, er müsse sich auf den Tod vorbereiten. Sein Leben verwandle sich mehr und mehr in Erinnerung und in Rückblick.

Hier muss ich einfügen dass ich Winfried Kretschmann vor ca. 55 Jahren mehrfach persönlich begegnet bin. Er lebte damals als Student in Sigmaringen und ich war Soldat in der Graf Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen. In dem öffentlich für jedermann zugänglichen Soldatenheim fanden regelmäßig auch zivile Vorträge und Veranstaltungen statt. Hierbei spielte Kretschmann stets eine aktive Rolle. Dass er später einmal Ministerpräsident in Baden-Württemberg sein wird war damals noch nicht abzusehen.

Das Spiegel-Interview macht mich sehr nachdenklich! Kretschmann ist zwei Jahre älter als ich und er ist dabeisich auf seinen Tod vorzubereiten?? Sollte ich da nicht auch langsam mit den Vorbereitungen anfangen? Auch ich stelle zunehmend häufiger fest dass sich die Reihen vorn, neben und auch hinter mir zu lichten beginnen!

Am vergangenen Wochenende nahm ich wohl zum 20. Male an den alljährlich in Horben stattfindenden Schach-Bezirks-Einzelmeisterschaften teil. Dabei sind fünf Spiele an zwei Tagen hintereinander zu absolvieren. Mit den erzielten zwei Siegen aus vier Spielen (bei einer kampflosen Niederlage) bin ich zufrieden. Das war in etwa das was ich mir vorher ausgerechnet hatte.

Was mich bedrückt ist die Tatsache dass ich dieses Jahr mit Abstand der älteste Teilnehmer war. Der Zweit-Älteste war mit 68 Jahren um acht Jahre Jünger. Danach kam mein um 11 Jahre jüngerer Bruder Siegfried. Alle anderen könnten vom Alter her meine Söhne/ Töchter, meine Enkel und nicht wenige sogar meine Urenkel sein. Auch hier ist es so dass sich wie bei Kretschmann mein Leben mehr und mehr vom Aktiven zur Rolle des Beobachtenden verändert! Mir brechen zunehmend die adäquaten Gesprächspartner weg!

Diese Veränderung vollzieht sich in meinem gesamten Umfeld: Meine einzige Schulkameradin Anita Kury ist bereits verstorben, aus dem Jahrgang danach verstarb bereits Wolfgang Rees, daneben mit Robert Zimmermann, Otto Zimmermann, Georg Zimmermann, meinem Bruder Eugen noch Jüngere, von meinen 15 Schulkameraden in der Landwirtschaftsschule sind neben Wolfgang Rees auch Josef Kury, Ernst Riesterer, Eugen Isaak, Karlheinz Birkenmeier bereits tot. Dazu mehrere meiner gleichaltrigen oder jüngeren Mannschaftskameraden im SV Au-Wittnau sowie ein halbes Dutzend Schiedsrichter meiner Generation.

Ich will hier nicht auf Panik machen! Ich freue mich dass ich noch lebe, dabei einigermaßen fit bin und dass ich überhaupt noch Schachspielen, Lesen und Schreiben kann. Doch ich sehe keinen Grund Kretschmann für seine Aussagen zu belächeln! Auch für mich sind die "meisten Sommer vorbei"! Ich sollte wirklich wie er damit beginnen die Dinge vom Ende her zu denken!

Was ich im Gegensatz zu ihm jedoch nicht tun werde ist morgen das Haus gründlicher als bisher zu putzen! Das sollen diejenigen die nach mir kommen gefälligst selbst übernehmen! Hier der Link zum Stern-Bericht:

Ehemaliger Ministerpräsident: Kretschmann: „Ich muss mich auf den Tod vorbereiten“ | STERN.de

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