Regionalzeitung Breisgau - Lokal - Regional

Horben - Zum Tode von Emil Fehr: 

10.10.2026

 Gestern erreichte mich die traurige Nachricht dass unser Nachbar und mein guter Freund Emil Fehr im Alter von fast 90 Jahren verstorben ist. Die Nachricht macht mich traurig! Ich kenne wenige Menschen die ein so schweres Schicksal zu tragen hatten und trotzdem stets aktiv und zumindest nach außen hin optimistisch und frohgemut blieben!

Emil hat in früher Kindheit seine Mutter verloren. Sein Vater gab ihn in die Obhut von Emils Tante auf den Burgethenhof in Horben. Dort wuchs er als Mitglied der Familie Kury auf. Er erlernte den Malerberuf. Später wechselte er als Briefträger zur Deutschen Bundespost. Dort arbeitete er mehrere Jahrzehnte bis zu seiner Pensionierung

Emil wohnte nach seiner Verheiratung um 1960 mehrere Jahre mit seiner Familie bei uns auf dem Hof. Als die Familie wuchs zog er ins Haus von Katharina Zimmermann. Um 1985 hat er auf einem Grundstück des Burgethenhofes ein Eigenheim gebaut. Darin lebte er zuletzt weitgehend allein bis kurz vor seinem Tode.

Seine Frau wurde bereits in jungen Jahren krank. Zwei seiner drei Söhne waren von Geburt an schwer behindert. Seine Frau und die beiden behinderten Söhne sind im Laufe der Jahre nacheinander früh verstorben. Der ältere nicht behinderte Sohn hatte mit seiner Familie das Elternhaus verlassen. Ob Vater und Sohn zuletzt wieder Kontakt hatten weiß ich jetzt nicht.

Obwohl Emil deutlich älter war als ich waren wir von klein auf befreundet. Wir spielten mehrere Jahre nebeneinander im SV Au-Wittnau Fußball, wir waren beide 20 Jahre lang begeisterte Fußballschiedsrichter und wir waren beide Gründungsmitglieder des Schachclub Horben und spielten jahrelang aktiv Schach. 

Emil zeigte sich in allen zwei Sportarten als untadeliger Sportsmann. Sein Ehrgeiz war allerdings legendär: Wenn er verloren hatte musste man ihn am besten eine Zeitlang in Ruhe lassen!

Ich bedaure dass wir in den letzten zwei Jahren nur wenig Kontakt hatten. Wir wohnten nur 500 m voneinander entfernt. Ich hätte mehr Kontakt gewünscht. Doch Emil zog sich zunehmend zurück. Er wollte niemanden mehr sehen! Das belastet mich jetzt sehr! 

Ich wünsche ihm dass er jetzt seine verdiente Ruhe gefunden hat!

Ab heute mit Werbe-Angebot:

09.10.2026

In der Vergangenheit kam mehrfach die Nachfrage ob auf meinem Blog auch die Platzierung von Werbung möglich ist. Bisher war ich hierbei zurückhaltend. Oft war damit auch der Versuch von Einflussnahme auf Inhalte verbunden. Das will ich nicht. Ich will schreiben wie mir der Schnabel geachsen ist! 

Zuletzt kam die Nachfrage der Bau-Genossenschaft "Wohex - Gemeinsames Wohnen im Hexental" rein. Das ist eine aus meiner Sicht sinnvolle und unterstützungswürdige Institution. Da mein Blog künftig verstärkt auf das lokale und regionale Geschehen ausgerichtet sein wird will ich dieses Projekt gerne unterstützen. Mit einem Klick auf das Wohex-Logo werden Sie zur Website mit ausführlichen Informationen geleitet.

Gerne würde ich auch weitere lokale und regionale Firmen und Einrichtungn dazu aufnehmen. Das lokale Gewerbe liegt mir als selbst langjährig Gewerbetreibendem sehr am Herzen. Mein Angebot ist einfach und kostengünstig: Für die Veröffentlichung eines Linkbildes auf dieser Seite bis 31.12.2026 würde ich 25,00 € verlangen. Ich denke dabei vor allem an Gatronomie, Hofläden, Handwerk und Dienstleistung, Veranstalter......

Darüber hinaus trage ich mich mit dem Gedanken wieder eine Klein-Anzeigenseite einzustellen. Vor allem der Aspekt "Gemeinsam nutzen..." interessiert mich sehr. Was habe ich nicht alles im Schuppen rumstehen: Sackkarre, Dampfstrahler, Hundeboxen, Wassersauger, Laubschneider, elektrische Schubkarre, Bohrmaschine, Betonmischer, Autoanhänger.. Alles Dinge die Geld gekostet haben und nur ganz selten benützt werden. Solche Sachen könnte man auch gemeinsam nutzen. Das wäre ein guter Beitrag zum Ressourcensparen.

 Sagen Sie mir bitte Ihre Meinung dazu. Oder haben Sie andere Ideen und Vorschläge die sich mit meiner regionalen Neu-Ausrichtung gut verbinden lassen?

Es reicht jetzt!
08.10.2026

Oft werde ich gefragt wo ich die Vielfalt meiner Themen hernehme. Es sei doch bestimmt nicht einfach jeden Tag über ein anderes Thema in dieser Ausführlichkeit zu schreiben.

Einfach ist es nicht. Da geht sehr viel Zeit und Konzentration drauf. Wenn ich ein Thema im Kopf habe dann lese ich abends vor dem Einschlafen darüber nach. Meist muss ich mich nicht von Grund auf einarbeiten. Als seit Kindesbeinen leidenschaftliche Leseratte bin ich in den meisten Themen drin. Dazu beschäftige ich mich intensiv mit der Politik auf allen Ebenen. Das Thema Umwelt treibt mich um seit ich vor 50 Jahren an der KKW-Bauplatz-Besetzung in Wyhl und ähnlichen Aktionen teilgenommen habe.

Zur Vorbereitung auf ein bestimmtes Thema muss ich also nicht jeden Tag von vorn anfangen. Jeweils die neuesten Zahlen und die aktuellen Ereignisse suchen und sie in meinen Fundus einordnen. Dann über die voraussichtlich daraus resultierenden Auswirkungen nachdenken. Dann steht in der Regel das Grundgerüst meines Beitrages für den nächsten Tag. 

Als notorischer Frühaufsteher springe ich seit meiner Militärzeit um 5.00 aus dem Bett. Und zwar 7 Tage in der Woche. Um 5.30 beginne ich mit dem Schreiben. Da ich über meine "Schreibstube" noch ein paar andere Aufgaben zu erledigen habe kommt erst diese Pflicht. So gegen 7.00 bin ich damit fertig. 

Danach schalte ich um auf den "gemütlichen Teil"!  Nach einem ausgiebigen Frühstück schreibe ich meinen aktuellen Beitrag flüssig in den Blog. Danach noch die Korrektur. Um halb zehn steht mein Text in aller Regel fix und fertig im Netz.Dann können meine zahlreichen Kritiker loslegen!

Das mache ich jetzt seit über 16 Jahren so. Das Schreiben hat mir immer sehr viel Spass gemacht. Die Interaktion mit meinen zahlreichen LeserInnen bereichert mein Leben und regt mich ständig zu weiterem Nachdenken an. Durch meinen Blog verfüge ich über ein dichtes Netzwerk mit Kontakten weit über unsere Region hinaus. Wenn ich zu einzelnen Themen Fragen habe dann weiß ich wo ich die Antworten finde.

Doch zuletzt wird es immer schwieriger. Vor allem auf Facebook sind inzwischen Leute zugange die zwar keine eigene Meinung haben. Die nichts anderes tun als andere Meinungen abzuqualifizieren und die Autoren zu beleidigen und sogar zu bedrohen. Dies in einer Weise die für mich einfach unerträglich ist. 

In der Regel treten solche "Trolle" hauptsächlich dann auf wenn es um politische oder ökologische Themen geht. Ich sehe hier eine organisierte Methode aus der rechten Ecke. So sollen mißliebige Meinungen unterdrückt und rechtsradikale Aussagen und Parolen verbreitet werden. Das führt in meinem Fall dazu dass bis zu 20 Anrufe täglich eingingen. Oft ohne dass sich am anderen Ende jemand meldete. Meist mit unterdrückten Nummern. Einzelne Anrufer zu sperren nützt nichts. Dann kommen die Anrufe über andere Nummern. Auch die immer wieder stattfindenden Hacker-Angriffe rechne ich diesen Kreisen zu.

Das führte dazu dass ich meinen Festnetz-Anschluss abgemeldet habe! Diesen Terror konnte ich mir und vor allem meiner Frau nicht länger zumuten. Obwohl es mir gewaltig gegen den Strich geht werde ich mich künftig bei politischen und besonders brisanten sozialen Themen weitgehend einschränken. Stattdessen werde ich den lokalen und regionalen Bereich verstärkt bearbeiten. 

Es tut mir leid und ich komme mir auch ziemlich feige vor: Doch es wird mir einfach zuviel! Ich habe lange nach Möglichkeiten gesucht um die Situation besser in den Griff zu kriegen. Doch mir fällt nichts anderes ein als mich künftig bei bestimmten Themen der Stimme zu enthalten. Dann haben die Trolle wieder einen mehr mundtot gemacht. Doch ich sehe keine andere Lösung.

Der Ursprung meines Bloges war der Titel "Die Horbener Dorfzeitung"!  Das wäre mir als neue Überschrift zwar etwas zu eng. Doch mit dem Begriff "Regionalzeitung Breisgau" könnte ich gut umgehen. Mit lokalen Horbener Themen und wieder verstärkt mit Vorgängen aus der gesamten Region. Auch aus der Stadt Freiburg. Das könnte in etwa das neue Konzept sein! 

Warum ist das so?
06.10.2026

Die Gemeinde Horben verfügt trotz seiner großen Gemarkungsfläche über relativ wenige gemeinde-eigene Grundstücke. Im Dorf die mit öffentlichen Einrichtungen bebauten Flächen rund um das Rathaus und um die Schule. Dazu das vor wenigen Jahren erworbene Anwesen "Wagner" ebenfalls im Dorf. Dort sind aktuell Flüchtlinge untergebracht.  

Das wohl wertvollste Grundstück ist die sogenannte "Hühnerwiese" gegenüber dem neuen Kindergarten am unteren Heubuck. Das ist aus meiner Sicht eine Baulücke und könnte jederzeit bebaut werden. Vor dem Hintergrund der sich voraussichtlich zuspitzenden Finanzlage der Gemeinde wird früher oder später über die Verwertung dieses Grundstückes diskutiert werden müssen.

Dazu gehören der Gemeinde etwa 11 ha Wald. Einmal oben am Gerstenhalm im Gewann "Stutz". Bereits vor Jahren hatte ich angeregt, dort oben über die Einrichtung eines "Ruhewaldes" nachzudenken. Wie meistens bei einem Vorschlag von meiner Seite erntete ich beim früheren Bürgermeister und seinen willfährigen Mitläufern den "Scheibenwischer!" Heute lassen sich auch Horbener Bürger knapp jenseits der Gemarkungsgrenze im Wittnauer Ruhewald beisetzen..  

Dazu besitzt die Gemeinde Wald in den Gewannen "Almend" und "Moorlegrund" im Weiheracker, an der Luisenhöhe und im Bohrer. Darüber hinaus sind am Reizenweg in Langackern, im Bohrer und auf der Dammatte ca. 5 ha Freifläche im Gemeindebesitz. Alle diese Flächen liegen im Landschaftsschutzgebiet und können nur landwirtschaftlich genutzt werden. 

Diese Wiesen werden von dem Landwirt Walter Rees überwiegend intensiv genutzt. In einer Weise die nach meiner Wahrnehmung teilweise hart an die Grenze des ökologisch noch Vertretbaren heran reicht. Vor allem beim Grundstück am Reizenweg habe ich persönlich manchmal den Eindruck dass diese Wiese eher als Entsorgungsfläche für Gülle dient als der Erzeugung gesunder Nahrungsmittel.

In der Gemeinderatssitzung im Juli fragte ich bei der Verwaltung nach den Pacht-Modalitäten für diese Flächen. Zu meinem übergroßen Erstaunen musste ich erfahren dass es dafür keine Pachtverträge gibt und dass für die Nutzung auch keine Pacht erhoben wird. Meine Frage warum das so ist beantwortete Bürgermeister Dr. Bröcker so: "Wir müssen ja froh sein wenn dort überhaupt jemand mäht!"

Diese Aussage kann ich so nicht gelten lassen! Zumindest die Fläche am Reizenweg ist eine gut bearbeitbare Fläche mit guten Bodenwerten. Die Flächen im Bohrer sind zwar nicht so groß. Doch dass wir "froh sein müssen dass sie überhaupt jemand mäht" sehe ich deutlich anders. 

Dass da gar nichts geregelt ist sehe ich als Versäumnis unserer Verwaltung an. Zum einen geht es um zwar relativ geringe Einnahmen. Doch die Gemeinde hat nichts zu verschenken. Zum andern ist dieser Zustand aus meiner Sicht nicht rechtmäßig. Darüber hinaus ist das Verhalten des Walter Rees der Gemeinde und auch der Dorfgemeinschaft gegenüber nach meiner Erfahrung nicht so dass besonderes Entgegenkommen angebracht wäre!

Ich  werde den Antrag stellen dass dieser aus meiner Sicht  haltlose Zustand so schnell wie möglich beendet wird. Die Grundstücke müssen öffentlich ausgeschrieben werden.Bei der Verpachtung müssen Kriterien für die Bewirtschaftung festgelegt werden: Wir haben im Dorf inzwischen mehrere Landwirte die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaues wirtschaften. Sie sollten den Vorzug erhalten vor einer aus meiner Sicht exzessiv betriebenen konventionellen Bewirtschaftung! 

Das Dorf-Leben gestern:
04.10.2026

In einem früheren Beitrag kündigte ich an mich wieder mehr mit der Historie unseres Dorfes zu beschäftigen. Frühere Beiträge dazu waren auf viel Zustimmung gestoßen. Obwohl meine intensive Befassung mit dem Thema schon einige Jahre zurückliegt werde ich immer noch nach vielen Einzelheiten gefragt. Daher will ich mich ab heute wieder stärker diesem Thema widmen. 

Als ich im Jahre 1950 geboren wurde war unsere Gemeinde noch ein abseits auf dem Berg gelegenes kleines Bauerndorf. Klein sind wir immer noch. Doch heute sind wir ein weitgehend städtisch geprägter Vorort von Freiburg. Sehr viele Horbener Menschen arbeiten in Freiburg, sie gehen dort zur Schule, die meisten versorgen sich in Freiburg. Ärzte, Kliniken, die wichtigsten Ämter und Behörden liegen in Freiburg. Der SC Freiburg ist auch unser Verein. Wir nutzen In Freiburg Bäder und Kulturstädten. Der Großteil unserer Einwohner verbringt lediglich noch einen Teil seiner Freizeit in unserem Dorf.

Zunächst habe ich mir wieder ins Bewusstsein gerufen wie unser Dorf und auch die umliegenden Dörfer zum Ende des Zweiten Weltkrieges praktisch organisiert waren. In meinem Regal stehen üm die 30 Dorfchroniken aus der näheren Region. Siehe dazu das Foto unten. Fast überall herrschten damals die gleichen Strukturen. Das Thema Landwirtschaft dominierte das Gemeindeleben. Fast jede Familie hatte in irgendeiner Form direkt mit Landwirtschaft zu tun. Das gesamte Gemeindeleben war den Bedürfnissen der Landwirtschaft untergeordnet. Das Dorf versorgte sich mit Lebensmitteln und Handwerkerleistungen selbst. Auch die notwendigen Dienstleistungen wurden durch Gemeindebürger erbracht. 

Auch Bildung und Kultur wurde im Dorf selbst organisiert. Für Bildung sorgten die Volksschule und die Katholische Kirche. Kaum ein Kind besuchte damals eine höhere Schule. Die meisten gingen nach der achten Klasse in eine handwerkliche oder kaufmännische Lehre. Die Feuerwehr betrieb die Daseinsfürsorge, der Musikverein und der Kirchenchor sorgten für Kultur. Der Kontakt untereinander erfolgte an den Stammtischen und bei kirchlichen und weltlichen Anlässen.

Zu all dem will ich eine kleine Serie auf einer eigenen Seite eröffnen. Die Beiträge sollen zusammenhängend lesbar sein. Dazu ist es notwendig an den anderen Seiten Veränderungen und Kürzungen vorzunehmen. Diese Hompage ist eine Einfach-HP und der Platz ist begrenzt. Es soll für mich auch nicht zu teuer werden. Insgesamt kann ich nur vier Seiten einstellen. Deshalb werde ich heute meine Seiten wieder entsprechend umbauen.

Wasser ist weiterhin knapp!
01.10.2026

Wer nach den Regenfällen Anfang September gehofft hatte die Engpässe bei der öffentlichen Wasserversorgung seien behoben sieht sich getäuscht. Von diesem Regen ist kaum ein Tropfen im Grundwasser angekommen. Wenige Zentimeter unter der Oberfläche ist die Erde nach wie vor staubtrocken. Ich muss nach wie vor jeden Tag die meisten meiner Pflanzen gießen. Zum Glück bin ich noch gut mit gespeichertem Regenwasser versorgt. Mein großes Scheunendach ist in der Situation Gold wert. Nach drei Stunden normalem Regen habe ich selbst im Hochsommer für gut sechs Wochen ausreichend Gießwasser.

Wer jetzt zum Bewässern nur Trinkwasser zur Verfügung hat ist dagegen schlechter dran. Bürgermeister Dr. Bröcker erließ vor drei Wochen einen dringenden Appell zum Wassersparen. Unsere Hochbehälter drohten trocken zu laufen. In dem Falle hätte die Gemeinde Wasser mit Tankwagen ranschaffen müssen. Zum Glück ist es nicht ganz so weit gekommen. Für den derzeitigen Normalverbrauch reicht die Quellschüttung gerade so aus. 

Doch wenn es nicht bald ergiebig regnet kommen wir noch einmal in Bedrängnis. Hoffen müssen wir auf einen nassen, schneereichen Winter damit sich die Grundwasserstände wieder aufbauen können. Wenn das Jahr 2027 genau so trocken wird wie 2026 dann kommen wir in Horben um die Tankwagen-Versorgung wohl nicht herum. 

In der letzten Gemeinderatssitzung wurde Bürgermeister Dr. Bröcker gefragt ob sein Appell etwas bewirkt habe. Die Horbener Einwohner haben darauf  kaum darauf reagiert. Vor allem in den späten Abend- und Nachtstunden war der Verbrauch am höchsten. Offenbar haben einige Hausbesitzer in der Dunkelheit ihren Rasen ungerührt weiter gesprengt. Ich selbst habe beobachtet wie an einem Haus in meiner Nähe um 11.00 abends der Sprenger eingeschaltet wurde. Am Morgen um 5.00 lief er immer noch.

Unsere Nachbargemeinde Bollschweil hat ähnliche Probleme. Bürgermeister Wagner sah sich jetzt veranlasst eine Verbrauchs-Verordnung für den Teilort St. Ulrich zu erlassen. Danach darf Trinkwasser nur noch zu unabweisbaren Zwecken wie eben Trinken, Duschen, Kochen oder Waschen verwendet werden. Garten bewässern, Autowaschen, Pools befüllen etc. ist danach verboten. 

Der Bauhof in Bollschweil verfügt meines Wissens über einen eigenen Tankanhänger. Damit wird Wasser vom Tal zum Hochbehälter auf dem Hohbühl transportiert. Ich bin gespannt ob die Verordnung von Bürgermeister Wagner mehr Resonanz erzielt als der Appell unseres Bürgermeisters. 

Hier in Horben sprach ich einen Mitbürger, der sich nicht an die Aufforderung hielt darauf an. Die Antwort war: "Klimawandel hin oder her: Solange ich meine Wasserrechnung bezahle habt ihr (gemeint war der Gemeinderat) dafür zu sorgen dass welches da ist!" Angesichts solcher Denkweisen sind Appelle genau so wie Verordnungen wohl ziemlich sinnlos! 

Das Problem wird in Zukunft für Horben und für St. Ulrich nicht geringer! Es ist nicht zu erwarten dass künftig wieder wie früher der Schauinsland-Gipfel drei oder vier Monate im Jahr unter einer dicken Schneedecke liegen und durch die  Schneeschmelze die Grundwasserstände wieder steigen.. Es kann gut sein dass wir bereits 2027 wieder ein solch trockenes Jahr erleben werden. Das wäre dann erst recht eine Katastrophe. 

Vor etwa zwei Jahren wurde im Gemeinderat Horben die Idee einer Wasserleitung von Freiburg über Horben-Münzenried bis auf den Schauinsland vorgestellt. Daran könnte dann auch der Hochbehälter Hohbühl angeschlossen und St. Ulrich mitversorgt werden. Als Kosten wurden damals völlig unverbindlich ca. 7 Millionen Euro in den Raum gestellt. Seither wurde über dieses Projekt nicht mehr gesprochen. 

Wer nicht weiß wo er herkommt weiß auch nicht wo er hin soll!
30.09.2026

Am vergangenen Sonntag war ich nach längerer Zeit wieder auf einem Vereinsfest. In letzter Zeit lässt meine Stimmkraft wieder stark nach. Das ist bei meiner Problematik "normal": Bei der OP im Jahre 2016 wurde das operierte Stimmband durch organisches Material stabilisiert. Das hat sich nun zurückgebildet und wird demnächst durch ein Mini-Sllikonkissen ersetzt. 

Der Musikverein Horben hatte zum Herbstfest eingeladen. Dort ist mir aufgefallen dass die Anzahl der Horbener Menschen meiner Generation bei solchen Festen deutlich abgenommen hat. Einige meiner Altersgenoss-Innen sind bereits verstorben. Anderen geht es gerade nicht gut. Wieder andere haben sich bereits aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Mir ist weiter aufgefallen dass bei den Jüngeren das Wissen über die Entwicklung unseres Dorfes nicht mehr weit verbreitet ist. Viele Mitbürger sind erst später zugezogen. Die heute Aktiven aus den Altbürger-Familien wurden später geboren.Sie können mit Personen, Namen, Einrichtungen und Vorgängen, die mir noch absolut präsent sind nicht mehr viel anfangen. 

Das finde ich schade! Einer meiner Merksätze lautet: "Wer nicht weiß wo er herkommt kann auch nicht wissen wo er hin soll!" 

Dieser Gedanke ist für mich als Gemeinderat oft hilfreich. Nach 27 Jahren aktiver Kommunalpolitik gibt es nicht mehr so viel Neues. Fast alles war in dieser oder jener Form schon mal da. Die Frage: "wie wurde das früher gemacht" liegt dabei nahe. Man kann nicht alles 1 : 1 kopieren. Aber die damalige Denk-Richtung war meistens nicht falsch. Entsprechend modifiziert könnte die aktuelle Lösung ähnlich aussehen.

Als im Jahre 1950 Geborener habe ich die Entwicklung unserer Gemeinde über die gesamte Nachkriegszeit persönlich miterlebt. Damals hatten alle Familien in irgendeiner Weise mit Landwirtschaft zu tun. Das dörfliche Leben und auch die privaten Verhältnisse waren auf Landwirtschaft ausgerichtet. 

Ich will nicht in Nostalgie verfallen. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Bedürfnisse, Ansprüche und Aufgaben. Dem muss man sich stellen und oft neue Antworten finden. Im Blick zurückt liegt oft genug bereits die Lösung für das Aktuelle. Daher finde ich es leichtfertig wenn heute das Alte so abschätzig belächelt wird.

In 10 Wochen wählen wir wieder einen neuen Bürgermeister. Wenn es bei den bekannten zwei Bewerbern bleibt dann kommt wieder eine Person die sich mit unserer Gemeinde in der Vergangenheit wohl so gut wie gar nicht beschäftigt hat. Das muss absolut kein Nachteil sein. Wir haben früher gesehen wie zu große Nähe zu einzelnen Familien, Personen oder Gruppen die Dorfgemeinschaft belastet. 

Doch wenn der neue Bürgermeister wissen will wo er die Gemeinde hinführen soll dann sollte er auch wissen wo die Gemeinde her kommt. Um das zu erfahren ist er auch auf die Erfahrungen meiner Generation angewiesen. Selbstverständlich erwarte ich von unserem künftigen Bürgermeister nach vorne gerichtete Impulse. Wir haben genug akute Probleme die es zu lösen gilt. Doch es ist sicher hilfreich wenn er auf Erfahrungen zurückgreifen kann die bereits gemacht worden sind. 

Das Thema "Dorf-Organisaton" steht bei mir derzeit ziemlich im Fokus: Im Rahmen der aus meiner Sicht unabdingbaren ökonomischen, ökologischen und sozialen Transformation wird es zeitnah zu gesellschaftlichen Veränderungen kommen die auch in Horben spürbar werden. Neue Formen des Wirtschaftens, der Mobilität, des Konsums, des gesamten sozialen Umgangs werden entstehen. Daneben wird auch Altes, Bewährtes neue Bedeutung erlangen. 

Um die früher gewonnenen Erfahrungen wieder in Erinnerung zu rufen will ich die Entwicklung unseres Dorfes künftig noch einmal rekapitulieren. Nicht alles Alte ist rückwärts gewandt. Nicht alles Neue ist zukunftsfähig. Diese Denkweise wird künftig ein Schwerpunkt meiner Arbeit in diesem Blog sein. Die anderen Themen werden entsprechend angepasst..

Horben - Aus der Gemeinderatssitzung:
24.09.2026

Am vergangenen Dienstag fand im Bürgersaal in Horben eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Wie fast immer waren die Zuhörer-Stühle gut besetzt. Auch der Bürgermeisterkandidat Michael Hornbruch war unter den Zuhörern. Schade dass die Badische Zeitung wieder keinen Berichterstatter geschickt  hatte. Die BZ ist offenbar zur Berichterstattung aus zweiter Hand übergegangen.

Unter TOP I. ging es um die Kommunale Wärmeplanung. Die Gemeinde ist per Gesetz verpflichtet eine Strategie zu entwickeln wie in Horben bis 2040 klimaneutral geheizt werden kann. Mit der Planung ist die Fa. Badenova Netze beauftragt. Die Kosten werden vom Land bezuschusst.

Das Planungsbüro hatte zuletzt die aktuelle Situation begutachtet. Mit was wird geheizt? Wie alt sind die Heizanlagen? Wann müssen voraussichtlich wie viele Anlagen ausgetauscht werden? Gibt es Potentiale für Fernwärme? Welche Maßnahmen werden empfohlen?

Dazu wurde dem Gemeinderat am Dienstag ein Zwischenbericht vorgestellt. Danach werden die Potentiale zum Erreichen der Klima-Neutralität als gering beurteilt. Da es in Horben keine Produktionsbetriebe gibt sieht der Planer in unserer Streusiedlung kaum Möglichkeiten etwa für die Nutzung von Prozess-Abwärme zur Heizung von Wohngebieten. Auch Biogas-Anlagen werden nicht als Lösung gesehen. Als einziges für mich greifbares Ergebnis wurde die Durchführung von Informationsveranstaltungen für Hausbesitzer genannt.

Unter dem Strich also kaum etwas Neues: Aber gut dass wir mal drüber geredet haben! Und Hauptsache es hat Geld gekostet!

Unter TOP II. der Sitzung ging es um die Parkplatz-Situation im Bereich Kindergarten. Die dort vorhandenen Parkplätze seien regelmäßig mit nicht zur Einrichtung gehörenden Fahrzeugen belegt. Eltern die ihre Kinder zum Kindergarten bringen oder abholen müssen auf der Kreis-Straße halten. Das wird als gefährlich angesehen. Beantragt war für zwei der dort vorhandenen Parkplätze ein an die Öffnungszeiten des Kindergartens angepasstes Parkverbot zu erlassen.

Daran schloss sich eine intensive Diskussion an: Dabei ging es auch um die generelle Parksituation im gesamten Ortsgebiet. Nach meiner Wahrnehmung werden unsere öffentlichen Parkplätze hauptsächlich durch private Anlieger als Ausweichflächen für nicht vorhandenen oder zu geringen Parkraum auf dem eigenen Grundstück genutzt.

 Ich erinnerte daran dass es in Horben eine Stellplatzverordnung gibt nach der für jede Wohnung 1,5 Stellplätze vorzuhalten sind. Tatsächlich werden die in der Planung dargestellten Stellplätze oft anderweitig genutzt und die Fahrzeuge werden dann im öffentlichen Raum abgestellt. Das führt bei Veranstaltungen zu Verstopfungen im ganzen Dorfgebiet mit Problemen für die Feuerwehr und für landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Zum wiederholten Male wurde aus der Mitte des Gemeinderates die Erarbeitung eines Parkraum-Konzeptes gefordert. Darin sollte festgelegt werden wo geparkt werden darf und wo Halteverbote erlassen werden müssen. Dieses Thema begleitet mich durch meine seit 1999 dauernde Amtszeit als Gemeinderat. Dazu wurden bereits Begehungen mit Behörden-Beteiligung durchgeführt. Immer ohne Ergebnis. Die Maßnahme wird abgelehnt vor allem deshalb weil die zuständige Verkehrsbehörde beim Landratsamt keinen ausreichenden Bedarf sieht. 

Aus meiner Sicht ist es müßig immer wieder ein solches Konzept zu fordern. Zum einen wurde bereits mehrfach dargelegt und auch begründet dass die Chancen einer Genehmigung gering sind. Zum andern sollten sich Beschwerde-führende Anlieger auch überlegen dass ein Halteverbot etwa entlang der Dorfstraße für alle gelten würde. Auch für Anlieger die jetzt ihre Fahrzeuge auch am Straßenrand parken. Bei dem Argument verstummt dann meist ein guter Teil des vorher vehement vorgetragenen Protestes.

Ich finde es seltsam dass immer wieder von langjährigen Gemeinderätinnen nach solch einem Konzept gerufen wird. Die betreffende Kollegin sollte inzwischen mitbekommen haben dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind. Aber ganz offensichtlich geht es auch hier nicht zuerst um die Sache. Es geht nach meiner Wahrnehmung darum Aufmerksamkeit zu erlangen in dem man sich für vermeintlich populäre Dinge stark macht. Um überbordenden Populismus halt!

Übrigens: Der Gemeinderat hat sich für ein Parkverbort für zwei Parkplätze am Kindergarten zu den besonders stark frequentierten Zeiten ausgesprochen!  

Zwei Baugesuche bzw. Bau-Anfragen waren zu bearbeiten. Zum einen soll am Ringlihof das bestehende Leibgedinghaus erweitert werden. Dazu soll im Außenbereich ein etwa gleich großer Anbau errichtet werden. Die Maßnahme sei aus betrieblichen Erfordernissen notwendig. 

Ich war sehr erstaunt wie schnell dieser Antrag durchgepeitscht wurde. Ohne Diskussion wurde das alles einfach so abgenickt. Dabei hätte es aus meiner Sicht durchaus Diskussionsbedarf gegeben:

Zum einen geht es hier um eine weitere Zersiedelung der Landschaft. Da gibt es an der Planung tatsächlich Punkte die aus meiner Sicht landschafts-schonender gelöst werden könnten. So etwa das außenliegende Treppenhaus. Die Anlage Ringlihof umfaßt inzwischen mit mehreren Schuppen bis tief in den Waldbereich hinein eine sehr große Fläche. Da sollte man schon mal darüber nachdenken dürfen ob dies alles so noch passt oder ob der Landschaftsschutz nur noch ein lästiges Hindernis für stets behautete betriebliche Erfordernisse darstellen.

Zum andern wird hier ein Präzedenzfall geschaffen. Ich erinnere daran dass der Gemeinderat bereits mehrfach ein Ferienhaus an einem Bauernhof im Innenbereich abgelehnt hat. Aus meiner Sicht aus guten Gründen. Da sollte man schon sehr genau begründen warum man das eine Projekt so strikt ablehnt und dem anderen, aus meiner Sicht deutlich belastenderen Vorhaben ohne Diskussion zustimmt. 

Bürgermeister Dr. Bröcker beendete die Diskussion aus meiner Sicht zu vorschnell. Ich hatte den Eindruck dass eine Diskussion darüber gar nicht erwünscht war. Das hielt ich für nicht angemessen. Auch wenn der Antragsteller Gemeinderat der größten Fraktion ist: Man sollte bei solchen Projekten die nötige Ernsthaftigkeit und Sorgfalt walten lassen. In diesem Fall allein schon aus Gründen der Gleichbehandlung!

Ich habe als Einziger gegen den Antrag gestimmt. Nicht weil ich das Vorhaben grundsätzlich ablehne. Sondern weil ich die Art und Weise der Behandlung durch den Gemeinderat als der Bedeutung nicht für angemessen halte!

Weiter wollen die neuen Eigentümer des "Lochhäusle" am Bühlhofweg in Langackern das bestehende Gebäude umnutzen und den Wohnbereich in zwei Wohneinheiten aufteilen. Dazu soll äußerlich nur marginal eingegriffen werden. Das äußere Erscheinungsbild bleibt weitgehend erhalten. Der Bauanfrage wurde einstimmig zugestimmt.

Ich freue mich dass dieses schöne 100 Jahre alte Haus nicht abgerissen wird! Es gibt kein älteres Haus in Horben das so durchdacht konzipiert ist. Das Haus ist aus meiner Sicht ein beredtes Zeugnis früherer kleinbäuerlicher Lebensweise. Es erinnert mich auch an die verstorbenen Geschwister Werner und Liesel Rees. Sie waren beide auf ihre besondere Weise ganz besondere Menschen! Von Werner habe ich persönlich ganz viel gelernt!

Lokal: Wer weiß das noch? Karl Küchlin in Horben
13.09.2029

Zuletzt habe ich mal wieder intensiv über prägende Horbener Persönlichkeiten nachgedacht. Im Laufe meines Lebens habe ich viele Menschen erlebt und beobachtet die ein Stück der Horbener Geschichte mitgeschrieben haben: Bürgermeister, Pfarrer, Lehrer, aber auch "normale" Menschen im Dorf über die man heute kaum noch etwas weiß und von denen kaum noch jemand spricht.

Wer weiß zum Beispiel noch wer Karl Küchlin war? Der Name Küchlin steht noch auf dem Schild der gleichnamigen Bushaltestelle im unteren Bohrertal. Doch wer denkt sich heute schon noch was dabei wenn er nur den lapidaren Namen auf dem Schild liest?

Ich selbst habe noch mehr Bezug: Mein Anwesen Merkerhof hat eine gut 500 m lange gemeinsame Grundstücksgrenze zu dem 18 ha großen Küchlin Areal. In meinen eigenen Unterlagen finden sich immer wieder Schriftstücke, Verträge und Vereinbarungen die unser Verhältnis zu dem Nachbarn regeln..

Ich kann mich noch sehr gut an die letzte Besitzerin "Küchlin" erinnern. Noch in hohem Alter war "Fräulein Küchlin" in ihrem Wald unterwegs. Sie ist im Jahr 1988 unverheiratet und kinderlos verstorben. Auch den langjährigen Verwalter Heinzelmann kannte ich persönlich gut.

Die Horben mit-prägende Figur war jedoch ihr Vater Karl Küchlin. Ihn habe ich zwar nicht mehr gekannt. Doch in meinen Unterlagen finden sich viele Bezüge zu unserem Nachbarn im Tal.  Meine Aussagen über Karl Küchlin und die oben eingefügten Bilder sind aus Wikipedia entnommen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_K

 

Karl Küchlin war ein offenbar reicher Unternehmer aus Basel. Um 1890 kaufte er vom Bläsihof  in Horben-Langackern das 18 ha große Küchlin-Areal. Im Jahre 1904 baute er die Küchlin-Villa und 1908 an der Abzweigung von der gerade neu eröffneten Straße auf den Schauinsland und nach Horben den Friedrichshof als Hotel mit Gaststätte und Gartenwirtschaft. Er erwartete wohl durch die neue Straße eine Belebung des Tourismus auf den Schauinsland.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite wurde ein Stall für die Pferde der Gäste gebaut. In diesem Gebäude betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg Walter Hauck eine Tankstelle mit Reparaturwerkstatt und ein Bus- und Taxi-Unternehmen. Später wurde dieses Areal umgebaut und als Gaststätte "Zum Start" betrieben. Heute stehen dort Wohnhäuser. 

Der Friedrichshof selbst erfuhr eine wechselvolle Geschichte. Zu meiner Kinder- und Jugendzeit war in dem Gebäude ein Kinderheim untergebracht. Später verlegte die Stadt Freiburg das Amt für Zivilschutz dort hin. Das Anwesen befindet sich heute im Privat-Besitz.

Den größten Coup plante Karl Küchlin jedoch danach: Auf der Großmatte zwischen Straße und Bach sollte eine Villensiedlung entstehen. Oben auf dem rechten Bild ist ein Modell der Planung abgebildet. Doch zur Umsetzung des Vorhabens kam es nicht mehr. 

Wohl wegen der Wirtschaftskrise in den Zwanziger-Jahren wurde dieser Plan aufgegeben. Vielleicht hatte Karl Küchlin auch den aufkommenden Antisemitismus in Deutschland vorausgesehen. Karl Küchlin hatte jüdische Wurzeln. Das Bohrertal mit der Großmatte ist heute als Landschaftsschutzgebiet deklariert. 

Karl Küchlin war eine interessante Persönlichkeit. Es lohnt sich wirklich den Link oben anzuklicken und mehr über diesen Mann und sein Wirken in Horben zu erfahren. Auch das "Fräulein Küchlin" war eine beeindruckende Frau. Ich habe von ihr mehrfach ein Rippchen Schokolade bekommen. Immer mit der Maßgabe gut aufzupassen dass unser Vieh nicht in ihren Park einbrach! Wenn das geschah konnte sie ziemlich böse werden!

Lokal: Der Hort unserer dörflichen Identität:
10.09.2026

In einem früheren Beitrag hatte ich die Frage nach der vielbeschworenen dörflichen Identität aufgeworfen. Was bedeutet dieser Begriff heute in unserer mobilen Welt noch? Zu meiner Jugendzeit wurde uns Horbenern eine andere Mentalität nachgesagt als den Bewohnern der Talgemeinden. Die Bezeichnungen für uns waren nicht immer schmeichelhaft! 

"Diän d`Hiähner nie, d`Horbener kumme!" Dieser Alarmruf erscholl in Au und Wittnau von Haus zu Haus wenn eine Schar Horbener talwärts zog!

Ich selbst habe die unterschiedliche dörfliche Mentalität früh kennengelernt: Vom Jahr 1965 an besuchte ich die landwirtschaftliche Berufsschule in Merzhausen. Immer am Montag von 8.00 bis 12.00. Auf dem Heimweg kehrten wir alle gemeinsam in der "Stube" in Au ein. Während die Wirtin Frau Brunner unsere Kollegen aus dem Tal ganz normal bediente (Standard-Bestellung ein kleines Bier und ein Lachsbrot!) mussten wir Horbener erst unser Geld vorzeigen damit sie sicher sein konnte dass wir auch bezahlen können.

Im Jahre 1968 bin ich dann dem SV Au-Wittnau als aktiver Fußballspieler beigetreten. Weil gerade Spielermangel herrschte wurde ich gleich am nächsten Sonntag in der zweiten Mannschaft gegen den SV Gündlingen eingesetzt. Ich weiß zwar nicht wie doch mir gelangen zwei Tore. Am Sonntag darauf gegen den SV Biengen wieder eins. Das verschaffte mir zwar eine gewisse Reputation als reaktionsschneller "Abstauber". Doch es dauerte seine Zeit bis ich mein Horbener "Hühnerdieb-Image" überwunden hatte. 

Ich verbrachte in dem Verein viele wunderschöne Jahre. Bis heute betrachte ich alle meine damaligen Mannschaftskameraden als meine Freunde. Doch die Wittnauer/ Auer Mentalität war eine andere als die von uns Horbenern. Genau so rauh, auch nicht besonders herzlich. Aber eben anders. 

Als einen Hort der "eigenen Horbener Identität" erlebte ich den Stammtisch im alten Raben. Das Bild unten zeigt eine Ansichtskarte die ich von irgendwo her bekommen habe. Der Stammtisch am Ofen war jeden Abend voll besetzt. Nach Feierabend trafen sich meist noch in Arbeitsklamotten Landwirte, Handwerker, "Arbeiter" aus dem Dorf. Oft roch es nach Schweiß, Gülle oder nach Silo. Doch das war normal. Keiner störte sich daran.

Man kannte sich seit Generationen, keiner konnte dem anderen etwas vormachen. Keiner hatte viel mehr als der andere. Da wurde Bier getrunken, Karten gespielt, dabei oder daneben diskutiert, politisiert, getratscht, gerechtet, gestritten. Oft genug wurden Verfehlungen des Großvaters oder gar des Urgroßvaters wieder aufgefrischt und einander vorgehalten. Nicht selten wurden Streitigkeiten unter der Linde in der Gartenwirtschaft auch mal handfest ausgetragen. Doch da man immer irgendwie aufeinander angewiesen war war ein bleues Auge kein Grund, sich am nächsten Abend nicht wieder zusammen an den Stammtisch zu setzen. 

Die alten Zeiten sind vorbei. Das mag man bedauern oder auch nicht. Ich will das Alte nicht verklären. Die soziale Kontrolle auch durch den Pfarrer war schon sehr einengend. Doch wenn man heute die "ureigene dörfliche Identität unseres Dorfes" beschwört dann geht das an der heutigen Realität vorbei. Wir Horbener haben heute die gleiche Mentalität wie die Bewohner der Nachbargemeinden. Wir alle sind heute sozial durchmischt und überwiegend städtisch geprägt. 

Den alten Raben gibt es in der Form auch nicht mehr. Es macht also keinen Sinn etwas herbei zu reden das es so nicht mehr gibt!

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