Neue Wahlkampf-Methode: Brigading!

11.02.2025

Am vergangenen Samstag erhielt ich den Anruf einer mir flüchtig bekannten Person. Ich weiß dass er sich politisch am rechten Rand bewegt und dass er sich in einer dort angesiedelten Kleinstpartei engagiert. Ich wunderte mich was ein Mensch mit einer solchen Meinung ausgerechnet von mir wollen könnte?

Der Mann erklärte es mir: Er sei dabei eine Brigading-Truppe zusammenzustellen die sich im laufenden Wahlkampf in Baden-Württemberg einbringen soll. Dazu suche er Leute die im Netz überdurchschnittlich aktiv seien und auch über eine größere Reichweite verfügen. Dabei sei er auf mich, meinen Blog und meinen Facebook-Account gestoßen. Für sein Projekt sei ich damit bestens geeignet.

Was ich denn da tun solle? Meine Aufgabe wäre im Netz nach positiven Beiträgen über die Grünen zu suchen und diese negativ zu kommentieren. Wenn die Leute sehen dass so viele Gegner gegen eine Partei oder gegen einen Kandidaten wären dann erkennen sie, dass diese Partei oder diese Person nicht wählbar sei. Ich müsste also jeden Grünen-freundlichen Post im Netz negativ bewerten.

Zunächst dachte ich an einen Scherz. Doch der Mann meinte es ernst. Er lobte sogar eine kleine Pauschale für "meine Bemühungen" aus. Er hätte guten Kontakt zu finanziell potenten Leuten die sich einen Miss-Erfolg der Grünen bei der anstehenden Landtagswahl wünschten.

Nachdem ich abrupt aufgelegt hatte begann ich umgehend mit der Recherche. Tatsächlich erfahren die Grünen auf Facebook ziemlich viel Gegenwind. Viele Namen und Accounts tauchen dabei regelmäßig auf. Offenbar gibt es bereits "Profis" die sich das Grünen-Bashing zu ihrer Haupt-Beschäftigung gemacht haben. 

Dazu erscheinen auch immer wieder Meldungen über angebliche Grünen-Aussagen wie oben abgebildet! Absolute Fake-News: Frau Baerbock hat nie so etwas gefordert! Mit diesem Post sollen Bezieher von Witwen-Renten davon abgehalten werden die Grünen zu wählen! 

Ganz viele solche Fake-News erscheinen zu Cem Özdemir. Ihm werden Aussagen angedichtet die er als Bundes-Landwirtschaftsminister getätigt haben soll. Die meisten sind falsch oder in einem entstellenden Zusammenhang. Damit soll Özdemir bei den Bauern als unwählbar dargestellt werden.

Danach machte ich gleich die Probe aufs Exempel: Am Montag veröffentlichte ich meine positive Meinung zu dem Kandidaten Cem Özdemir im Blog und verlinkte diesen auf Facebook. Ich will betonen dass der Inhalt meines Beitrages meiner persönlichen Meinung entspricht: Aus meiner Sicht wäre Özdemir unter den zur Auswahl stehenden Bewerbern der geeignetste Nachfolger für Winfried Kretschmann. 

Was soll ich sagen: Bis heute morgen um 6.00 gingen sage und schreibe über 1100 Reaktionen dazu ein. Genau 27 positive Äußerungen. Etwa gleich viele negative Meinungen zu Özdemir die offenbar von ernst zu nehmenden Leuten mit anderer Meinung kamen. 

Dazu über 1000 Antworten die oft nur aus einem einzigen Satz bestanden: "Nicht dieses grüne Arschloch". "Grüner Kannake". "Tod den grünen Versagern". Auch wenn die Zuschriften aus etwas mehr Text bestanden konnte man doch unschwer erkennen, auf welchem intellektuellen Niveau die Absender unterwegs sind. 

Das "Brigadisten-System" funktioniert also tatsächlich! Da werden Leute die sonst nichts zu tun haben und die sich für nichts zu schade sind gezielt angeheuert um im Wahlkampf mitzumischen. Es geht nicht nur gegen die Grünen. Aber vor allem. 

Auffallend ist auch die stets hohe Zahl der positiven Rückmeldungen für auch noch so primitive AfD-Positionen! Offenbar funktioniert das Brigadisten-System auch anders rum! So soll eine hohe AfD-Zustimmung suggeriert und stimuliert werden! Dabei ist festzustellen dass die jeweiligen Absender sehr oft identisch waren. Oft wurden mehrfach die gleichen Texte benutzt!

In welcher Welt leben wir in der solche Praktiken geübt werden? In welchem Zustand ist unsere Demokratie in der auf diese Art und Weise Wahlkampf gemacht wird?

Landtagswahl in Baden Württemberg: Für mich eine Persönlichkeitswahl!
09.02.2026

Am 08. März 2026 findet in Baden-Württemberg die Landtagswahl statt. Ministerpräsident Kretschmann tritt nach drei Amts-Perioden nicht mehr an. Der kantige und oft grantige Kretschmann war aus meiner Sicht ein Glücksfall für unser Land. Nicht weil er ein Grüner war. Sondern weil er ein nach allen Seiten offener Pragmatiker ist. Einen wie ihn findet man in der Politik nur noch ganz selten. Seine Frau Gerlinde rundet das bodenständige Profil der Ära Kretschmann weiter positiv ab. Gerlinde und Winfried Kretschmann werden mir fehlen!

Um die Nachfolge Kretschmanns bemühen sich vor allem der Grüne Cem Özdemir und der CDU-Kandidat Manuel Hagel. Die AfD wird als drittstärkste Kraft erwartet. Ihr Kandidat Frohnmeier wird aber wohl kaum Chancen auf das Amt haben. Es sei denn die CDU bricht auch hier ihre Versprechen und bildet mit der AfD eine Koalition. Die Kandidaten der SPD, Stoch und der FDP, Rülke werden nur dann eine Rolle spielen, wenn sie zur Regierungsbildung gebraucht werden.  Wobei die FDP erst mal zusehen muss dass sie überhaupt die ominöse 5%-Hürde erreicht!

Für mich ist diese Wahl eine reine Persönlichkeitswahl. Wenn ich die Persönlichkeit der beiden aussichtsreichsten Kandidaten Özdemir und Hagel bewerten soll dann steht Cem Özdemir bei mir ganz eindeutig ganz oben an erster Stelle. Nicht weil er ein Grüner ist oder weil er ausländische Wurzeln hat. Sondern weil mich seine pragmatische bodenständige Arbeit in allen seinen bisherigen Funktionen überzeugt. Der Mann trifft klare Aussagen, er ist glaubwürdig und seine Ansichten passen zu unserem Bundesland. 

Manuel Hagel sehe ich als reinen Karrieristen. Ohne Ecken und Kanten. Nur ja nichts sagen das irgendwelche Klientel verärgern könnte. Bei Manuel Hagel erkenne ich keinerlei eigene Statur. Wie er sich vergangene Woche mit Söder und Reim präsentierte war fast schon rührend: Der Baden-Württemberger Zauberlehrling holt sich Tipps und Unterstützung bei seinen erwachsenen Parteifreunden aus Bayern und Hessen! 

Dass Frohnmeier für mich nicht wählbar ist versteht sich von selbst. Nicht nur wegen seiner Partei-Zugehörigkeit! Die Person allein ist mir persönlich bereits suspekt! Wenn ich dann noch seine Sprüche lese: "...wir werden abschieben bis am Flughafen die Fahrbahn glüht..." spätestens dann weiß ich mit wem ich es hier zu tun habe! 

Über die einzelnen Kandidaten hinaus will ich auch nicht dass die CDU wieder regiert! Ich habe im eigenen Dorf selbst erlebt was es heißt, wenn eine Partei bis auf die untersten Ebenen "durchregiert"! In Horben dufte ein Nicht-CDU-Sympathisant nicht einmal Beisitzer in einem Verein werden. Als einer wie ich damals zum Gemeinderat gewählt wurde waren Hetze und Schlammschlacht die CDU-Mittel, mit denen man den Rat wieder "säubern" wollte. Hier wurde Jahrzehnte eine Hinterzimmer-Politik betrieben die hart an die Grenze zur Korruption heran reichte.

Wenn ich in meinen 25 Jahren Ratstätigkeit etwas bewirkt haben sollte dann ist es die Tatsache, diesem Klüngel ein Ende bereitet zu haben. Dadurch dass ich ganz einfach meinen Mund nicht gehalten habe. Dafür habe ich einen hohen Preis an Ausgrenzung, Herabsetzung und Beleidigung gezahlt. Wenn es heute in unserem Gemeinderat anders zugeht dann sehe ich das zu einem hohen Anteil als meinen Verdienst in jener Zeit an. Alle andern haben zu allem geschwiegen, mitgemacht, davon profitiert und fröhlich mit an der üppig gedeckten Tafel gesessen!

Das lief in den meisten Gemeinden im Umkreis so. Leute wie Markus Risterer und Gundolf Fleischer haben dabei kräftig mitgemischt. Solange bis sie sich dann gegenseitig abgeschossen haben. Solche Personen und solche Verhältnisse möchte ich nicht mehr in der Regierung haben. Von daher kommt für mich auch die CDU als Partei nicht in Frage!

CDU: Man dreht es wie man es braucht....

25.01.2026

Man muss kein Grünen-Fan sein um sich angewidert von der CDU/CSU abzuwenden: Was diese Partei derzeit wieder abzieht ist die Fortsetzung des mit Lügen und unhaltbaren Versprechungen geführten Bundestags-Wahlkampfes von Friedrich Merz. Manuel Hagel will mit aller Macht Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden. Ihm und seinen Mitstreitern ist kein Mittel zu schäbig um Mitbewerber Cem Özdemir und die Partei die Grünen bei den WählerInnen madig zu machen!

Die Grünen hatten im Europa-Parlament dafür gestimmt, das "Mercosur-Abkommen" vor Inkrafttreten dem Europäischen Gerichtshof zur rechtlichen Prüfung vorzulegen. Das lange umstrittene und jetzt mit großer Show vereinbarte Abkommen mit Ländern aus Südamerika soll eine Antwort auf Trumps Zollpolitik darstellen. 

Doch aus Sicht mehrerer Fraktionen verstößt die Vereinbarung gegen elementare EU-Richtlinien. Die Überprüfung vor dem EUGH soll Rechtssicherheit bringen. Eine spätere Annullierung des Abkommens würde deutlich mehr Nachteile hervorrufen als wenn das Abkommen jetzt erst mit einem Monat Verspätung in Kraft treten kann.

Dem Antrag auf Überprüfung wurde mit den Stimmen der Grünen, der Linken und der Rechten im EU-Parlament zugestimmt. Die Union macht jetzt ein Riesen-Geschrei weil die Grünen in diesem Punkt der gleichen Meinung sind wie die Linken und die Rechten! Als wenn die Abgeordneten der Grünen, Linken und Rechten kein gleichwertiges Stimmrecht im EU-Parlament hätten. 

Der Vorgang wird jetzt im Wahlkampf in Baden-Württemberg ausgeschlachtet in einer aus meiner Sicht absolut inakzeptablen Weise! Cem Özdemir und seine Partei werden regelrecht als Vaterlandsverräter dargestellt. Dabei haben die Grünen-Abgeordneten genau wie alle anderen lediglich von ihrem Recht auf freie Meinung Gebrauch gemacht. Wenn dieses Ergebnis die Mehrheitsmeinung im Parlament abbildet dann hat ausgerechnet die CDU diesen Mehrheitsbeschluss nicht zu beanstanden! Er ist demokratisch gefasst worden!

Hier zeigt sich die Union einmal mehr wie sie tatsächlich tickt: Wenn zwei das gleiche tun dann ist es In ihren Augen noch lange nicht dasselbe! Demokratisch zustande gekommen ist ein Abstimmungs-Ergebnis immer nur dann wenn es im Sinne der CDU lautet! Nur sie hat die politische Weisheit gepachtet. Das ist ihr Anspruch. Wie weit Deutschland mit dieser CDU/CSU gekommen ist wird gerade derzeit an vielen Punkten wieder deutlich sichtbar!

In Baden-Württemberg will die CDU mit aller Macht die Landtagswahl am 08. März gewinnen. Manuel Hagel und seine Kumpane wollen endlich wieder "durchregieren"! So wie die CDU unter Filbinger, Kiesinger, Teufel, Späth und Mappus über Jahrzehnte hinweg durchregiert hat. Deswegen wird das Abstimmungsverhalten der Grünen in Europa zum Skandal hochgespielt. Ihr bisher überaus blasser Kandidat Manuel Hagel soll davon profitieren. Der deutlich erfahrenere und in der Wählerschaft beliebtere Cem Özdemir soll so politisch beschädigt werden. 

Die Union setzt dabei wieder einmal auf das kurze Gedächtnis der Wähler: Vor ziemlich genau einem Jahr kurz vor der Bundestagswahl wollte Friedrich Merz einen "Gesetzentwurf zum Zustrom-Begrenzungsgesetz" durchbringen. Er wusste damals genau dass sein Antrag nur mit den Stimmen der AfD Erfolg haben kann. Nur die AfD konnte ihm zur Mehrheit verhelfen. Der Merz-Entwurf wurde zwar abgelehnt. Nicht weil sich die AfD verweigert hätte. Sondern weil einzelne Abgeordnete aus Merz` eigenen Reihen dagegen gestimmt hatten.

Nach CDU-Abstimmung mit AfD: Scholz-Rüge für Merz – was der Kanzler befürchtet

Merz rechtfertigte sich damals: "Ein Antrag ist nicht von vornherein deshalb falsch weil ihn die AfD auch für richtig hält!" Eine Meinung die offenbar dann nicht gilt wenn seine Partei bei der Abstimmung den Kürzeren zieht. Hätten die Grünen in der EU gegen ihre Überzeugung gegen den Prüfungsantrag stimmen sollen? Nur weil auch die Linken und Rechten der gleichen Meinung sind? Sind deren Stimmen weniger wert als die Stimmen der CDU?

Der aktuelle Vorgang zeigt einmal mehr die Verlogenheit dieser angeblich christlichen Volkspartei auf! Wenn ich es nicht schon bisher gewusst hätte: Jetzt wüsste ich ganz sicher wo ich mein Kreuz ganz bestimmt nicht mache!

Landwirtschaft: Ich würde wohl mutlos werden!

21.01.2026

Oft denke ich über die Entwicklung der Landwirtschaft nach und darüber, welche Zukunft junge Bauern in dem Beruf sehen könnten. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen in der ein mittelgroßer Bauernhof in unserem Dorf acht Kühe, sechs Schweine und ein Dutzend Hühner hatte. Die ersten Traktoren hatten zwischen 20 und 30 PS. Mehrere Bauern arbeiteten noch mit Pferde- und Ochsengespannen. Wer einen solchen Hof besaß und gut wirtschaftete galt als wohlhabend und wurde von vielen Seiten beneidet.

Als ich etwa acht Jahre alt war erhielten wir Besuch von meinem Großonkel Leopold aus den USA. Er lebte dort als Pater in einem Kloster. Wie er dort hin kam ist eine eigene Geschichte die zu erzählen einen ganzen Roman füllen würde. Oheim Leopold arbeitete auf der Farm seines Klosters im Milchviehstall.

Während der Pater bei uns zu Besuch war suchte er mehrfach den Stammtisch im alten "Raben" auf. Dort saß er dann unter seinen bäuerlichen Jugendfreunden und erzählte aus seinem Klosterleben. Mein Großonkel war ein begnadeter Erzähler der die tollsten Storys auf Lager hatte. Man kann es auch so ausdrücken: Diejenigen, die ihn kannten sahen in ihm einen ziemlichen Aufschneider! Doch er hatte viel erlebt und sie hingen an seinen Lippen!. 

Doch an einem der Stammtisch-Abende übertrieb der fromme Pater offensichtlich: Er erzählte aus seinem Kloster-Alltag. Dort sei er allein für einen Stall mit 70 Milchkühen zuständig! 70 Milchkühe! Wo der größte Bauer in Horben gerade mal 10 Kühe im Stall stehen hatte! Hatte man so ein Großmaul schon einmal gehört? Sie packten den Pater an der Soutane und warfen ihn hochkant aus der Wirtschaft hinaus! 70 Milchkühe!

Warum erzähle ich das? 

Seit damals ist die Entwicklung in Horben auch weitergegangen. Die Mehrzahl der damaligen Höfe sind aufgelöst oder werden allenfalls noch im Nebenerwerb betrieben. Einige wenige sind übrig geblieben und bewirtschaften jetzt die Flächen ihrer ehemaligen Kollegen. Auch in Horben gibt es inzwischen mindestens einen Betrieb mit über 100 Milchkühen. Die Traktoren haben jetzt nicht mehr 20 PS: Sie haben 150 PS und mehr. Und trotzdem scheinen alle am Hungertuch zu nagen. Jedenfalls wenn man die Jammer-Tiraden von Bauern-Präsident Ruckwied und anderer Repräsentanten des Berufsstandes ernst nimmt.

Diese Entwicklung verfolge ich seit vielen Jahren mit Skepsis und Sorge. Vor allem die Konzentration auf immer größere extrem technisierte Ein-Sparten-Betriebe mit Monokulturen und den damit einhergehenden Umweltbelastungen halte ich in unserer Region für nicht zukunftsfähig. Dass ich da nicht falsch liege zeigt das unvermindert fortschreitende Bauernsterben. Die junge Generation sieht in vielen Fällen keine Zukunft in der Übernahme eines seit Generationen im Familienbesitz stehenden Bauernhofes

Vor wenigen Tagen las ich in der BZ einen Beitrag über den Einsatz der KI in der Landwirtschaft. Mein erster Gedanke dabei war: "Wie groß muss ein Hof sein damit sich eine solche Investition rechnet? Wie viele kleinere Höfe müssen aufgeben um einem einzigen die dazu notwendige Ausweitung zu ermöglichen? Wie viel. kulturelle Vielfalt und wieviel Wissen um natürliche Zusammenhänge geht dadurch verloren? Wie viele "Abfallflächen" werden entstehen auf denen sich der Einsatz der KI nicht rechnet und brach gelegt oder bestenfalls aufgeforstet werden?"

Ich habe zu dem Thema recherchiert und bin auf eine Broschüre gestoßen die den Einsatz der KI als Zukunft auch der Landwirtschaft bezeichnet. Darin werden Höfe in Deutschland vorgestellt auf denen z.B. fünf Mitarbeiter mit elf Robotern 1700 Milchkühe versorgen. 

dairy-xl-broschure-2024_final_v2-final-webres.pdf

Wäre ich ein junger Landwirt im Schwarzwald und sähe solche Zukunftsvisionen dann würde ich völlig mutlos werden! Unsere Bauern können bei diesen Größenordnungen niemals mithalten. Sie werden immer abhängiger vom Subventionstopf. Solange der gefüllt ist und solange sich die Politik immer wieder von röhrenden Traktoren-Aufmärschen in den Innenstädten beeindrucken lässt mag das noch funktionieren.

Doch wenn die gesamt-wirtschaftliche Entwicklung so weitergeht wie es sich abzeichnet wird auch diese labende Quelle irgendwann zuerst zum Rinnsal und dann wird sie versiegen. Der bevorstehende Weg zurück zu zukunftsfähigen und nachhaltigen Strukturen und Wirtschaftsweisen wird auch für die Landwirtschaft mühsam und steinig. 

Auch nach einer Agrarwende werden die Letzten die Ersten sein! Wer sich heute noch an der Spitze wähnt wird morgen hinterher hecheln! Wer heute auf dem Boden bleibt und durchhält wird morgen sein noch vorhandenes altes Wissen und Können nutzen und auf dem Weg zurück voranschreiten.

Dass möglichst viele auf dem Boden bleiben und durchhalten ist mein Wunsch! Für eine Rückkehr zu einer nachhaltigen Welt braucht es Bauern und Bauernhöfe mit Natur-kompatibler Denkweise und in Generationen erarbeitetem. Wissen! In einer über-technisierten Kunstwelt wird die Menschheit nicht überleben!

Die damaligen Großbauern in Horben am Stammtisch im alten "Raben" sind mir im Nachhinein sympathisch. Der großspurige Pater Leopold Buttenmüller hatte eine Zukunft beschrieben die gegen sie gerichtet war! Dass es dann noch viel schlimmer gekommen ist und noch Schlimmeres droht mussten sie dann nicht mehr mit ansehen!

In welcher Welt leben wir?

17.01.2026

In meinem Beitrag gestern schrieb ich über das Thema Verpackungssteuer in Freiburg. Ich bin der Meinung dass diese Steuer ein Mittel sein kann um mehr Menschen zu ordentlichem und umweltbewusstem Verhalten anzuregen. Es kann aus meiner Sicht nicht sein dass täglich zum Beispiel 20.000 Kaffeebecher aus Plastik gekauft und wenn sie leer getrunken sind weggeworfen werden. 

Selbst wenn das Einweg-Geschirr ordnungsgemäß in bereit stehende Abfallbehälter geworfen wird bleibt immer noch der immense und in meinen Augen unnötige Ressourcen-Verbrauch So weit sollten wir doch inzwischen gekommen sein dass wir darüber nachdenken wie wir Rohstoffe sparen und Abfälle vermeiden können.

Doch wer sich im Umfeld von Dönerläden, Wurstständen, Metzgereien, Bäckern etc. umsieht erkennt dass viele oftmals Jüngere sich irgendwo hinsetzen, ihre To-Go-Artikel verzehren und die leeren Verpackungen einfach stehen und liegen lassen. Am nächsten Morgen kommen dann die Mitarbeiter der Stadtreinigung, fegen alles zusammen und nehmen es mit. Und das jeden Tag. Die Kosten werden auf die allgemeinen Müllgebühren umgelegt. 

Mein Beitrag rief zum Teil heftige Reaktionen hervor. Doch wenn ich erwartet hatte dass mehrheitlich das asoziale Verhalten der Verursacher kritisiert wird sehe ich mich auf dem Holzweg. Wir sind offenbar schon so weit dass derjenige, der auf Missstände hinweist und Abhilfe-Maßnahmen fordert und gutheißt massiv angegriffen wird. Wären die auf meinen Beitrag eingegangenen Reaktionen repräsentativ dann müsste man davon ausgehen dass der mit dem Einweggeschirr verbundene Dreck und der oft verstreut im Umfeld liegende Müll heute als völlig in Ordnung angesehen wird. 

Nicht die Dreckspatzen scheinen das Problem zu sein sondern diejenigen denen das gegen den Strich geht und die sich überlegen, wie die Abfall-Flut und die Ressourcen-Verschwendung eingedämmt  werden könnte. Diese Überlegung war nämlich der Ausgangspunkt meines Post`s! Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass Aufklärung und Überzeugungsarbeit bei dieser Klientel nichts bewirkt. Vom Weg über den Geldbeutel verspreche ich mir mehr lenkende Wirkung! 

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!" Dieser alte Spruch hat nach wie vor seine Gültigkeit. Und (zu) viele "Hänschen" und "Gretchen" unserer Zeit haben in ihrer Kindheit nicht mehr gelernt wie man sich richtig verhält. Weil das so ist müssen diese Menschen auf andere Weise zu Ordnung und Anstand hingeführt werden. 

Die Stadt Freiburg versucht es über die Verpackungssteuer. Wer nicht von sich aus vernünftig ist soll wenigstens für die durch ihn verursachten Kosten aufkommen. Wer die angebotenen Alternativen nutzt kann Geld sparen. Für mich jedenfalls wären 50 Cent mehr oder weniger für einen Becher Kaffee durchaus ein Grund um einen ausspülbaren Becher oder eigenes Besteck mitzuführen. Wer diese Angebote täglich nutzt bei dem läppert es sich schon.

Schlimm für mich waren gestern die teils unterirdischen Posts aus der Branche. Viele sind empört weil sie zur Minimierung von Dreck und Verschwendung beitragen sollen. Ihnen geht es überwiegend nur um Umsatz und Gewinn. Was sie mit ihrem Tun anrichten interessiert sie nicht. Hauptsache die Kasse stimmt. 

Nicht von einem einzigen Unternehmen habe ich eine Idee oder einen Vorschlag gehört wie die Misere auf andere Weise behoben werden könnte. Geschweige denn dass auch nur bei einem der Umweltgedanke eine Rolle spielen würde. Die jetzt von der Stadt eingeführte Steuer ist in ihren Augen nur freche Abzocke. Sie hätten auch eine Familie zu ernähren und sie böten Arbeitsplätze. So war der Tenor in den Zuschriften von dieser Seite.

Interessant war für mich woher die schlimmsten und dümmsten Anwürfe kamen. Ich habe etwa zwei Dutzend Facebook-Profile abgeklappert und habe festgestellt dass die primitivsten Aussagen von bekennenden AfD-Aktivisten kamen. Ich frage mich warum man sich auch als Anhänger dieser Partei auf so eine Weise hervortun muss? Wer einige der Aussagen von dieser Klientel liest hat bei der anstehenden BW-Wahl ein Problem weniger!

Insgesamt frage ich mich in welcher Welt wir eigentlich leben? Wo sind die Nachdenklichen, Reflektierten, Wohlmeinenden, die Probleme sehen und zu Lösungen beitragen wollen? Ich hoffe dass diese Menschen die schweigende Mehrheit sind und die primitiven Schreier die Minderheit darstellen!

Freiburg: Was spricht eigentlich gegen die Verpackungssteuer?

16.01.2026

Zum  01 Januar 2026 wurde in Freiburg eine Verpackungssteuer eingeführt. Mit dieser Steuer werden Einwegverpackungen für Essen und Getränke belegt. Für Einweg-Verpackungen 50 Cent und für Einwegbestecke 20 Cent. 

Die Stadt fördert gleichzeitig die Einführung von Mehrweg-Systemen. Wer eine Mehrweg-Kaffeetasse oder einen Mehrweg-Teller benutzt bezahlt einen Pfand der bei der Rückgabe erstattet wird. Die Stadt unterstützt die Betreiber auch bei der Einrichtung von Spül-Systemen. Bringt der Kunde eigenes Mehrweg-Geschirr mit dann wird keine Verpackungssteuer erhoben.

Im Umfeld von Imbiss-Ständen, Döner-Buden, Wurstständen etc. werden die Auswirkungen die gängigen To-Go-Praxis sichtbar. Allein in Freiburg fällt täglich der Müll von 20.000 Einweg-Kaffeebechern an. Wie viele Plastikteller, Essbesteck aus Plastik oder Papiertüten im Müll landen: Dazu habe ich zwar nichts gefunden. Doch es sind sicher nicht sehr viel weniger.

Ein Teil der Wegwerf-Produkte wird ordnungsgemäß in die vorgesehenen Abfallbehälter eingeworfen. Doch genau so viele werden einfach achtlos weggeworfen. Darum kümmert sich dann die Stadtreinigung. Die Kosten dafür will die Stadt jetzt bei den Verursachern wieder holen. Die Verbraucher sollen damit zu umweltfreundlichem Verhalten motiviert werden. Das Ziel ist außerdem die Einsparung wertvoller Ressourcen.

Aus meiner Sicht ist die Verpackungssteuer eine sinnvolle Sache! Wer nicht von sich aus auf ein sauberes Umfeld und eine intakte Umwelt achtet soll wenigstens für die Beseitigung seines Drecks bezahlen. Niemand wird gezwungen steuerpflichtiges Einweg-Geschirr zu benutzen. Die Verkäufer sind verpflichtet Speisen und Getränke auch in mitgebrachte Mehrweg-Behälter einzufüllen und/ oder pfandpflichtiges Mehrweg-Geschirr anzubieten.

Es ist wie es immer ist wenn nachhaltiges Verhalten über den Geldbeutel gefördert werden soll: Gegen die Steuer erhebt sich in Leserbriefen und in den Sozialen Medien ein Riesengeschrei! Populistische Politiker von AfD, FDP und CDU lehnen jegliche zusätzliche Steuer strikt ab. Die Steuer sei ein Bürokratie-Monster und jede nicht verkaufte heiße Wurst schadet der Wirtschaft! Umsatz ist offenbar alles! Umwelt- und Nachhaltigkeits- Aspekte spielen bei diesen Parteien so gut wie keine Rolle! 

Dabei ist dies der einzig wirkungsvolle Weg. Appelle und Ermahnungen erzielen nach aller Erfahrung kaum Resonanz. Es mag sein dass die neue Steuer einen bürokratischen Mehraufwand für Unternehmen und damit höhere Kosten mit sich bringt. Doch die Aktivität der Anbieter löst das Müll-Problem ja erst aus. Niemand hat das Recht Geschäfte zu machen und die dadurch entstehenden Schäden und Belastungen der Allgemeinheit aufzubürden!. 

Die Unternehmen haben um die Problematik lange vorher schon gewusst. Sie haben von sich aus nichts dagegen unternommen. Jetzt wo die Stadt aktiv wird und handelt laufen sie Sturm dagegen. Auch die Hersteller von Einweg-Verpackungen machen auf allen Kanälen Stimmung Sie drohen wie immer in solchen Fällen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Das gängige Totschlag-Argument! Über ihre eigene Verantwortung reden sie nicht!

Egoismus und Ignoranz also auf breiter Front! Mir persönlich ist ein sauberes Stadtbild wichtiger als die Frage ob es in Freiburg eine Dönerbude oder einen Imbissstand mehr oder weniger gibt! Zumal den Betreibern Alternativen und Unterstützung bei der Umsetzung geboten werden!

Gibt es soviel zu tun dass wir mehr arbeiten müssen?

14.01.2026
 

Die aktuelle Bundesregierung ist seit knapp einem Jahr im Amt. Ich habe noch immer die Sprüche von Friedrich Merz im Ohr mit denen er im Wahlkampf den Lautsprecher spielte. Sein Haupt-Thema war die Wirtschaftspolitik. Er werde Deutschland innerhalb kürzester Frist wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen. Bereits Mitte des Jahres wird die Wirtschaft wieder wachsen und der Wohlstand in Deutschland wird gesichert und sogar gemehrt.. 

Inzwischen wurde Merz ziemlich kleinlaut. Es geht nämlich nicht voran. Die Bundesbank rechnet für 2026 mit gerade mal 0,6 % Wachstum bei 2% Inflation. In den Jahren danach mit kaum mehr. Exorbitant gewachsen sind die Schuldenberge. 900 Milliarden in zwei "Sondervermögen". 500 Milliarden für die Rüstung. Dank Putin und Trump hat die Waffenindustrie derzeit gerade Hochkonjunktur. Irgendwann wird der Krieg hoffentlich zu Ende sein. Die Schulden werden jedoch dauerhaft bleiben.

Das zweite Schuldenpaket sollte in die marode Infrastruktur investiert werden. Dadurch sollte die Konjunktur endlich anspringen. Die beauftragten Unternehmen sollten Gewinne machen, Beschäftigung sichern und so mehr Steuern in die Staatskasse spülen. Mit diesen Mehreinnahmen könnte der Kapitaldienst für die Schulden geleistet werden. Das war die Milchmädchenrechnung!

Doch inzwischen wird deutlich dass das Geld gar nicht in zusätzliche Projekte investiert wird. Ein Großteil geht in den laufenden Haushalt. An die Wirtschaft gehen also nur wenige zusätzliche Aufträge. Unter dem Strich sehen wir die Prognose mit nur 0,6 % Wachstum  und den Abbau von Arbeitsplätzen im ganz großen Stil!

Die Politiker der Regierungsparteien werden nicht müde auf die angeblichen Gründe für die Notlage hinzuweisen: Der Krieg in der Ukraine, Trumps Zölle, die erstarkte chinesische Konkurrenz, auch die längst überwundene Corona-Pandemie wird immer noch genannt. Nur ja nicht die Unfähigkeit der aktuellen Regierung! 

Sicher sind das nachvollziehbare Gründe. Hätte Merz vor der Wahl nicht so unverschämt auf den Putz gehauen wäre das auch so zu akzeptieren. Doch Merz hat sich mit seinen haltlosen Versprechungen den Wahlsieg erschlichen. Und jetzt liefert er nicht. Daran wird er gemessen!

Reformen sollen es jetzt richten! Tolle Ideen werden in die Runde geworfen: Bürokratie-Abbau steht ganz oben auf der Agenda! Söder will sogar zwei Bundesländer abschaffen. Steuern sollen gesenkt werden! Dies trotz der hohen Verschuldung. Dafür sollen die Sozialausgaben gekürzt werden. Die SPD will die Erbschaftssteuer für große Vermögen erhöhen und viele tolle Ideen mehr!

Selbst wenn sie das alles ernst meinten und sich einigen könnten: Sie bräuchten Jahre dazu! Weit über den nächsten Wahltermin hinaus. Das zu erwartende Hickhack darüber bringt die AfD erst recht nach vorne. In vier Jahren sitzt diese Partei womöglich gar in der Regierung. Dann wäre das Chaos endgültig perfekt!

Merz und Söder haben noch eine Idee: Die Menschen sollen mehr arbeiten. So richtig und notwendig dieser Ansatz auch aus meiner Sicht sein mag: Was sollen sie denn arbeiten? 

Bei einem Wachstum von 0,6% und 2% Inflation sinkt die Nachfrage permanent. Der Stellenabbau und die Insolvenzzahlen steigen ständig an. Die chinesische Konkurrenz drängt mit immer besseren und billigeren Produkten auf den Markt. Das Aufkommen der Künstlichen Intelligenz wird den Stellenabbau weiter forcieren.

Das ist nach meiner Wahrnehmung die aktuelle Situation! Wer die Aussagen führender Ökonomen zur Kenntnis nimmt muss zu dem Schluss kommen dass Deutschland ökonomisch dauerhaft auf dem absteigenden Ast ist. Politiker die dem Volk mehr Wachstum und Wohlstand versprechen sind entweder Träumer oder Scharlatane. 

Aufgabe der Politik wäre es den Menschen zu sagen wie es wirklich um das Land steht. De Menschen auf das "Weniger" vorbereiten und ihnen klar sagen dass wir alle künftig unsere Ansprüche deutlich reduzieren müssen. Unser Wohlstand wird sinken! Die Politik müsste den Rückgang jetzt einleiten und organisieren. Sie müsste dafür sorgen dass es dabei so gerecht wie möglich zugeht. 

Doch ein Politiker oder eine Partei die uns die Wahrheit sagen werden nicht mehr gewählt! Wir fallen immer wieder auf diejenigen herein die uns das Blaue vom Himmel versprechen. Wir sind an der Misere selber schuld!

Bürokratie und die Unwucht der Arbeitswelt

11.01.2026

Das Thema von vorgestern (auf dieser Seite nächster Beitrag) beschäftigt mich immer noch. In dem Seminar wurden mehrere soziale Themen dargestellt. Neben dem Zerfall des Familien-Organismus wurde auch das zunehmende Ungleichgewicht in der Arbeitswelt als Problem gesehen. Die Gesellschaft insgesamt verliert zunehmend ihre praktischen Fähigkeiten. 

Wir bilden unseren Nachwuchs überwiegend zu Bürokraten, Akademikern, Kaufleuten, Wissenschaftlern aus. Dadurch wachsen weniger junge Handwerker, Pflegekräfte oder Landwirte nach. Das Ansehen dieser Berufsgruppen in der Gesellschaft war und ist niedrig. Den Heizungsmonteur beachtet man erst wirklich wenn am Wochenende die Heizung ausfällt.

Deshalb entscheiden sich immer weniger junge Leute für einen praktischen Beruf. Man will nicht im dreckigen Blaumann rumlaufen und man will nicht Wind und Wetter ausgesetzt sein. Man will auch nicht als uncooler Proletarier angesehen werden! 

Dadurch sind wir für viele unverzichtbare Tätigkeiten immer stärker auf Zuwanderung angewiesen. Ohne sie würden unsere Systeme längst zusammenbrechen. Weil das so ist halte ich die verbreitete Fremden-Feindlichkeit für völlig daneben. Statt immer mehr Zuwanderer abzuschieben sollten wir möglichst viele integrieren. Ohne ausländische Billig-Lohner würden wir im Müll ersticken und in den Krankenhäusern sterben. Genau so wenig brächten wir den Spargel geerntet oder die Erdbeeren gepflückt. 

Der mangelnde Nachwuchs ist mit ein Grund dass immer weniger Handwerksbetriebe den Generationswechsel überstehen. Geht der bisherige Inhaber in Rente steht kein geeigneter Nachfolger parat. Auch das Bauernsterben kommt zum großen Teil daher dass viele Bauernsöhne und Bauerntöchter die Höfe ihrer Vorfahren nicht weiterführen wollen. Das Image des bäuerlichen Berufsstandes ist selbst in den eigenen Reihen zu niedrig.

Durch die zunehmende Konzentration im Handwerk und in der Landwirtschaft geht in vielen Generationen erworbenes Wissen und Können verloren. Dafür haben wir einen Wasserkopf an Bürokraten, Heere von Beratern, Coaches, Werbetreibenden, Medien-Schaffenden usw. aufgebaut. Die Zahl praktisch befähigter Menschen in unserer Gesellschaft wird jedes Jahr kleiner..

Der Überhang an Bürokraten schafft die viel-beklagte überbordende Bürokratie. Bürokraten müssen ihre Daseinsberechtigung nachweisen. Daher erlassen sie Gesetze und Regeln und überwachen deren Einhaltung. Je mehr Bürokratie herrscht um so mehr Bürokraten werden gebraucht. Das treibt die Kosten, lähmt die Wirtschaft und die wirklich wichtige Arbeit bleibt unerledigt..

Ich rede hier nicht den Populisten in der Politik das Wort: Ohne Bürokratie geht es nicht. Man kann nicht jeden und jede machen lassen wie er/ sie will. Doch Bürokratie um ihrer selbst willen hat unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft in die aktuell schwierige Situation geführt. Die Pyramide steht inzwischen auf dem Kopf. Der bürokratische Schwanz wedelt mit dem Hund!

Trotz der markigen Worte aus der Politik wird es nach meiner Voraussicht nicht gelingen die Auswüchse des Bürokratismus zurückzuschneiden. Die Politik hat daran kein wirkliches Interesse! Die Mehrheit der Partei-Mitglieder sind Bürokraten und die lassen sich nicht so einfach aus ihren warmen Amtsstuben vertreiben. Wird an einer Stelle vereinfacht bauen sie an anderer Stelle neue und höhere Hürden auf.

Der Krug geht solange zum Brunnen bis er endgültig in Scherben gefallen ist! 

Spaltpilz der Gesellschaft!

09.01.2026

Oft frage ich mich warum in unserer Gesellschaft so vieles aus dem Ruder läuft? Kriminalität, Drogensucht, Überschuldung, Altersarmut, Alters-Einsamkeit, die hohe Zahl der Scheidungen, dadurch so viele Alleinerziehende mit Kindern, die eine intakte Familie nicht kennen.

Ende November hatte ich Gelegenheit an einem Gesprächskreis zum Thema "Familie als sozialer Organismus" teilzunehmen. Die Veranstaltung fand im anthroposophischen Umfeld statt. Ich beschäftige mich schon länger mit der Lehre von Rudolf Steiner. Nicht alles was von ihm kommt kann ich nachvollziehen. Doch den Aussagen in der oben angesprochenen Veranstaltung kann ich weitgehend zustimmen.

Es beginnt damit dass heute bereits zwei-/ dreijährige Kleinkinder von den Müttern getrennt in Kitas aufbewahrt werden. Morgens in aller Eile die Kinder zum Kindergarten bringen, bis in den Nachmittag berufstätig und danach auf den letzten Drücker die Kinder wieder abholen: Das ist das Los der meisten Mütter. Danach der Haushalt und für sich selbst und den Partner soll auch noch Zeit übrig sein. 

Familienleben findet oft nur noch eingeschränkt statt. Es wird nicht mehr gemeinsam gegessen, einander nicht zugehört. Die Erziehung und ein großer Teil der Versorgung der Kinder wird an externe Erzieher, Lehrer und im Notfall an Psychologen delegiert.

Die Großeltern sind heute nicht mehr Teil der Familie. Die Älteren sind nicht mehr bereit den Jungen zu helfen. Sie fühlen sich zu jung um Oma und Opa zu spielen. Sie haben die Familienphase hinter sich, sie wollen noch etwas erleben und sich selbst verwirklichen. Der Kontakt zu Kindern und Enkelkindern reduziert sich auf Weihnachten und Geburtstage. Dort lässt man einen Schein rüberwachsen. Damit hat mein seine Schuldigkeit getan. 

Auch den Älteren tut die Trennung von den nachwachsenden Generationen nicht gut. Ihr Rat ist nicht mehr gefragt und wird meist als Einmischung empfunden. Während des Berufslebens eilen sie morgens vom Schlafort zum Arbeitsplatz und abends wieder zurück. Mit 65 haben sie "ausgedient". Wenn sie Glück haben reicht die Rente aus. 

Bei Krankheit werden sie ins Krankenhaus gebracht und dort von fremden Pflegekräften technisch versorgt. Reicht die Kraft nicht mehr gehen sie ins Altersheim und vereinsamen dort. Ab und zu kommen die Kinder und Enkel kurz vorbei. Doch wie es dem andern wirklich geht: Darüber offen zu sprechen bleibt keine Zeit!

Die Trennung der Generationen verursacht hohe gesellschaftliche Kosten. Kindergärten und Pflegeheime müssen gebaut und unterhalten werden. ErzieherInnen und Pflegekräfte müssen ausgebildet und finanziert werden. Die Lebenshaltungskosten sind durch die Trennung der Haushalte höher als bei gemeinsamem Wirtschaften und gegenseitiger Unterstützung. Kinder hätten in der Mehr-Generationen-Familie mehr und stabilere Bezugspunkte.

Dass die Mehr-Generationen-Familie nicht mehr funktioniert sehe ich als Spaltpilz der Gesellschaft. Ich sehe wohl dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Sichtweisen und Ansprüche sich grundlegend verändert haben. Veränderte Wohnverhältnisse, wirtschaftliche Zwänge, verändertes Freizeit-Verhalten, Berufstätigkeit der Frauen, geringerer gesellschaftlicher Stellenwert der Familienarbeit, der Wunsch nach Selbstverwirklichung.. 

Doch der natürliche Organismus "Familie" zerfällt zusehends. Die dabei entstehenden negativen sozialen Folgen verstärken sich von Generation zu Generation. Über diese Entwicklung sollte intensiver nachgedacht werden!

Wir alle sind Strom-Sklaven!

06.01.2026

In Berlin sind 40.000 Haushalte von einem Stromausfall betroffen. Der Terror-Anschlag einer links-extremen Terror-Gruppe hatte eine Kabelbrücke in die Luft gesprengt. In den betroffenen Wohnungen geht so gut wie nichts mehr. Keine Heizung, kein Licht, kein Kühlschrank, kein Fernsehen und kein Aufzug. Die Straßenbeleuchtung geht nicht. Einkaufszentren sind geschlossen. Die Straßenbahn fährt nicht. Die Schulen sind ebenfalls geschlossen.

Wer mobil ist und es sich leisten kann ist in eine Pension, in ein Hotel oder zu Verwandten in andere Stadtteile gezogen. Doch die meisten Menschen sitzen in Decken gewickelt in ihrer dunklen kalten Wohnung und warten darauf dass das Licht wieder angeht. Es wird wohl noch die ganze Woche dauern bis alle Anschlüsse wieder am Netz sind. Bis dahin müssen auch alte, kranke, hilflose Menschen ohne Strom in ihren Wohnungen ausharren. 

Ich will hier nicht auf mangelnde Vorsorge oder auf das konfuse Krisen-Management der Berliner Behörden eingehen. Auch nicht auf die offensichtlich nicht durchdachte, störungsanfällige Technik. Das wird in den Medien bereits ausführlich diskutiert. Wobei die mangelnde Sicherheit der technischen Infrastruktur schon länger ein vieldiskutiertes Thema ist. Danach wird zu vieles auf die allzu leichte Schulter genommen. Nicht nur in Berlin!

Meine Gedanken drehen sich um das Thema "Abhängigkeit der Menschen" von Strom, technischen Geräten und Einrichtungen. Morgens klingelt der elektrische Wecker, das elektrische Radio springt an, das Licht wird angeknipst, wir bereiten das Frühstuck auf dem Elektro-Herd. Kühlschrank, Mikrowelle, Kaffeemaschine laufen. Mit der elektrischen Zahnbürste und dem Elektro-Rasierer machen wir uns frisch. Ohne Strom würde die Heizung nicht laufen und der Wasserhahn nicht sprudeln.

Das sind nur die ganz kleinen Dinge. Mit E-Autos, Straßenbahnen, Aufzügen, Straßenbeleuchtung, Kühlung in den Läden, Ladenkassen, Drehtüren, Bank-Automaten, Parkhäusern, Ampelanlagen geht es weiter. Damit sind wir noch nicht bei den Hauptverbrauchern wie Fabriken, Rechenzentren, Internet, Krankenhäuser. Ich könnte noch lange so weiter machen: Wir Menschen haben uns existenziell abhängig gemacht vom Strom! 

Für jeden kleinen Handstreich benutzen wir einen stromfressenden Energie-Sklaven. Wenn dann ein großflächiger Stromausfall wie jetzt in Berlin auftritt stehen alle Räder still. Die meisten Menschen stehen nach kurzer Zeit völlig auf dem Schlauch. Ich möchte gar nicht wissen was in den dunklen Stadtteilen an Verzweiflung, Angst, Gewalt bis hin zu Suizid alles abläuft.

Sich aus der Strom-Abhängigkeit zu befreien ist heutzutage nicht möglich. Strom hat das Leben aller Menschen in einer Weise vereinfacht und erleichtert, die unumkehrbar erscheint. Wir haben verlernt ohne Strom auszukommen. Fast alle Geschäftsmodelle funktionieren nur mit Strom. Das Aufkommen der Künstlichen Intelligenz wird uns noch abhängiger machen. Wir werden bald noch mehr Aufgaben an noch mehr strom-betriebene Roboter delegieren.

Aus meiner Sicht sollten wir versuchen uns gegen Ereignisse wie das in Berlin bestmöglich zu wappnen. Wohl dem der in einer solchen Lage über einen angemessenen Vorrat unverderblicher Lebensmittel und Wasser verfügen kann! Wohl dem der eine Solar- oder Batterie-betriebene Ladestation für PC und Handy hat. Taschenlampen, Solarleuchten, vielleicht sogar ein Solarmodul am Balkongeländer oder gar einen Solar-betriebenen Heizpilz. Vor allem auch genügend Batterien! Vielleicht wären auch ganz normale Zahnbürsten und Nassrasierer von Vorteil.

Das und noch mehr wäre das was der Einzelne tun kann. Es ist zu einfach auf den Berliner Senat und die Politik im Allgemeinen zu schimpfen wenn man selbst nicht einmal für eine funktionierende Taschenlampe gesorgt hat. Eine angemessene Vorratshaltung liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen!

Langfristig müsste auch in der Industrie und in der Politik ein Umdenken stattfinden. Die Produktion sollte verstärkt auf stromlose Produkte umgestellt werden. Brauchen wir alle die vielen kleinen Küchenmaschinen eigentlich? Muss alles am Strom-Netz hängen? Sollte nicht verstärkt in dezentrale Balkon-Kraftwerke und Stromspeicher-Anlagen investiert werden? In besser isolierte Warmwasser-Behälter und andere stromsparende Produkte? 

ich halte es auch aus dieser Sicht für falsch zentrale Strom-Produktionsanlagen wie Kernkraftwerke oder Windräder zu bauen. Sie können nicht neben jeden Windpark im tiefen Wald einen Polizeiposten stellen. Ganz abgesehen von der Anfälligkeit der Leitungen vom Windrad bis zum Endverbraucher.

Selbst wenn es jetzt in Berlin Versäumnisse und Fehler gegeben haben sollte: Sabotagen und Defekte kann niemand gänzlich verhindern. Darum halte ich es für geboten die Stromerzeugung dezentral und nahe an der Verbrauchsstelle zu organisieren. Ergänzt durch eine angemessene Vorratshaltung in den Haushalten könnten wenigstens die Auswirkungen solcher Ereignisse erträglicher gehalten werden!

            Böllerverbot: Was gibt es da eigentlich zu diskutieren?                                      02.01.2026

Das Neue Jahr 2026 läuft seit 36 Stunden. Das alte Jahr ist zwar verflossen. Doch die alten Diskussionen und die Probleme sind alle geblieben. In der Sylvester-Nacht wurden weder Schulden gestrichen noch wurden Umweltprobleme gelöst noch haben sich die düsteren Wolken am Konjunktur-Himmel verzogen. Am Neujahrstag-Morgen war im Grunde alles noch so wie am 31.12.. Nur der Dreck durch abgebrannte Böller ist dazu gekommen. Doch darum soll sich gefälligst die Stadtreinigung kümmern.

In den Wochen vor Sylvester wurde heftig über ein mögliches Böllerverbot diskutiert. Die Argumente für ein Verbot sind bekannt und sind aus meiner Sicht auch stichhaltig: Umweltbelastung, Auswirkungen auf Haus- und Wildtiere, die hohe Verletzungsgefahr mit den dadurch verursachten Kosten für Behandlung und Arbeitsausfall. 

Die vorgetragenen Argumente gegen ein Verbot überzeugen mich nicht. Die Freiheit des Einzelnen hört für mich dort auf wo das Interesse der Mehrheit nachteilig tangiert wird. Die Vorfreude auf das neue Jahr und über den Jahreswechsel kann man auch ohne die Erzeugung von Feinstaub, Lärm und Dreck, ohne Traumatisierung von Tieren und ohne die Gefahr für eigene und fremde Gesundheit leben und zum Ausdruck bringen.

Am Tag vor Sylvester war ich im Real-Center in Freiburg-Haid einkaufen. In dem riesigen Laden von Neukauf neben dem Ramschtisch waren mehrere Paletten mit Feuerwerkskörpern abgestellt. Kurz vor Knapp sollten wohl die noch unverkauften Restbestände verbilligt rausgehauen werden. Der Platz war dicht umlagert von Leuten die sich das Zeug gegenseitig schier aus den Händen rissen. Das Personal kam kaum mit dem Nachfüllen nach.

Da dämmerte mir einmal mehr in welcher Gesellschaft wir leben. Da wird täglich über den Niedergang der Wirtschaft, über steigende Arbeitslosigkeit, über Altersarmut und über Sozialabbau gejammert und gestritten. Gleich zeitig wird bekannt, dass allein die Deutschen an Sylvester für 180.000.000 (180 Millionen!) Euro in die Luft jagen! Diejenigen, die ich im Neukauf beobachtet habe waren offenkundig keine reichen Millionäre. Viele davon würde ich allein vom Ansehen und Auftreten her eher zum Prekariat rechnen. Und doch hatten sie Geld für dieses Zeug! 

Inzwischen wird bekannt in welchem Ausmaß mit den Böllern Schindluder getrieben wurde. Da gab es Tote, Schwerverletzte und Brände. Polizei und Rettungskräfte wurden mit Feuerwerkskörpern beschossen. In Berlin wurden gezielt Fenster von Wohnungen mit Raketen beschossen. Vandalismus feierte fröhliche Urständ. Am Neujahrstag hatte die Stadtreinigung alle Hände voll zu tun um die Hinterlassenschaften der Nacht wegzuschaffen und die gröbsten Schäden zu beheben.

In der Nacht hat es allein in Berlin über 800 Festnahmen gegeben. Ich hätte nie gedacht dass ich einmal dem CDU-Politiker Carsten Linnemann zustimmen muss: Nach dessen Meinung haben diejenigen die mit Raketen auf Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute zielen "jeden Respekt vor allem und jedem verloren"! Das sind auch aus meiner Sicht keine normalen Menschen. Linnemann fordert schnellere Strafverfahren und Urteile. „Respekt vor wirklich allem verloren“: Linnemann fordert schnelle Urteile nach Silvester-Attacken auf Polizei und Retter

Gleichzeitig beklagt der deutsche Richterbund, dass die deutsche Justiz personell am unteren Limit arbeitet. Daher stauten sich Hunderttausende Verfahren, viele Verfahren müssen eingestellt werden. Die Justiz kommt mit der Arbeit nicht nach: Deutscher Richterbund warnt vor Überlastung der Justizhttps://www.lto.de/recht/nachrichten/n/drb-richterbund-uerberlastung-justiz-fallzahlen

Von daher entpuppt sich Linnemanns Aussage einmal mehr als substanzloses Politiker-Geschwätz: Wie sollen schnelle Verfahren "innerhalb weniger Tage" möglich sein wenn die Justiz schon jetzt nicht mehr nachkommt? Nach meiner Wahrnehmung ist es offenbar bald so, dass in unserem angeblichen Rechtsstaat in immer mehr Bereichen Rechtlosigkeit herrscht!

Alle diese Punkte bestätigen mich in meiner Haltung, dass ein Böllerverbot an Sylvester unabdingbar notwendig ist. Das hat nichts mit Freiheits-Beschränkung zu tun. Das ist Schutz der Mehrheit vor bedenkenlosem Leichtsinn bis hin zur Kriminalität und vor der Belastung mit den Kosten.

Angesichts all dieser Fakten frage ich mich was es in diesem Punkt überhaupt noch zu diskutieren gibt? Das Böllerverbot ist längst überfällig! 

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